Nils Wülker - Zuversicht
„Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel“
TEXT: Heinz Schlinkert |
Nach Aufnahmen mit Orchestern und mit seinem Duo-Partner Arne Jansen kehrt Nils Wülker nun zur klassischen Jazz-Besetzung zurück mit Trompete, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug, zum ersten Mal mit einer internationalen Besetzung. In NRW wird er damit im April in Bochum und Köln auftreten.
All hands on deck
‚All hands on deck‘ heißt das erste Stück, die ‚hands‘ sind Aaron Parks am Klavier, Linda May Han Oh am Kontrabass und Greg Hutchinson am Schlagzeug. In nur dreieinhalb Tagen hat das Quartett das Album in einem Berliner Studio aufgenommen.
‚Continuum‘ war schon auf dem gleichnamigen Album zu hören, hier klingt es ohne den orchestralen Klangteppich ganz anders und fügt sich mühelos in die Folge der anderen zehn Eigenkompositionen Wülkers ein. Vielleicht das beste Stück ist ‚Second Nature‘, bei dem Flügelhorn und Bass anfangs unisono spielen, gefolgt von einem langen kunstvollen Bass Solo von Linda May Han Oh, um am Ende melodisch wieder zusammenzukommen
Ruhig, melodisch - meditativ oder träumerisch? – auf jeden Fall sehr harmonisch klingt das und erinnert schon fast an Till Brönner.
‚It’s okay‘ und ‚It’s alright‘ heißen die beiden letzten Stücke, doch ist wirklich alles ok bzw. alright? Musikalisch schon, aber auf der Welt und in der Gefühlslage vieler Menschen wohl kaum.
„Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel“
Nils Wülker knüpft daran an und bemerkt zu diesem Satz des Rabbiners und Bürgerrechtlers Samuel Ullman:
„In den letzten Monaten, in der mir die Weltlage und die gesellschaftlichen Entwicklungen, wie wahrscheinlich vielen anderen auch, aufs Gemüt gedrückt haben, hat sich bei mir dieses Zitat verfangen. … Es ist für mich ein Leitsatz geworden. Und ich habe es auch als Appell und Leitfaden für diese Albumproduktion genommen.”
Mit seiner Musik hofft er etwas beizutragen für den Frieden in der Welt. Doch kann seine Musik das wirklich leisten? Wohl kaum, aber individuelle Hilfe um damit umzugehen schon.
Insofern erinnern Sound und Intention an das Album der Wasserfuhr-Brüder ‚Safe Place‘ vom letzten Jahr. Ebenso wie einen ‚safe place‘ können wir im Moment auch 'Zuversicht' gut gebrauchen.
Doch das kann nicht alles sein, auch Aktivität ist gefragt, wenn man wirklich etwas verändern will. Da klingt das funkige ‚Forces on work’ schon etwas lebendiger mit betonten Rhythmen und etwas schnelleren Tonfolgen. Doch selbst ‚FOMO Fighter‘ – es geht um ‚Fear of Missing Out’, die Abhängigkeit von sozialen Medien - klingt nicht gerade kämpferisch, sondern eher lasziv, entspannt.
Unterm Strich bleibt ein musikalisch höchst virtuoses Album, das allerdings kaum Höhepunkte enthält, das aber vielleicht Trost spenden und individuelle Aufregungspotenziale abbauen kann. Um von der Musik reale Veränderungen zu erwarten, muss man allerdings schon sehr zuversichtlich sein.
Nils Wülker - Zuversicht
Label: Warner 12462502
Erscheinungstermin: 30.1.2026
Konzerttermine in NRW mit Omer Klein, Linda May Han Oh und Gregory Hutchnsoni
26.04. Christuskirche – Bochum
27.04. Gloria – Köln
