Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek

Köln spielt sich selbst

Final Countdown für die Cologne Jazzweek

Köln, 30.08.2026
FOTO: Bildquelle: Website Cologne Jazzweek

Köln erlebt einen Spätsommer, in dem sich der hiesige Jazz gleich mehrfach seiner eigenen Substanz versichert. Mittendrin steht die sechste Cologne Jazzweek, die vom 5. bis 11. September über 50 Konzerte auf mehr als 20 Bühnen versammelt – und die Musikerinnen und Musiker der Stadt selbst ins Zentrum rückt.

Der Stadtgarten, seit vier Jahrzehnten das Rückgrat des Kölner Jazz, feiert sein 40-jähriges Bestehen. Ende September bringt die European Jazz Conference die europäische Veranstalterszene in die Stadt. Und der Relaunch der Plattform Jazzstadt.de gibt endlich eine gebündelte Adresse für das, was hier ohnehin permanent passiert. Wer wissen will, wie es um die Jazzstadt Köln bestellt ist, findet in diesem September reichlich Anschauungsmaterial. Die Jazzweek ist der lauteste Teil davon.

Diese Rolle ist ihr nicht zugefallen, sie hat sie sich erspielt. 2023 kürte der Deutsche Jazzpreis das Festival zum „Festival des Jahres", im vergangenen Jahr bedeuteten 10.500 Konzertbesuche einen Rekord. Für eine Gründung ohne Millionenetat ist das ein imponierender Wachstumskurs, und die sechste Ausgabe geht noch einmal mehr in die Vollen. Nicht, weil sie größer sein will, sondern weil sie sich mehr traut. Um 18 Uhr der lange Hall eines Kirchenschiffs, um 20 Uhr die trockene Präzision des Stadtgarten-Saals, um halb elf die schwitzige Enge des JAKI – dazwischen immer ein Stück Straße, Bahnsteig, Nachtluft. Eine Klangstadt auf Zeit.

Die künstlerische Handschrift verantwortet Posaunist Janning Trumann , der sich bewusst nicht auf den eigenen Geschmack verlässt. Sein Kuratorium versammelt Line Juul vom Oslo Jazz Festival, Boomslang-Labelmacher Alfred Vogel, Hermes Villena von King Georg und Yousef Hilmy von Minaret Records aus Los Angeles. Das hört man: Dieses Programm denkt nicht in Sparten, sondern in Nachbarschaften.

Radikalität und Verletzlichkeit

Die Bandbreite zeigt schon ein einziger Abend. Am 6. September treffen im LOFT der britische Saxofon-Veteran Evan Parker und der amerikanische Trompeter Peter Evans aufeinander, zwei Generationen mit derselben Obsession für Multiphonics und Zirkularatmung. Im Stadtgarten spielt zeitgleich das Peter Bernstein Quartet mit Sullivan Fortner am Flügel jene warme, kluge Gitarrenkunst, die den Mainstream nie langweilig werden lässt.

Avishai Cohen bringt seine wuchtige Elektro-Band Big Vicious in die Philharmonie. Die New Yorkerin keiyaA zerlegt Neo-Soul zur Klangcollage, der Kalifornier Sam Gendel ist mehrfach zu hören, solo wie im Duo mit Folk-Erzähler Sam Amidon. Posaunistin Kalia Vandever spielt in der Antoniterkirche. Beachtlich ist weniger die Namensdichte als der Mut zur Fallhöhe. Wer Philharmonie-Abend und unabgesichertes Duo-Experiment im selben Atemzug programmiert, verlässt sich darauf, dass sein Publikum mitgeht. Nach fünf Ausgaben darf es das.

Die Szene im Zentrum

Der Kern aber ist Köln. Posaunist Matthias Muche , 2021 mit dem WDR-Jazzpreis geehrt, schickt sein Ensemble BONECRUSHER in die Kunst-Station Sankt Peter: Zehn Posaunen und ein Schlagwerk-Duo mit Rie Watanabe und Etienne Nillesen treiben das Blech durch alle Aggregatzustände, von Noise-Drones bis zu fragilen Geflechten aus Luft und Obertönen. Luise Volkmann bespielt mit ihren „Folk Stories" die Kirche Heilig Kreuz und nimmt Volksmusik nicht als Zitatvorrat, sondern als offene Frage. Das Quartett SCHMID's HUHN um Stefan Karl Schmid und Leonhard Huhn schreibt der Stadt mit dem „cologne songbook" ein eigenes Repertoire.

Wie eng dieses Netz geknüpft ist, zeigen zwei Konzerte. Bassist Roger Kintopf, Jahrgang 1998 und diesjähriger Träger des Horst-und-Gretl-Will-Stipendiums, stellt sein Quartett CIPHER vor, das zwölftönige Konstruktion mit freier Improvisation kurzschließt. Wenige Tage später kehrt sich das Verhältnis um: Felix Hauptmann, bei Kintopf am Synthesizer, bringt seine Uraufführung „YARDS & EMPATHY" heraus, mit Trompeterin Lina Allemano, Kintopf am Bass und dem Kubaner Francisco Mela am Schlagzeug. Dieselben Musiker, andere Rollen, andere Fragen. So entsteht Szene.

Dazu reist das Bundesjazzorchester mit der Kölner Saxofonistin Theresia Philipp musikalisch nach Armenien. Und dass es ganz ohne Saal geht, beweist „zFuaß": Matthias Schriefl und Johannes Bär ziehen mit ihrem Publikum durch die Stadt, mit Alphorn, Tuba und einer Musik, die zwischen Klamauk und Virtuosität keine Berührungsängste kennt. Genau darin liegt die Stärke dieses Festivals. Es importiert nicht bloß Prominenz, es baut an einer Infrastruktur, von der Köln auch in den übrigen 51 Wochen zehrt.

Das Festivalticket kostet 140 bis 180 Euro und gilt für nahezu alle Veranstaltungen. Tagestickets für „Downtown Drift" (9. September) und die „Ehrenfeld Night" (10. September) gibt es ab 23 Euro.

Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Bild für Beitrag: Köln spielt sich selbst | Final Countdown für die Cologne Jazzweek
Suche