Bild für Beitrag: VON LYRISCH UND MELANCHOLISCH BIS ZU RAU UND KRACHIG | Nils Petter Molvaer in NRW
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VON LYRISCH UND MELANCHOLISCH BIS ZU RAU UND KRACHIG

Nils Petter Molvaer in NRW

Köln, 19.03.2026
TEXT: Uwe Bräutigam / Bernd Zimmermann | FOTO: Uwe Bräutigam

Zu Beginn einer mehrwöchigen Europa-Tournee mit seinem Trio, gab Nils Petter Molvaer in NRW zwei Konzerte. Zunächst ein Solokonzert in der gut besuchten Christuskirche in Bochum und 5 Tage später im vollgepackten Kölner Stadtgarten. Aber dort blieb es wegen des Ausfalls seines Schlagzeugers Erland Dahlen, der sich verletzt hatte, auch "nur" bei einem Duo mit dem Bassisten Jo Berger Myhre.

Molvaer's Waves in der Christuskirche BOCHUM

Es ist kein Wunder, dass dem Publikum eines Molvaer-Konzerts immer wieder Bilder von Fjorden und Künsten-Landschaften in den Sinn kommen. Aufgewachsen auf der Insel Sula, ganz im Westen Norwegens im Europäischen Nordmeer gelegen, war er unter anderem früh geprägt von der Musik eines Miles Davis und Jon Hassell. Und so mutet auch der dramaturgische Aufbau des Solo-Konzerts in der Bochumer Christuskirche an. Bei einer recht spärlichen Beleuchtung, bei der man an lange dunkle Wintertage im hohen Norden denkt, wechselte Molvaer immer wieder von sanften Tönen der Trompete, ohne Effekte und eingespielten Samples zu zum Teil kraftvoll wummernden komplexen Grooves und fein dosierten Loops. Ein stimmungsvolles Wellenspiel, dass das Publikum an diesem Abend vollends in ihren Bann zog.

VON LYRISCH UND MELANCHOLISCH BIS ZU RAU UND KRACHIG

Das Konzert im Kölner Stadtgarten war, trotz des Ausfalls von Erland Dahlen kein klassisches Duo Konzert, weil beide Musiker mit elektronischen Einspielungen, Live-Samples und Loops arbeiteten. Trotzdem hatte das Zusammenspiel von Trompete und Bass eine große Intimität, die einen besonderen Reiz hatte. Die beiden Musiker spielten ein sehr dichtes und intensives Konzert.

Zum Einstieg spielte Molvaer ein längeres lyrisches Solo, in das dann der Bassist langsam einstieg. Im Laufe des Konzerts gab es auch rockige Passagen und gegen Ende spielten die beiden auch teilweise richtige Noise Music, um dann mit dem Radiohead Cover True Love Waits wieder in ruhige Gefilde überzugehen. Dieses Stück war auch das einzige Cover des Abends, alles andre waren Originale. Viele Stücke waren, ebenso wie das Radiohead Stück aus dem Album Stitches.

SEINEN EIGENEN TROMPETENSOUND ENTWICKELT

Die langen elektronisch bearbeiteten Trompetentöne, die oft nordisch melancholisch klingen, sind das Markenzeichen von Nils Petter Molvaer. Er ist neben Bugge Wesseltoft, mit dem er befreundet ist, einer der Pioniere und Erneuerer auf dem Gebiet des elektroakustischen Jazz. Seine Musik ist unverkennbar und trotzdem ist er nicht redundant und zitiert sich selbst. Er breitet auch bei dem Kölner Konzert eine Vielzahl an musikalischen Ideen aus und entwickelt immer wieder neue Improvisationen. So ist auch der Radiohead Titel kein wirkliches Cover, sondern lediglich Ausgangsmaterial für Bearbeitung und Improvisation.

Seit dem Ende der 90er Jahre entwickelt Nils Petter Molvaer seine persönliche Art des Trompetenspiels konsequent weiter. In einem Interview sagte er, dass ihn das typische Spiel der Jazztrompete anfing zu langweilen. Hier geht es zum vollständigen Interview

Dann hörte er die downtempo Musik von Triphop Bands wie Massive Attack und Portishead und beschäftigte sich mit afrikanischer und asiatischer Flötenmusik, wie zum Beispiel der japanischen Shakuhachi Bambusflöte. All dies und vieles mehr nahm fortan Einfluss auf seine Musik. Aber nie ist dieser Prozess abgeschlossen. Nils Petter Molvaer spielt immer wieder mit verschiedenen Musiker*innen zusammen und lässt sich von ihnen inspirieren.

JO BERGER MYHRE, EIN UNGEMEIN VIELSEITIGER BASSIST

Diese Entdeckerfreude und Improvisationskunst war auch im Kölner Stadtgarten zu spüren, den Nils Petter Molvaer hatte mit Jo Berger Myhre einen Bruder im Geiste an seiner Seite. Auch der arbeitete an seinem E-Bass mit elektronischen Effekten. So klang sein Spiel von funky perkussiv, bis langsam und elegisch. Stellenweise klang der Bass wie eine verzerrte Geige, wenn er mit dem Bogen über die Saiten strich, in anderen Passagen klang er wie eine Gitarre, einmal sanft und lyrisch und ein anderes Mal rau und noisig. Jo Berger Myhre prägte das Konzert ebenso wie Nils Petter Molvaer. Ein Konzert mit vielen überraschenden Wendungen und immer neuen Improvisationen. 

Aus dem großen Konzertsaal im Stadtgarten war die Bestuhlung, bis auf drei Stuhlreihen, entfernt worden, um genügend Stehplätze für das Publikum zu schaffen. Aber trotz der Stehplätze gab es keine Unruhe im Publikum, kein rein und raus, wie man es sonst von unbestuhlten Konzerten kennt. Molvaer und Berger Myhre schafften es die Aufmerksamkeit des Publikums über eineinhalb Stunden zu fesseln. Und trotz des vollen Saales hatte das Konzert eine sehr intime Stimmung. Selbstverständlich, dass die beiden Musiker heftigen Applaus bekamen, der in einer Zugabe mündete.

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