Bild für Beitrag: Trio Spielraum mit Silvia Droste | Musik und Leben von Kurt Weill
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Trio Spielraum mit Silvia Droste

Musik und Leben von Kurt Weill

Dortmund, 11.02.2025
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Heinz Schlinkert, Sandra Spitzner

Kurt Weill hat als  Komponist zwischen Klassik, Musical und Jazz die Musikwelt des 20. Jahrhunderts geprägt. In einem eindrucksvollen Konzertabend im Amtshaus Dortmund Mengede spürte das Trio Spielraum seinem künstlerischen Weg von Berlin über Paris bis nach New York nach. Die Jazz-Sängerin Silvia Droste , Pianist Michael Kotzian und Bassist Ingo Senst ließen dabei nicht nur Weills bekannte Werke wie "Mackie Messer" lebendig werden, sondern enthüllten auch weniger bekannte Facetten seines vielseitigen Schaffens.

Wir sind in Dortmund. Das Trio Spielraum spielt im Amtshaus, alle Plätze sind besetzt. Doch bevor das Konzert beginnt, wird in der freundlichen Ansage von Michael Konrad erst einmal der BVB erwähnt, der diesmal sogar gewonnen hat. Dann eröffnen der Pianist Michael Kotzian und der Bassist Ingo Senst als Duo das Konzert mit ‚The Saga of Jenny‘ aus dem Musical ‚Lady in the dark‘, ein Stück von Kurt Weill, dessen Leben und Werk das Thema des heutigen Abends sind. Die Sängerin Silvia Droste betritt erst danach die Bühne und singt ‚Mackie Messer‘. Sie singt es sehr akzentuiert und mit ausgeprägter Körpersprache und zwar im ¾ Takt, gefolgt von der ‚Seeräuber Jenny‘. Das kennt das Publikum natürlich sehr gut und applaudiert kräftig.

Kurt Weill: Musik und Leben

Im ersten Set geht es um die Zeit bis 1933, als Weill noch in Berlin lebte. Viele Informationen zurLebensgeschichte Weills werden gegeben, der schon früh wegen seiner jüdischen Herkunft erst nach Frankreich und dann in die USA flüchten musste. Neben Stücken wie ‚Alabama Song’ und ‚Surabaya Johnny’ ist auch das weniger bekannte ‚Berlin im Licht‘ zu hören, inklusive Information zum zeitgeschichtlichen Hintergrund. Auch die schwierige Beziehungsgeschichte von Lotte Lenya und Kurt Weill wird immer wieder thematisiert.
Aus Weills Zeit in Frankreich stammt der Tango ‚Youkali’, den Silvia in tadellosem Französisch singt. Frankreich als das in diesem Lied besungene „Pays de notre plaisir“ war nun auch von den Nazis bedroht und Weill flüchtete 1937 weiter in die USA. Dazu ein Zitat aus einem Brief von Weill: „Es muss ein großartiges Land sein, wo solche Musik gespielt werden kann.“ Das bleibt ausdrücklich unkommentiert, wohl weil man das heute nicht mehr so sagen kann.
Deutlich wird, dass Weill nicht nur Jazz, sondern auch klassische Musik komponierte. Doch heute Abend stehen Songs aus den Musicals im Vordergrund wie der ‚September Song‘ und ‚My Ship‘, doch auch ein weniger bekanntes Stück von 1948: ‚Green Up Time‘, ein klassischer Swing aus dem Musical ‚Love Life’ ist dabei.
Dieses Konzert ist kein typisches Jazzkonzert, bei dem eine Improvisation auf die andere folgt wie kürzlich bei Silvias Auftritten beim Tatort Jazz und im Kulturrat mit Chris Hopkins . Im Vordergrund steht die Musik Kurt Weills, an dessen Lebenslinie entlang das Programm gestrickt ist. Zwischendurch werden Informationen gegeben, die manchmal an einen Fachvortrag erinnern, die aber erst die Bedeutung und den Zusammenhang der Stücke deutlich machen.
Während Silvia immer wieder improvisiert, vor allem mit Scatgesang, bleiben die anderen beiden Musiker zunächst meist auf die Begleitung beschränkt. Im zweiten Set bringen sie sich mehr mit relativ kurzen gelungenen Soli ein. Bei ‚Green Up Time‘ kommt es zu einem improvisatorischen Höhepunkt: Piano Solo, dann Vokalisen und Scatting parallel zum Bass Solo und schließlich eine Call Response Sequenz von Silvia und Ingo, in der sie mit gestischer Unterstützung ein Gespräch simulieren. Zum Abschluss mit ‚Speak Low’ beweist Silvia noch einmal ausgiebig ihr Talent im Scatten. Viel Beifall und die Zugabe ‚Macki Messer‘, diesmal englisch als ‚Mack the Knife‘, begeistert das Publikum, das lang anhaltend applaudiert.

Das Trio Spielraum

Das Trio wurde 2020 gegründet, konnte aber wegen Corona erst im August 2022 auftreten. Der Pianist Michael Kotzian war von Anfang an dabei und hat alle Stücke arrangiert. Er spielt auch in einem anderen Trio, den ‚Sounds and Grooves’ mit Sängerin Hilde Vanhove und Bassist Luciën Matheeuwse.
Der Dortmunder Bassist Ingo Senst ist zum ersten Mal dabei, da sein Vorgänger Stefan Werni leider im letzten Jahr verstorben ist. Er ist ein gefragter Bassist, der z. B. beim letzten Album von Götz Alsmann dabei war. Er spielt den Bass sehr kunstvoll, meist recht einfühlsam und sanft, er lässt die Stahlsaiten nicht knallen, die hohe Saite ist aus Darm. Dies, wie auch die einfühlsame pianistische Begleitung von Michael Kotzian passt sehr zu diesem Konzert, das weitgehend ‚unplugged‘ abläuft.
Silvia Droste ist eine weltbekannte Jazzsängerin. Ganz klar, sie ist die Chefin, sie hat das Programm entwickelt und hat alles im Griff. Ansagen an „die beiden Jungs, die mich immer gut klingen und aussehen lassen“ (Zitat S. Droste) laufen auch nonverbal und sorgen für den reibungslosen Ablauf dieses sorgfältig geplanten Programms.

MiA - Musik im Amtshaus Mengede

Die Konzertreihe 'Musik im Amtshaus' wurde im Oktober 2012 von Michael Konrad und Wilfried Jürgens gegründet. Träger sind das Stadtbezirksmarketing Mengede und  das Kulturzentrum Mengede e. V.. Michael Konrad (s. Foto unten) war früher der Leiter der Bezirksverwaltungsstelle und führt seit seiner Pensionierung die Reihe ehrenamtlich weiter. Die Konzerte finden im Sitzungssaal der Bezirksvertretung Mengede statt, der zu den Konzerten jeweils mit ca. 80 Stühlen bestückt wird. Das Gebäude (s. Foto unten) hat den Charakter eines kleinen Stadtteilzentrums, hier gibt es auch eine Buchhandlung.
Bühnenelemente sind zwar vorhanden, werden aber gar nicht benötigt, denn man kann auch ‚ebenerdig‘ sehr gut das Konzert verfolgen und befindet sich zudem in unmittelbarer Nähe zu den Künstlern. Da genügt ein Mikro für die Sängerin.
Die MiA-Konzerte, auch mit klassischer Musik, sind Stadtteil-Events. Michael Konrad, der die Konzerte organisiert, ist für alle ein Begriff. Getränke gibts in der Pause in einem Nebenraum. Die Eintrittskarten (s. Foto unten) sind liebevoll gestaltetet und die MusikerInnen werden zum Abschluss sehr freundlich beschenkt. Ein wahrer Gewinn für den Stadtteil.

Für dieses und nächstes Jahr sind weitere Konzerte des Trios geplant
http://www.silviadroste.de/
http://www.musik-im-amtshaus.de/

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