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Neues aus der CD-Welt

Christoph Gieses Schnelldurchlauf Vol. 81

Gelsenkirchen, 27.03.2026
TEXT: Christoph Giese | 

CLARISSA FORSTER: „Into The Blue“ (Unit Records)

Eine frische Stimme im Jazz ist die von Clarissa Forster, die jetzt mit einem wunderbaren Debütalbum aufhorchen lässt. Nach einem klassischen Klavierstudium hängte die Sängerin noch ein Studium für Jazzgesang und Komposition dran. Jetzt also ihr erster Tonträger. Auf dem spielt Shuteen Erdenebaatar Klavier, Max Heimler die Gitarre, Moritz Graf den Bass und Florian Fischer das Schlagzeug. Zu hören gibt es acht atmosphärische Eigenkompositionen aus der Feder von Clarissa Forster, die modernen kammermusikalischen Jazz mit zeitlosem Songwriting verbinden, die Ruhe und Tiefe ausstrahlen und dabei Klangräume öffnen, in der sich die Musiker frei tummeln dürfen. Was übrigens auch beim Zuhören sehr inspirierend wirkt.

LUCAS SANTTANA „Brasiliano“ (Nø Førmat!)

Auch wenn der brasilianische Sänger und Musiker Lucas Santtana auf „Brasiliano“ sich dem brasilianischen ortugieisch widmet, das wesentlich weicher und musikalischer als das europäische Potugiesische klingt, so ist das neue Album doch auch ein sehr international schillerndes Werk geworden. Was auch daran liegt, das Santtana auf jedem Stück andere Gäste eingeladen hat. Mal aus seiner Heimat wie Gilberto Gil, Chico César oder Flávia Coelho, aber auch den französischen Rapper Oxmo Puccino oder Sängerin Karyna Gomes aus Guinea-Bissau. Vielsprachig ist dieses Werk somit geworden, mit dem Brasilianischen als Klammer einer weltumfassenden Musik, die so leichtfüßig und beschwingt daherkommt, dass das Zuhören eine wahre Freude ist.

EDGAR KNECHT: „Colours Of Europe“ (GLM Fine Music)

Mitteleuropäische Folklore in modernen Jazz zu transformieren, das gelingt dem Pianisten Edgar Knecht auf „Colours Of Europe“ vorzüglich. Weil die traditionellen Lieder hier mit Groove, Biss und ästhetischem Bewusstsein gespielt werden, weil Knecht mit Schlagzeuger Tobias Schulte und Bassist Till Spohr zwei jazzerfahrene Begleiter an seiner Seite weiß. Weil die Gäste, Bassklarinettist Christoph Pepe Auer, Trompeter Frederik Köster, Akkordeonist Luciano Biondini und Gitarrist Pau Figueres, den jazzigen Kontext der Musik nochmals betonen. So werden Stücke wie „Arturiana“, das auf Manuel de Fallas „Asturiana“ fußt, oder „Beautiful Countries“, in dem das bekannte Volkslied „Kein schöner Land“ durchschimmert, zu funkelnden, spannenden neuen Stücken Jazzmusik.

JAN HARBECK QUARTET: „Conversation“ (Stunt Records)

Der Albumtitel ist schlicht gewählt. Aber er passt. Denn was die vier Jungs vom Jan Harbeck Quartet auf „Conversation“ betreiben ist eben genau das: Ein Gespräch, eine Unterhaltung. Hier plauschen vier Herren aus Dänemark instrumental ganz gemütlich miteinander. Unaufgeregt, entspannt, mit emotionaler Tiefe. Mit warmem Ton und mit viel Luft bläst Bandleader und Komponist aller sieben Stücke Jan Harbeck in sein Tenorsaxofon. Die Noten vom Klavierspiel von Henrik Gunde perlen fein, Bass und Schlagzeug vervollständigen mit sensiblem Spiel den zeitlos klassischen, balladesken Akustik-Jazz dieses Quartetts. Hier hört man Musik, die nichts beweisen will oder muss, die nicht hip klingt, sondern einfach nur verdammt gut.

IREKE: „Ayô Dele“ (Underdog Records)

Der Frühling naht, den passenden Soundtrack dazu liefert Ireke, das Projekt der Beatmaker und Multiinstrumentalisten Julien Gervaix und Damien Tesson, mit ihrem Album. „Ayô Dele“ heißt es in der Yoruba-Sprache und bedeutet so viel wie „Die Freude kommt zu mir“. Und Freude macht die Musik. Die Grooves sind animierend, die Songs wirken luftig-leicht und haben dabei trotzdem dichte Strukturen. Zwischen Afrobeat, Funk, Soul, Dub, Roots-Reggae und elektronischen Zutaten entstehen Songs mit Vintage-Anstrich, die auch durch die süffigen Vocals der insgesamt drei Sängerinnen runtergehen wie Öl.

YELENA ECKEMOFF: „Rosendals Garden“ (L&H Production)

Die superfleißige Pianistin und Komponistin Yelena Eckemoff beglückt ihre Fans wieder mit frischer Musik. Auf ihrem neuen Doppelalbum „Rosendals Garden“ hat sie sich von ihren Reisen nach Schweden inspirieren lassen. Das Eröffnungsstück des ersten Silberlings etwa trägt den Titel „ABBA Museum“. Auch die Öresundbrücke, die das dänische Kopenhagen mit dem schwedischen Malmö verbindet, wird in Tönen gewürdigt, ebenso ein Schloss, ein Pier, Ruinen oder ein Vergnügungspark. Genial ihre beiden Mitstreiter, Drummer Morgan Ǻgren und vor allem Svante Henryson, der neben akustischen und elektrischen Bass hier absolut betörend auf dem Cello spielt. Zu dritt entstehen elegante Klanglandschaften zwischen Akustikjazz und Fusion, die gleich mal Lust auf einen Trip nach Schweden machen.

BRIAN LANDRUS: „Just When You Think You Know“ (BlueLand/Palmetto Records)

Der Name Brian Landrus war mir bisher noch gar nicht bekannt. Aber es lohnt sich den US-Amerikaner und seine Musik kennenzulernen. Landrus spielt auf seinem Album „Just When You Think You Know“ Bariton- und Tenorsaxofon, Bassklarinette und diverse Flöten. Und mit seinen illustren Mitstreitern Dave Stryker (Gitarren), Zaccai Curtis (Klavier und Fender Rhodes), Lonnie Plaxico (Bass) und Rudy Royston (Schlagwerk) lässt er es lässig swingen und boppen in den insgesamt 14 vom Bandleader komponierten Stücken. Jede einzelne Nummer erzählt seine Geschichte, auch mal mit rockigem Touch oder schwelgerischen Klängen. Alles klingt frisch und hörenswert. Abwechslungsreicher Modern Jazz ohne Plattitüden, aber mit vielseitigen Sounds und Stimmungen. Unbedingt mal reinhören!

LISA BASSENGE: „Two Whole Summers – Half A Life“ (Herzog Records)

Intimer geht es kaum wie auf dem neuen Album der Berliner Sängerin Lisa Bassenge. In der schon bewährten Besetzung mit dem schwedischen Pianisten Jacob Karlzon sowie dem dänischen Bassisten Andreas Lang, der auch zugleich ihr Ehemann ist, haucht Bassenge mit ihrer warmen Stimme neben einigen eigenen Stücken vorwiegend Kompositionenso unterschiedlicher Künstler wie Björk, Hank Williams, Jimmy Webb, Madonna, The Cure oder Duran Duran ein neues, interessantes Leben ein. Zurückgenommen und mit Intensität interpretiert, klingen die bekannten Songperlen aus Pop und Jazz in ihren hier heruntergebrochenen, reduzierten Versionen aufregend anders.

MARILYN CRISPELL / ANDERS JORMON: „Memento“ (ECM Records)

„Memento“ ist ihr erstes Duoalbum. Kann man fast nicht glauben Denn wie zauberhaft und vertraulich hier die US-Pianistin Marilyn Crispell und der schwedische Kontrabassist Anders Jormin durch ihre Instrumente miteinander kommunizieren, ist doch sehr bemerkenswert. Es sind sehr offene Gespräche, bei dem vieles nur angedeutet ist, vom anderen aufgenommen und weitergestrickt oder kommentiert und beantwortet wird. Viel Raum und viel Zeit lassen sich beide gegenseitig dabei. Und Zeit sollte man sich auch als Hörer dieses intimen, ruhigen Albums nehmen, um es richtig zu erfahren und zu spüren. Die Magie der Konversationen und die Klangbilder, die dieses kongeniale Duo feinfühlig zwischen Improvisiertem und Komponiertem gestaltet.

JAVON JACKSON: „Jackson Plays Dylan“ (Solid Jackson/Palmetto Records)

Los geht es mit einer selbstgeschriebenen Hommage an der großen Singer-Songwriter. Dann folgen zehn Nummern aus der Feder von Bob Dylan. „Jackson Plays Dylan“ ist eine Verehrung vor dem Songwriting Dylans. In Quartettbesetzung mit zwei Gaststimmen hat US-Saxofonist Javon Jackson diese musikalische Liebeserklärung an eine Musiklegende eingespielt. Und ein feines Jazzalabum produziert, das sowohl Jazz- als auch Dylan-Fans gefallen dürfte. Dylan-Songs aus mehreren Jahrzehnten gibt es zu hören, darunter Riesenhits wie „Blowin´ In The Wind“, „Hurricane“, „Mr. Tambourine Man“ oder „Like a Rolling Stone“, letzterer gekonnt mit Gospel-Feeling gewürzt.

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