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40 Jahre Jazzclub Hürth

Ein Abend voller Erinnerungen und Musik

Hürth, 23.07.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Regina Reiners, Heinz Schlinkert

Das 40-jährige Bestehen des Jazzclubs Hürth wurde am 18. Juli 2026 mit einer Feierstunde und viel Musik im Hürther Jazzkeller gefeiert. Der Abend bot Gelegenheit, auf vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte zurückzublicken – und zeigte zugleich, warum der Club bis heute ein lebendiger Treffpunkt für die regionale Jazzszene geblieben ist. Wer den Jazzclub Hürth zum ersten Mal besucht, vermutet hinter dem unscheinbaren Hinweisschild im Stadtteil Gleuel kaum einen der stimmungsvollsten Jazzkeller der Region. Vom Kölner Autobahnring sind es nur wenige Minuten bis auf die Ville, deren Landschaft im Juli von gelben Stoppelfeldern geprägt ist. In einer ehemaligen Schule führt eine Treppe hinunter in den Keller – und mit jedem Schritt scheint der Alltag ein Stück weiter oben zu bleiben.

Unten öffnet sich eine andere Welt. Backsteingewölbe, Rundbögen, eine kleine Bar, Platz für rund 80 Besucher und eine Bühne. An den Wänden hängen Konzertplakate vergangener Jahrzehnte und Musikinstrumente. Ein Jazzkeller, wie man ihn heute nur noch selten findet – ein Ort mit Geschichte und Charakter.

Auch die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von großen Konzerthäusern. Viele Gäste kennen sich seit Jahren, begrüßen sich mit Handschlag oder Umarmung, Ehrenamtliche kümmern sich um den Ablauf, an der Theke wird geplaudert. Man spürt schnell: Hier kommen nicht einfach Besucher zu einem Konzert – viele fühlen sich ein wenig wie zu Hause. Pünktlich um 19 Uhr eröffnet der Vorsitzende Günter Reiners den Abend. Seit 18 Jahren steht er an der Spitze des Vereins, den Peter Schmitt-Sausen 1986 gegründet hat. Gleich zu Beginn verrät Reiners, dass an diesem Jubiläumsabend ausnahmsweise kein Jazz erklingen werde. Eine überraschende Ankündigung – die sich im Laufe des Abends als durchaus stimmige Programmidee erweist.

Der Vorsitzende ist kein Freund langer Festreden. Mit einem Schmunzeln blättert er kurzerhand eine Seite seines Manuskripts um und kommt direkt zum Wesentlichen. Vertreter der Stadt Hürth und der Kreissparkasse Köln würdigen anschließend die kulturelle Bedeutung des Jazzclubs und überreichen Glückwünsche sowie Jubiläumsgeschenke. Für den musikalischen Rahmen sorgen Ralf Gscheidle (Akkordeon) und Sabine Paas (Gesang). Mit französischen Chansons wie Sous le ciel de Paris und Non, je ne regrette rien verleihen sie dem Abend eine beinahe französische Note.

Erinnerungen aus vier Jahrzehnten

Zwischen den Musikblöcken führt Jana Ulrich, Redakteurin bei Radio Erft, durch drei Gesprächsrunden mit Menschen, die die Geschichte des Clubs geprägt haben. Anne Schmitt-Sausen, die Ehefrau des Gründers Peter Schmitt-Sausen, erinnert an die Anfänge des Vereins. Mit viel Eigenleistung wurde der Keller einst in einen Konzertsaal verwandelt – eine Zeit, in der Idealismus und Tatkraft mindestens ebenso wichtig waren wie finanzielle Mittel.

Frauke Kämmerling, ehemalige Leiterin des Hürther Kulturamts, blickt auf die langjährige Zusammenarbeit zwischen Stadt und Club zurück. Dabei fallen Stichworte wie die Hürther Jazznächte und das Konzert des Count Basie Orchestra im Jahr 2008 – Höhepunkte, die vielen Besuchern noch heute in Erinnerung sind. Dann übernimmt wieder die Musik. Vor Gilbert Bécauds Nathalie trägt Sabine Paas zunächst den deutschen Text vor, bevor sie das Chanson auf Französisch singt. Ralf Gscheidle begleitet sie einfühlsam auf dem Akkordeon und nutzt dabei zeitweise ausschließlich die Knopfseite seines Instruments. Paas gestaltet ihre Lieder nicht nur mit ihrer Stimme, sondern ebenso mit Mimik und Gestik. Ihre Interpretation lebt von kleinen Gesten ebenso wie von den leisen Zwischentönen.

In der zweiten Talkrunde berichten Sabine Kühlich (Gesang und Klavier) sowie Roland Kämmerling (Trompete) von ihren langjährigen Erfahrungen mit dem Jazzclub – sowohl bei Konzerten als auch bei Workshops. Schließlich wird aus dem Gespräch Musik: Gemeinsam präsentieren sie einen „Blues in F“ und beziehen das Publikum spontan mit ein. Immer wieder erklingt der Refrain „They call us the keeper of the flame“, ehe der Saal sogar bereitwillig in einen Call-and-Response-Scat einstimmt – zunächst noch etwas vorsichtig, dann mit hörbarer Freude.

Mit Zuversicht in die Zukunft

In der letzten Gesprächsrunde richten Vorstandsmitglied Gerhard Karl und Maria Rasmussen den Blick nach vorn. Beide berichten von einer erfreulichen Entwicklung: Der Club gewinnt derzeit neue Mitglieder und erreicht zunehmend auch jüngere Menschen. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die Kooperationen mit Schulen sowie die zweimonatlich stattfindenden Jam Sessions, bei denen sich Nachwuchs- und erfahrene Musiker begegnen.

So wurde die Jubiläumsfeier weit mehr als ein Rückblick auf vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte. Sie zeigte, dass der Jazzclub Hürth von den Menschen lebt, die ihn tragen – von Ehrenamtlichen, Musikern und einem Publikum, das sich diesem besonderen Ort seit vielen Jahren verbunden fühlt.

Als die letzten Chansonklänge verklungen sind und sich die Gäste noch einmal an der Theke oder zwischen den alten Backsteinwänden unterhalten, wird deutlich, was diesen Club seit vier Jahrzehnten ausmacht: nicht spektakuläre Inszenierungen, sondern Nähe, Kontinuität und die gemeinsame Freude an guter Livemusik. Wer an diesem Abend zum ersten Mal den Weg in den Hürther Jazzkeller gefunden hat, dürfte verstanden haben, warum dieser Ort weit über die Stadtgrenzen hinaus einen so guten Ruf genießt.

Günter Reiners hat kürzlich in einem Interview ausführlich über die Geschichte des Jazzclubs berichtet.

Jazzkeller Hürth     Hermülheimer Str. 12-14     50354 Hürth  

‚DAS KLEINE MUSIKTHEATER‘  

Auch Sabine Paas und Ralf Gscheidle feiern heute ein Jubiläum, ihr Projekt ‚DAS KLEINE MUSIKTHEATER‘ gibt es nun schon seit 20 Jahren im nahen Köln. Sabine Paas lebt und arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin und Chansonsängerin in Köln. Sie gründete 1999 auch das Vorlese- und Rezitationstheater „Lesen & Lauschen“. Ralf Gscheidle lebt in Köln und arbeitet als Musiker, Komponist und Arrangeur für Theater, Film und Fernsehen. 
Wegen des großen Anklangs wird der Jazzclub Hürth die beiden im nächsten Jahr mit einem anderen Programm für den Jazzkeller verpflichten.
https://das-kleine-musiktheater.de/

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