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Vier Jahrzehnte Jazzclub Hürth

Interview mit Günter Reiners

Hürth, 17.07.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | 

Das sind 40 Jahre gelebte Musikleidenschaft, kulturelles Engagement und unzählige unvergessliche Konzertabende im Jazzkeller. Was einst aus der Vision engagierter Jazzfreunde rund um den Gründungsmotor und ersten Vorsitzenden Peter Schmitt-Sausen entstand, hat sich zu einer festen Größe im kulturellen Leben Hürths entwickelt.
Der Jazzclub Hürth steht nicht nur für hochkarätige Live-Musik und die Nähe zwischen Künstlern und Publikum, sondern auch für Offenheit, musikalische Vielfalt und den Blick nach vorne. In den vergangenen Jahren ist gerade die Förderung junger Musikerinnen und Musiker zu einem wichtigen Anliegen geworden mit Künstlern wie Joscho Stephan oder Marius Peters , deren Wege der Club ein Stück begleiten durfte.

Gleichzeitig lebt der Jazzclub vom Miteinander: von ehrenamtlichem Engagement, der Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Initiativen und einem treuen Publikum, das den besonderen Charakter des Jazzkellers seit Jahrzehnten mitträgt.
Im folgenden Interview mit Günter Reiners, dem Vorsitzenden des Jazzclubs Hürth e.V. (Nachfolger von Peter Schmitt-Sausen), blicken wir zurück auf die Anfänge, sprechen über prägende Persönlichkeiten, musikalische Entwicklungen und darüber, wie der Jazzclub Hürth auch in Zukunft ein lebendiger Ort für Jazz, Begegnung und kulturellen Austausch bleiben möchte.

NRWJAZZ: 40 Jahre Jazzclub Hürth – worauf sind Sie besonders stolz?
Vor allem darauf, dass aus einer Idee, die mit viel Leidenschaft und ehrenamtlichem Engagement entstanden ist, eine feste kulturelle Institution geworden ist. Viele Initiativen beginnen mit Begeisterung, aber nur wenige bestehen über vier Jahrzehnte. Dass der Jazzclub heute lebendig ist, mit einem treuen Publikum, großartigen Künstlern und einer klaren kulturellen Identität, erfüllt uns mit Stolz.

NRWJAZZ: Wie hat alles begonnen?
Die Gründung war eng mit dem Namen Peter Schmitt-Sausen verbunden. Er war zugleich ein leidenschaftlicher Jazzliebhaber und der eigentliche Motor der Gründung. Als erster Vorsitzender hat er Menschen zusammengebracht, Ideen entwickelt und vor allem Dinge in Bewegung gesetzt. Ohne seinen Einsatz gäbe es den Jazzclub in dieser Form vermutlich nicht. In den Anfangsjahren ging es vor allem darum, den Club überhaupt aufzubauen, ein Publikum zu gewinnen und Jazz in Hürth dauerhaft zu etablieren.

NRWJAZZ: Wie war die Jazzszene damals?
Natürlich war Köln ein Zentrum des Jazz, aber in Hürth war ein eigener Jazzclub etwas Besonderes. Das hatte durchaus Pioniercharakter. Vieles lief ehrenamtlich, vieles aus Überzeugung. Es ging nicht nur darum, Konzerte zu organisieren, sondern einen kulturellen Treffpunkt zu schaffen.

NRWJAZZ: Welche Rolle spielt der Jazzkeller?
Eine ganz zentrale. Ein Jazzclub braucht Atmosphäre, Nähe, diesen unmittelbaren Kontakt zwischen Publikum und Musikern. Der Jazzkeller in Gleuel ist weit mehr als ein Veranstaltungsort – er ist ein Stück Identität des Clubs geworden.

NRWJAZZ: Wie hat sich der Club über die Jahrzehnte verändert?
Wir sind professioneller geworden, ohne unseren Charakter zu verlieren. In den ersten Jahren stand der Aufbau des Clubs im Vordergrund. Heute, nach vier Jahrzehnten, haben wir die Möglichkeit, stärker nach vorne zu schauen – auf neue Entwicklungen im Jazz, auf Kooperationen und besonders auf die Förderung junger Talente. Ohne das besondere Engagement ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer über die Jahre hinweg wäre das alles nicht möglich. Daher auch hier ein herzliches Dankeschön an Alle für ihr Engagement.

NRWJAZZ: Ist Nachwuchsförderung heute ein wichtiger Schwerpunkt?
Ja, ganz eindeutig – stärker als in den Anfangsjahren. Damals ging es zunächst um die Etablierung des Clubs. In den letzten Jahren ist uns immer wichtiger geworden, jungen Musikerinnen und Musikern eine Bühne zu geben. Jazz lebt davon, dass Erfahrungen weitergegeben werden und neue Generationen ihren eigenen Klang entwickeln können.

NRWJAZZ: Gibt es Beispiele für diese Förderung?
Ja, und darauf sind wir besonders stolz. Ein herausragendes Beispiel ist Joscho Stephan. Er stand bereits mit 17 Jahren bei uns auf der Bühne damals als junger, hochbegabter Gitarrist. Heute ist er weltweit bekannt und eine feste Größe im Gypsy Jazz. Dass er dem Jazzclub bis heute verbunden geblieben ist und praktisch jedes Jahr im Jazzkeller auftritt, freut uns sehr. Sein nächstes Konzert bei uns ist für den 28.08.2026 vorgesehen. Ein weiteres schönes Beispiel ist Marius Peters der durch den Besuch unserer Jazznacht von der klassischen Gitarre auf den Jazz umgestiegen ist. Dessen musikalischen Weg durften wir ebenfalls bis hin zu seinem erfolgreichen Bachelor Konzert im Rittersaal der Burg Gleuel begleiten. Solche Entwicklungen zu erleben, ist etwas ganz Besonderes.

NRWJAZZ: Sie erwähnten eben Kooperationen mit anderen kulturellen Vereinen?
Kultur funktioniert nicht isoliert. Über die Jahre haben wir immer wieder erlebt, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Initiativen und Vereinen ist. Solche Kooperationen bringen neue Impulse, erweitern das Publikum und stärken das kulturelle Leben in Hürth insgesamt.

NRWJAZZ: Wie hat sich der Jazz selbst verändert?
Jazz ist heute offener und stilistisch vielfältiger als je zuvor. Neben klassischem Swing oder Mainstream gibt es Einflüsse aus Weltmusik, Funk, Elektronik, Latin, Gypsy Jazz oder Hip-Hop. Genau diese Offenheit macht Jazz so spannend – er bleibt in Bewegung.

NRWJAZZ: Ist es schwieriger geworden, junge Menschen für Jazz zu begeistern?
Die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist größer geworden, keine Frage. Aber wenn junge Menschen Jazz live erleben, merken sie schnell, welche Energie, Freiheit und Spontaneität in dieser Musik steckt. Jazz ist keine Museums-Musik – im Gegenteil.

NRWJAZZ: Wie sehen Sie die Zukunft des Jazzclubs?
Wir möchten das bewahren, was uns stark gemacht hat: persönliche Atmosphäre, musikalische Qualität und Leidenschaft für Live-Musik. Gleichzeitig wollen wir offen bleiben für neue Entwicklungen, junge Künstler fördern und unsere kulturellen Netzwerke weiter ausbauen.

NRWJAZZ: Was hätte Peter Schmitt-Sausen heute wohl dazu gesagt?
Ich glaube, er wäre stolz. Weil aus einer mutigen Idee etwas Dauerhaftes entstanden ist, ein lebendiger Ort für Musik, Begegnung und Kultur. Besonders würde er sich über unsere neue Jamsession-Reihe freuen, die er schon angedacht hat und nun endlich verwirklicht wurde.

NRWJAZZ: Zum Schluss: Was macht den Jazzclub Hürth in drei Worten aus?
Leidenschaft. Begegnung. Zukunft.

NRWJAZZ: Wir danken herzlichst für das Gespräch.






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