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Neues aus der CD-Welt

Christoph Gieses Schnelldurchlauf Vol. 80

Gelsenkirchen, 28.02.2026
TEXT: Christoph Giese | FOTO: Christoph Giese

ASEO FRIESACHER: „Wu Wei & The Art Of Living“ (Challenge Records)

Musik als Verständnis von Leben, Sinn und Bedeutung – das möchte Aseo Friesacher mit seiner Musik ausdrücken. Spannungsfelder zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht, Licht und Schatten, aber auch die zyklische Natur des Daseins kleidet der österreichisch-japanische Pianist in seinen acht Kompositionen in jazzige Töne. Das Leben ist eben komplex, und das sind auch die Stücke Musik von Friesacher. Auch wenn sie wundervoll fließen, voller Wärme stecken. Zusammen mit Bassist Johannes Fend und Schlagzeuger Nikolas Tsangaris sowie zwei Bläsern auf einigen Stücken, Saxofonist Claudio Jr De Sousa und Trompeter Koen Smits, hat Aseo Friesacher mit „Wu Wei & The Art Of Living“ ein reifes und wohltänendes Jazzalbum eingespielt.

RAÜL REFREE & MARIA MAZZOTTA: „San Paolo di Galatina“ (Galileo MC)

Ungewöhnliche Duoprojekte scheint Raül Refree sehr zu mögen. Das Neueste hat er zusammen mit der südatlienischen Sängerin Maria Mazzotta gestartet. Dabei hat der katalanische Multiinstrumentalist und Produzent zunächst eine Anfrag der Italienerin vor ein paar Jahren ablehnen müssen aufgrund seines vollen Terminkalenders. Nun hat es geklappt. Grundlage dieses Albums ist apulische Folklore, Tänze und Lieder über die Mystik des Tarantelbisses, der Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts von ihren Depressionen befreien sollte. Mit Gitarren, Orgel, Elektronik und einem Frauenchor im Hintergrund und natürlich der kraftvollen, so markanten Stimme von Maria Mazzotta bekommen diese alten Lieder eine interessante Frischzellenkur verpasst.

AYÇA MIRAÇ: „A Window To The Bosporus“ (Neuklang)

Eine wunderschöne, warme Stimme hat Ayça Miraç, die in Gelsenkirchen als Tochter eines türkischen Vaters und einer lasischen Mutter geborene Sängerin und Komponistin. Beide Kulturen haben sie musikalisch geprägt und inspiriert. Und so hat sie auf „A Window To The Bosporus“ mit ihrem Quartett mit Pianist Henrique Gomide, Bassist Philipp Grußendorf und Schlagzeuger Marcus Rieck türkische und lasische Traditionals mit Eigenkompositionen kombiniert zu einem modernen, betörenden Jazzalbum. Einem Album, das zart und gefühlvoll klingt und den Zuhörer mit seinen lasischen Vocals unweigerlich berührt, auch wenn man die Bedeutung der Liedtexte erst im Booklet auf Englisch nachlesen muss um zu verstehen worüber Ayça Miraç hier singt. Aber egal ob es sich um Sehnsucht, Liebe oder die Metropole Istanbul dreht, diese Songs verzaubern.

JOHN VANORE & ABSTRACT TRUTH: „Easter Island Suite“ (Acoustical Concepts)

Schon 1984 begann John Vanore an diesem Album zu schreiben. Jetzt, über 40 Jahre später, ist die „Easter Island Suite“ des Trompeters und Komponisten aus Philadelphia fertig und eingespielt worden. Mit einem vielköpfigen Ensemble, denn dies hier ist sinfonischer Bigband-Jazz, der Jazzfreunden und Anhängern von klassischen und improvisierten Klängen gleichermaßen Freude bereiten dürfte. Denn die vierteilige Suite bietet alles, weite (Klang-)Landschaften, spannende rhythmische Wendungen und Musik, die immer wieder auch Raum lässt für eigene Gedanken beim Zuhören. Ein packendes Gesamtwerk, das sehr individuell und einzigartig klingt und für das man sich Zeit nehmen sollte es von Anfang bis zum Ende in einem Rutsch durchzuhören.

ISABELLE BODENSEH: „Dignity“ (GLM Music)

Phasen gelebter Menschenwürde in eine Suite übersetzt – genau das macht Isabella Bodenseh auf ihrer „Suite For Dignity“, der zentralen, fünfteiligen Komposition ihres neuen Album „Dignity“. Selbst Mutter eines schwerstbehinderten Kindes hat die Jazzflötistin und Komponistion aber keineswegs schwermütige Musik zusammen mit Thomas Bauser an der Hammondorgel, Gitarrist Johannes Maikranz und Schlagzeuger Lars Binder eingespielt, sondern emotionale Songs, die nicht beeindrucken wollen mit Virtuosität, sondern mit Wärme und Mesnchlichkeit. Was ganz am Ende im ihrer Tochter gewidmeten Stück „Juliette“ auch mit Worten Ausdruck verliehen wird.

TOBIAS FROHNHÖFER: „Dragon Boat“ (Laika Records)

Der Mann hinterm Schlagzeug ist der Bandleader und hat auch alle sieben Titel dieses Albums komponiert. Zahlreiche Reisen nach Taiwan, aber auch sein Studium in den USA haben den Hamburger Schlagzeuger Tobias Frohnhöfer zu „Dragon Boat“ inspiriert. Letzteres vielleicht sogar mehr, möchte man meinen, wenn man Frohnhöfers Modern Jazz hier hört, der doch deutlich von der amerikanischen Jazztradition beeinflusst ist. Aber wie auch immer, zusammen mit Pianist Boris Netsvetaev, Bassist Tilman Oberbeck und Trompeter Alex Sipiagin hat Frohnhöfer schön swingende, aber auch lyrische Stücke Musik eingespielt. Und das in maximal zwei Takes, wie der Drummer betont. Musik mit Live-Charakter, ungeschnitten und mit Ecken und Kanten, auch das zeichnet diese vorzügliche Aufnahme aus.

SHAKE STEW: „Ten One Two“ (Traumton Records)

In diesem Jahr feiert die preisgekrönte österreichische Band Shake Stew bereits ihr zehnjähriges Jubiläum – mit einem dreiteiligen Albumprojekt. Die ersten beiden Teile erscheinen nun auf der Doppel-CD „Ten One Two“. Afrokaribische Klänge, Sounds aus Nordafrika oder sogar Krautrock sind neben spirituellem Jazz die Zutaten für eine groovende Mischung mit treibenden Beats. Zwei Mal Schlagzeug und zwei Mal Bass, dazu drei Bläser, das Septett um Bassist und Hauptkomponist Lukas Kranzelbinder unterhält durchgehend prächtig und farbenreich. Und während auf dem ersten Silberling „Ten One“ die kompositorische Struktur die Richtung vorgibt, entstanden die Stücke auf Silberling Nummer Zwei, „Ten Two“, ohne große kompositorische Vorgaben bei spannenden improvisierten Sessions.

YOUN SUN NAH: „Lost Pieces“ (Warner Music)

Zum zweiten Mal nach 2022 hat Youn Sun Nah alle Songs eines Albums selbst geschrieben und auch komponiert. Natürlich war die südkoreanische Sängerin auch an der Produktion von „Lost Pieces“ maßgeblich beteiligt. Und was für ein Album ist es geworden! Ein sehr reflektierendes, mit Liedern über Zweifel und die Grausamkeiten der Liebe. Verpackt in einem gut funktionierenden Mix aus Indie-Pop, Americana, Folksong-Anklängen und natürlich Jazz. Mit bissigen Gitarrenklängen, mit Streichern und Bläsern. Viele kleine Soundteilchen im Verbund mit der betörenden Stimme machen „Lost Pieces“ zu einem ungewöhnlichen, aber durchweg faszinierendem Jazzalbum.

SHAI MAESTRO: „The Guesthouse“ (naïve)

Lyrisch und sehr ausdrucksstark ist seine Musik. Der israelische Pianist und Komponist Shai Maestro, bekannt geworden durch seine Zusammenarbeit mit seinem Landsmann, dem Bassisten Avishai Cohen, hat sich längst einen Namen als eigenständiger Künstler gemacht. Sein neues Album zeigt einmal mehr seine Kunst Komposition und Improvisation in cineastische, warme und gefühlvolle Modern Jazz-Klangbilder kleiden zu können. Benannt nach einem Gedicht des berühmten persischen Sufi-Mystikers und Dichters aus dem Mittelalter, Rumi, übersetzen Shai Maestro und sein Quartett auf „The Guesthouse“ die Botschaft des Gedichts, in dem es darum geht Emotionen wie Freude, Trauer oder Depression zuzulassen, zu akzeptieren, ja sogar zu begrüßen, in Töne Die Gäste, US-Saxofonist Immanuel Wilkins, US-Sänger Michael Mayo und die portugiesische Sängerin MARO, sorgen dabei für Höhepunkte auf diesem Album für die Seele.

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