Neues aus der CD-Welt
Christoph Gieses Schnelldurchlauf Vol. 83
TEXT: Christoph Giese |
AIRTO MOREIRA & RICARDO BACELAR feat. FLORA PURIM:
„Maracanós“ (Jasmin Music)
Schon 85 Jahre alt wird Brasiliens Musikikone und Perkussionist Airto Moreira in diesem Jahr. Fünf Jahre war der Meister-Rhythmiker, der in seiner langen Karriere mit Musikgrößen wie Miles Davis, Chick Corea, John McLaughlin oder Carlos Santana spielte, in keinem Aufnahmestudio mehr. Doch jetzt gibt es ein neues Album, einegspiewlt mit seiner Frau, der Sängerin Flora Purim, auch sie nur unwesentlioh jünger als ihr Gatte, und natürlich weiteren Musikern. Unter der Federführudn des Pianisten, Komponisten und Produzenten Ricardo Bacelar hat er nun das mit gemeinsam komponierten Liedern bestückte Album „Maracanós“ aufgenommen. Es sind schöne, melodiöse Lieder in wechselnden Besetzungen, mit diversen Gasstimmen, darunter ist auch Flora Purim. Wohlklingender World-Jazz, bei dem Airt Moreira noch mal seine ganze Klasse zeigen kann.
BLACK DOG GROOVE SOCIETY: „Dog Dance“ (Timezone Records)
Was die Musk dieses Quartetts auf jeden Fall macht, das lässt sich schon im Bandnamen ablesen: Sie groovt. Kein Wunder, mit Dirk Schaadt und seiner Hammondorgel sind ein Mann und ein Instrument dabei, das immer für groovige Klänge steht. Saxofonistin Katharina Maschmeyer, Gitarrist Nils Pollheide und Schlagzeuger Hardy Fischötter bilden mit Schaadt eine funkig-groovig-soulige Einheit, die auschließlich selbstkomponierte Stücke Musik spielen, die einerseits zwar an alte Blue Note-Legenden der 1960er Jahre oder auch an den funkigen John Scofield erinnert, aber doch frisch und eigenständig rüberkommt. Und viel Spaß macht. Kleiner Tipp: Ein wenig lauter hören!
TOVTE: „Cumulus“ (Nußbaum Records)
Begonnen haben sie einmal als Straßenmusik-Kapelle. Und da wurden sie direkt eingeladen auf einer jüdischen Hochzeit in einer Synangoge in Köln zu spielen. Eine Band war geboren, mit Klezmermusik als immer spürbare Basis. Tovte als Klezmerband zu bezeichnen, greift aber nicht weit genug. Denn das mit Klarinette, Geige, Bratsche, Gitarre und Kontrabass besetzte Quintett um Klarinettist Tobias Gubesch, der auch die meisten Stücke des ausschließlich eigenen Materials auf „Cumulus“ geschrieben hat, spielt eine kammermuskalische. weltumspannende Musik, mit Balkanklängen, Anleihen von Minimal Music, Klassik, Jazz und Latin. Mediterranes Feeling beitet sich an anderer Stelle aus. Viele kleine, feine Zwischentöne, schöne Soli und gefühlvolles Ensemblespiel – auf diesem sich um Wetter und Wolken drehenden Album erklingt wunderschöne Instrumentalmusik in vielen schillernden Facetten.
STEPHAN-MAX WIRTH QUINTET: „Water To Water“ (BOS.REC)
Ein neues Quintett-Projekt feiert mit „Water To Water“ seine Premiere. Eine Band mit Weite und Wärme, die den Raum für Freiheit und melodische Kollektivimprovisation schafft, wie es im Presseinfo zum neuen Silberling heißt. Und ja, das trifft es sehr gut. Denn die acht Kompositionen des Bandleaders, des Komponisten und Saxofonisten Stephan-Max Wirth, inspiriert von Wasser, Meer und Wellen, lassen den Beteiligten in der Tat viele Momente für individuellen, aber auch kollektiven Ausdruck. Mit Gitarrist Frank Wingold , Vibrafonist Franz Bauer, Bassistin Lisa Hoppe und Schlagzeuger Johannes Metzger klingt Wirth mal wunderschön melancholisch, wie im Stück „Saudade“, dann aber auch melodieverliebt und groovig. In den verschiedensten Stimmungen wechseln sich Eingängiges mit immer auch zugänglichen Improvisationen ab. Moderner Jazz, der positiv klingt und schon deshalb hörenswert ist.
STEFAN SCHÖLER TRIO: „Psalm B“ (Double Moon Records)
Ein Klaviertrio, das swingt. Dass aber auch in bewegend schönen Balladen schwelgen kann. Dass man wegen seiner Besetzung von Klavier, Kontrabass und Schlagzeug schon ein klassisches Pianotrio des Jazz nennen kann. Dass mit „Stella By Starlight“ auch einen Jazzstandard im Programm hat, neben den sieben Eigenkompositionen des Bandleaders Stefan Schöler. Aber schon wie der Pianist mit seinen beiden Mitstreitern, Bassist Lukas Keller und Schlagzeuger Simon Bräumer, den ikonischen Song aus dem Great American Songbook interpretiert, mit viel eigensinniger Gesatltugskraft, macht diesen Dreiuer besonders. Auch in den eigenen Stücken werden abstrake Momente verflochten. So klingt jedes Stück individuell und spannend.
ILARIA CAPALBO: „The Brightest Sun“ (Bluenord Records)
Visionär und architektonsich nennt das schwedische Lira Magazine das Bassspiel der in Schweden lebenden, italienischen Bassistin Ilaria Capalbo. Es ist auf jeden Fall keine Standardware was Capalbo auf ihrem neuesten Album „The Brightest Sun“ dem Hörer ambietet. Zusammen mit zwei Saxofonisten, von denen einer auch Bassklarinette spielt, einem Gitarristen und einem Drummer spielt die Italienerin einen freigeistigen, vielstimmigen und dabei melodischen Jazz, der bei Rock und Indie ebenso vorbeischaut wie bei freier Improvisation. Zwischen rauer Energie und leiser Zurückhaltung schafft dieses Quintett sehr interessante Klangbilder.
BÉATRICE KAHL: „Fingerprints“ (beatricekahl.de)
Verheiratet mit dem Fürther Pianisten Thilo Wolf hat sie natürlich auch schon in dessen Bigband mitgewirkt. Und mit vielen anderen Musikern wie Max Mutzke oder Thomas Quasthoff zusammengearbeitet. Aber auf ihrem Debüt mit ihrem Trio hinterlässt die Tastenkünstlerin Béatrice Kahl ihre ganz eigenen „Fingerprints“ – Fingerabdrücke. Da hört man sie als feinfühlige Balladeninterpretin auf dem Konzertflügel im selbstkomponierten Stück „Ins Blaue“. Einige Stücke später macht sie den Depeche Mode-Hit „Enjoy the Silence“ ebenfalls im innigen Klaviertrio-Format zu einer unter die Haut gehenden Ballade. Kahl, Bassist Christian Diener und die beiden wechselnden Schlagzeuger Guido May und Thomas Käfel aber können auch groovig-poppige Tanzmusik, wie im fabelhaften Album-Rausschmeißer „Spacegigs“. Dann kommt bei Béatrice Kahl auch das Keyboard zum Einsatz, an anderer Stelle auf der Scheibe auch mal eine funkige Hammondorgel. Über die Genres hinweg unterhalten diese Frau und ihre Jungs mit Frische, rhythmischer Finesse bestens zwschen zeitgenössischem Jazz und Pop.
JONAS SORGENFREI: „Cracks In The Silence“ (Unit Records)
Schlagzeuger sind längst viel mehr als nur pure Rhythmusgeber. Sie kreieren, sie gestalten, sie sind Bandleader und Komponisten. All das trifft auch auf den Drummer Jonas Sorgenfrei zu, der mit „Cracks In The Silence“ sein fünftes Album als Bandleader präsentiert. Alle zehn Stücke hat er komponiert und sie decken ein breites Spektrum ab. Das fängt schon bei den unterschiedlichen Besetzungen dieser Platte an, die vom Solo bis zu Quintett gehen. Und es geht weiter bei den Songs, die von intim und lyrisch bis hin zu kraftvollem Ensemblespiel gehen. Von Akustik-Jazz bin hin zu düsteren Klangexperimenten mit Elektronik. Langweilig wird es hier nicht. Wofür neben dem Bandleader mit seinen Einfällen auch Gitarrist Philipp Brämswig, Saxofonist Florian Trübsbach oder auch Pianist Rainer Böhm sorgen.
MAL WALDRON: „Stardust & Starlight: At The Jazz Showcase“
JOE HENDERSON: „Consonace: Live At The Jazz Showcase“
YUSEF LATEEF: „Alight Upon The Lake: Live At The Jazz Showcase“
AHMAD JAMAL: „At The Jazz Showcase: Live In Chicago“
(alle Resonance Records)
BILL EVANS: At The BBC“ (Elemental Records)
MICHEL PETRUCCIANI: „Kuumbwa“ (Elemental Records)
In einem der ältesten Clubs in Chicago, das Jazz Showcase eröffnete schon 1947, schauten viele inzwischen verstorbene Jazzgrößen gerne vorbei. Und oft liefen glücklicherweise die Aufnahmebänder bei den Konzerten mit. Bei den hier vorgestellten vier Alben der Pianisten Mal Waldron und Ahmad Jamal, Saxofonist Joe Henderson sowie Saxofonist und Flötist Yusef Lateef kann man noch mal reinhören in die Einzigartigkeit dieser vier Musiker, die markante und stilbildende Stimmen der Jazzgeschichte waren. Das gilt natürlich auch für die beiden ebenfalls schon im Jazzhimmel weilenden Pianisten Bill Evans und Michel Petrucciani, von denen es auch jeweils neue live aufgenommene Trioaufnahmen aus dem Archiv zu hören gibt. Alle sechs Alben sind großartige Tondokumente unvergesslicher Jazzlegenden.













