Carla Köllner Big Band
Not obessed but kinda into it
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: homepage JAZZJAZZ
‚not obsessed but kinda into it‘ heißt das Debutalbum der Carla Köllner Big Band, das Mitte Mai vom Kölner Label JAZZJAZZ veröffentlicht wurde. Auf den ersten Blick fällt vielleicht erstmal der skurille Titel auf; auch andere Stücke wie ‚bitte nicht schubsen, habe joghurt im rucksack‘ oder ‚okayyy let’s go‘ lassen aufhorchen. Doch Texte gibt es nicht, denn es wir nicht gesungen.
Viele bekannte Namen aus der Kölner Jazzszene finden sich in der Big Band (s.u.). Eine besondere Rolle spielen Lisa Buchholz und Günter Bollmann.
Mit ‚how to train a dragon‘ beginnt das Album und schon wird klar, dass hier keine funkige schalldruckstarke Powerband am Werk ist. Es geht gemächlicher und leiser zu und es stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit ein. Denn die Kompositionen sind sehr diffizil, ein Geflecht verschiedener Stimmen, die ineinander übergehen. Fast unmerklich fließen die Soli ein von János Löber (tp), Benedikt Göb (p) und Jonathan Böbel (trb). Gegen Ende des Stücks klingt Johnny Nashs ‚I Can See Clearly Now‘ an.
Beim zweiten Stück, nach dem das Album benannt ist, glänzt Caris Hermes mit energischer durchgehender Begleitung auf ihrem Bass. Nach einem kurzen Solo des Drummers Niklas Walter scheint das Stück nach viereihalb Minuten zu Ende zu sein, aber nein, die Bläser nehmen es wieder auf und führen es über zwei Minuten zum Ende.
Neun Stücke sind es insgesamt, alle von Carla komponiert. ‚Minolla’ kommt so launig gemächlich rüber, wie man es bei einer Big Band kaum vermuten könnte. Günter Bollmann glänzt hier über mehr als 8 Minuten mit einem fast durchgängigen Posaunen Solo, Carla Köllner spielt selbst gar nicht.
Bei ‚tell me who i am (i dare you)‘ improvisiert Carlotta Ribbe klangvoll auf ihrem Vibraphon, Caris Hermes soliert zeitweise auf einem Ton, bis dass sie von einem beachtlichen Gitarrensolo von Paul Prassel abgelöst wird. ‚xxx‘ ist ein ruhiges Intermezzo von 40 sec, getragen nur von dem Trio vibes, piano und bass. Mit ‚okayyy let’s go‘ schließt das Album mit einem grandiosen Finale, das von einem melodischen Flügelhorn Solo von Lisa Buchholz gekrönt wird.
Carla Köllner
Carla Köllner (*1993) kommt nicht etwa aus Köln, sondern aus Essen, wo sie an der Folkwang Uni Jazzposaune studiert hat, später auch in Amsterdam und Frankfurt. Sie komponiert und arrangiert und leitet eine Big Band. Bei Luise Volkmann s ‚Ete large‘ und sogar bei Konzerten von Nina Chuba war sie dabei. Bei dem Projekt ‚Cologne Composers Corner‘ der WDR Big Band begeisterte sie mit "Persistence", einem Stück, das auch auf der neuen CD zu hören ist.
Dies ist wirklich ein interessantes Album, das die Grenzen von kammermusikalischem Jazz und Big Band Jazz verschmelzen und viel für die Zukunft erwarten lässt.
Carla Köllner Big Band - not obsessed but kinda into
EAN/UPC: 4262353280218
Release: 15.05.2026
Saxophones
Julius van Rhee (as, fl, cl)
Paula Steimer (as, fl, cl)
Lennart Allkemper (ts, cl)
Lucie Graehl (ts)
Wim Schulze (ts)
Roman Fritsch (bs, bcl)
Trumpets
Cay Schmitz
Matthias Schwengler
Franziska Becker
Benjamin Stanko
János Löber
Marie Tjong Ayong
Trombones
Philipp Schittek
Paul Lüpfert
Jonathan Böbel
Philipp Hayduk
Tobias Herzog
Rhythm
Carlotta Ribbe (vib)
Paul Prassel (g)
Benedikt Göb (p)
Caris Hermes (b)
Niklas Walter (dr)



