Julian & Roman Wasserfuhr feat. Jörg Brinkmann
Safe Place
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: ACT
Ruhig, besinnlich, entspannt, so kennt man die Musik der Wasserfuhr Brüder, ganz gleich, ob diese nun – entsprechend ihrer CD-Titel – in Göteburg upgegraded wurden, in Brooklyn gelandet sind, in Irland relaxed haben oder bei ‚Running‘ eher gemächlich dahergewandelt sind. Für das neue Album ‚Safe Place‘ gilt das in besonderer Weise.
Alle Stücke, außer ‚Field of Gold’, haben die beiden Brüder selbst komponiert und arrangiert.
Julian Wasserfuhr
an Trompete und Flügelhorn und Roman Wasserfuhr am Piano werden diesmal von Jörg Brinkmann am Cello begleitet, zweimal kommt der Saxofonist
Paul Heller
als Special Guest dazu. Diesmal keine Drums.
Safe Place - Vent Chaud – Dodo - Solitude - Perfect Tiny Moment
Schon einige der Titel signalisieren den individuellen Rückzug auf harmonische Innerlichkeit. ‚Safe Place‘ war der Ausgangspunkt bei der Komposition des Albums. Auf ein rhythmisches Riff folgt die Vorstellung der Melodie durch den Trompeter mit unterschiedlichen Soli in der Folge. Das Thema wird recht oft wiederholt, hier könnte man an den ‚Songjazz‘ von Triosence erinnert fühlen.
Doch es bleibt nicht bei oberflächlichen Melodievariationen, denn die Stücke sind recht abwechslungsreich komponiert und reich an klangvollen Soli. Man fühlt beim Trompetensound von ‚Vent Chaud‘ geradezu den warmen Wind um die Nase wehen, wenn man seine akustischen Wahrnehmungen taktil imaginiert.
‚Dodo‘ – französisch ‚faire Dodo‘ (schlafen) – klingt da mit rhythmischen Passagen viel lebendiger, eher wacher. ‚Movimiento‘ erinnert an Tango und bringt noch etwas mehr Bewegung ins Spiel.
Die größte Überraschung bei diesem Album ist der Saxofonist
Paul Heller
, der sonst für seine an Charlie Parker erinnernden schnellen Läufe bekannt ist. Unglaublich, kaum wiederzuerkennen spielt er bei ‚Solitude‘ und ‚El Caballo Valiente‘ sehr ruhig und melodisch mit Anklängen an klassische Musik.
Flucht in die Innerlichkeit?
Die Intention des Albums ist klar formuliert, es geht um „ einen musikalischen Zufluchtsort voller Vertrautheit, Wärme und Intimität“, um „klare Melodien mit emotionalen Geschichten und persönlichen Momenten, die von sanfter Isolation bis zu großer Lebenskraft reichen.“ (Homepage)
Ist das die Flucht in die Innerlichkeit? Heinrich Heine schrieb vor 200 Jahren im ‚Wintermärchen‘ von dem „alte(n) Entsagungslied, … womit man einlullt, wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel“.
Doch im Moment können wir angesichts der aktuellen Weltlage so einen ‚safe place‘ sicher gut gebrauchen. Der Begriff ‚sicherer Ort‘ wird auch in therapeutischen Zusammenhängen verwendet, wenn es um die Schaffung einer inneren Vorstellung geht, die bei der Bewältigung psychische Probleme hilft. Analog dazu kann die Musik als ein ‚safe place‘ verstanden werden, an den man sich retten kann, wenn es draußen drunter und drüber geht.
‚Perfect Tiny Moment‘, das letzte der 10 Stücke, beginnt mit einer von Cello und Klavier getzragenen Melodie, die sich durch das ganze Stück zieht, zeitweise begleitet von einem wundervollen Solo von
Julian Wasserfuhr
. Sehr schön, sehr ‚tiny‘, doch ein bisschen mehr Bewegung, Rhythmik, vielleicht sogar Aufbruchstimmung wäre für das nächste Album angesagt. Sonst besteht dann doch die Gefahr des ‚Einlullens‘. Beim ersten Album ‚remember chet‘ ging das doch sehr gut!
Julian Wasserfuhr
&
Roman Wasserfuhr
Safe Place
Label: ACT 12046040
Erscheinungstermin: 31.1.2025
Konzerte
26.3.25 lit. Cologne Köln
14.6.25 Alte Drahtzieherei Wipperfürth