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Nils Landgrens 70. Geburtstag

Jazz Crossover mit den Essener Philharmonikern

Essen, 19.07.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Heinz Schlinkert

Seinen 70 Geburtstag feierte Nils Landgren mit einem Doppelkonzert am 16. und 17. Juli in der Essener Philharmonie mit Stücken, die ihm in seiner langen musikalischen Laufbahn besonders wichtig waren. Mit diesem Highlight als ‚Sinfoniekonzert XII‘ beendete er seine Tätigkeit als ‚Porträtkünstler‘ der Saison 2025/2026 der Essener Philharmonie.
Zur Band von Nils Landgren gehören Joel Lyssarides (Klavier), Lars Danielsson (Kontrabass), Mehmet Ikiz (Schlagzeug Robert) und Ida Sand (Gesang, Klavier). Die Essener Philharmoniker spielen unter der Leitung von Jörg Achim Keller. Keller gehört nicht zum Team der Philharmonie, er dirigiert weil er als Leiter von Bigbands, z. B. der hr Big Band, viel Erfahrung hat.
Der hohe Saal, der an eine Kirche erinnern könnte, ist ein beeindruckendes Setting mit Nils Landgren mitten auf der Bühne mit seiner roten Posaune. Sein Instrument blinkt im Scheinwerferlicht, umso mehr als die Posaune mit ihrem Zug selbst ständig in Bewegung ist.

Erstes Set - Songs von Leonhard Bernstein

Die Musiker kommen auf die Bühne, doch viele Plätze bleiben frei, denn vom Orchester sind nur die Bläser gekommen. Im ersten Set sind Stücke von Leonhard Bernstein zu hören. Schon 2016 hatte Nils mit Mitgliedern der Bochumer Symphoniker das Album ‚Some Other Time: A Tribute To Leonard Bernstein‘ veröffentlicht, von dem auch heute einige Stücke dabei sind, vor allem aus der Westside Story. ‚Some other time‘ stammt aus den Musical ‚On the town’ und wird – Alt trifft auf Fistelstimme – im Wechsel von Ida Sand und Níls Landgren gesungen. ‚Story of my life‘ singt Ida solo. Eine Überraschung ist der berühmte Song ‚Maria‘, der oft inbrünstig mit langgezogenen Vokalen interpretiert wird. Ganz anders heute. Drums leiten den Song sehr energisch ein, flotte Soli von Posaune und Bass entfalten eine Dynamik, die sich auch auf die Zuschauer überträgt. Das Orchester kommt dazu und entwickelt ein triumphales Crescendo, bis dass Nils das Stück mit einem ruhigen melancholischen Solo zum Ende führt.
Nils Landgren moderiert wie gewohnt sehr humorvoll, sein „alter Schwede“ findet immer noch seine Lacher. Vor der Pause zeigt er Wertschätzung für die Orchester-MusikerInnen, deren Namen er vorliest.

CROSSOVER: Band und Orchester - Jazz und Klassik

Symphonieorchester und Jazzcombo - sind das nicht gegensätzliche Welten? Welche Rolle spielt dabei das Orchester, ist es nur eine grandiose Kulisse? Schon oft wurde versucht Jazz und Klassik zu verbinden, viele, z. B. Nils Wülker mit dem Münchner Rundfunkorchester, haben es mit mehr oder weniger großem Erfolg schon versucht.
https://nrwjazz.net/rezensionen/nils-wuelker-continuum
Das Orchester bietet oft Flächen und begleitet Crescendi, manchmal ist es auch an einem Intro beteiligt. Im zweiten Set könnte man manchmal meinen, das Orchester hätte das Konzert übernommen, da der volle Orchestersound vieles überlagert. Bei 6 Kontrabässen auf der rechten Bühnenseite ist z. B. Lars Danielssons Bass kaum mehr zu hören. Nur der Drummer ist mit seinem unermüdlichen markanten Spiel immer präsent.

Zweites Set - voller Orchesterklang trifft auf Jazz

Nach der Pause ist das gesamte Orchester auf der Bühne vertreten. Nun klingt die Musik gleich ganz anders. Gespielt werden Stücke unterschiedlicher KomponistInnen, zwei von Kurt Weill, drei von Nils Landgren selbst, eines von Ida Sand, die ihr ‚Waiting‘ ganz allein vorträgt. Sehr abwechslungsreich ist der Ablauf gestaltet, mal spielt nur die Band, mal Band mit Orchester, mal mit, mal ohne Sängerin. ‚Moonglow‘ von Cat Stevens kommt beim Publikum besonders gut an.
Besonders bei ‚Joe’s Moonblues’,  glänzt die Band mit vielen Soli, der Drummer spielt dabei mit den bloßen Händen. Richtig ab gehts bei Joe Samples ‚Some old story‘, Die Zuhörer stehen – nach Aufforderung – auf und klatschen mit. Hier ist der Geist von Nils’ Funk Unit wieder da. Für ein ganz besondere Überraschung sorgt Clemens Stahmer-Ilgner, ein Trompeter des Orchesters, der von ganz hinten ein jazziges Trompetensolo spielt. Hier ist Crossover wirklich gelungen!
Auf die Zugabe muss man nicht lange warten: ‚Somewhere‘ von Bernstein trägt Nils, ganz anders als vorher bei ‚Maria’, sehr langsam und besinnlich vor und stellt mal wieder den wundervollen Klang seiner Posaune unter Beweis.

Nils Landgren kommt zurück nach Essen im Mai 27 mit ‚4 Wheel Drive’

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