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Philipp Rüttgers Trio

Re: Satie. Picturing the Invisible

Amsterdam, 31.10.2026
TEXT: Stefan Pieper | 

Erik Satie, dieser Querkopf der Moderne, komponierte gegen jedes Pathos an und hinterließ Rätsel statt Manifeste. Er schrieb „schlaffe Präludien für einen Hund“ und verordnete sich einen absurd-pedantischen Tagesablauf, der im Booklet dieser CD nachzulesen ist. John Cage, dessen Gedanken über die Stille gleich daneben stehen, erkannte in ihm früh einen Geistesverwandten: Stille ist niemals leer. Für sein zweites Trioalbum hat sich der Wahl-Amsterdamer Pianist Philipp Rüttgers durch Saties Gesamtwerk gearbeitet, Motive gesammelt und daraus mit intelligenter Arrangierkunst eigene Stücke gebaut. Neben Gymnopédie und Gnossiennes tauchen Raritäten wie „Le Fils des étoiles“ und „Uspud“ auf.

Am stärksten wird das Album bei „Vexations“, jenem Stück, das Cage 1963 in einem legendären Marathonkonzert die ganze Nacht hindurch spielen ließ. Die minimalistischen chromatischen Linien sind dankbares Futter für die Improvisation. Definitiv richtig liegt Rüttgers damit, die ewig repetierte Tonfolge unangetastet zu lassen. Statt meditativer Leere jagen jedoch Omer Govreen am Bass und Sun-Mi Hong am Schlagzeug in rasendem Swing darunter hinweg. Das Thema hält stoisch dagegen, und zwei Zeitebenen reiben sich aneinander.

Und zugegeben: Der Gymnopédie steht es wunderbar, in eine sinnliche Jazzballade verwandelt zu werden. Dimmen wir also das Licht und nehmen das Tempo heraus! Hier zeigt sich Rüttgers’ besondere Gabe, das Klavier in langen melodischen Bögen zum Singen zu bringen.

Nicht immer findet das Trio diese Reibung. Mitunter bewegt es sich recht nah an den vertrauten Bahnen des modernen Klaviertrios, und dann tritt etwas vom widerständigen Geist Saties in den Hintergrund. Klanglich ist die im Februar direkt auf DSD im Hilversumer Studio 2 eingespielte Aufnahme makellos: Jedes Instrument steht greifbar im Raum. Ein reichhaltiges Hörerlebnis, bei dem vertraute Ideen neu bewertet werden, bleibt diese CD allemal, eine respektvolle und klug gebaute Hommage an einen Unbequemen.

Philipp Rüttgers Trio – „Re: Satie. Picturing the Invisible“
ZenneZ Records / Sound Liaison, VÖ: 11.09.2026

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