Linus Rebmann Trio
Listen To The River
TEXT: Stefan Pieper |
Wer in Köln aufnimmt, kennt den Pegel – an Geschichte, an akustischer Sorgfalt, an Erwartungen. Dass das Linus Rebmann Trio sein erstes Album ausgerechnet im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks einspielen durfte, ist kein Zufall: 2024 hatte das junge Ensemble bei der Bundesbegegnung „Jugend jazzt" den vom Sender vergebenen Studiopreis gewonnen, und dieser öffnete die Türen zu einem Raum, in dem die Atemzüge zwischen den Tönen genauso wichtig sind wie diese selbst.
Linus Rebmann am Klavier, Gabriel Widmaier am Kontrabass und Johnny Walker am Schlagzeug haben sich im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg gefunden, doch das, was sie hier vorlegen, kommt aus dem Rheinland: aufgenommen in einem der akustisch heikelsten Säle des Landes, veröffentlicht auf jazzhaus records, dem Kölner Label, das seit Jahrzehnten so etwas wie das diskrete Gedächtnis der hiesigen Szene führt. Die NRW-Geographie geht noch eine Stufe weiter, denn als Gastsolist tritt am letzten Aufnahmetag Paul Heller hinzu, langjähriger Tenorist der WDR Big Band und seit Jahren eine der verlässlich klugen Stimmen der Region.
Klang als Vertrauenssache
Die Aufnahmeprämisse ist konsequent: ein einziges Mikrofon für das gesamte Trio, kein nachträgliches Polieren einzelner Spuren – drei Musiker, die hörbar wissen, dass jeder Atemzug zwischen den Tönen aufgezeichnet wird. Was daraus entsteht, ist kein geglättetes Studiobild, sondern ein Raum, in dem die Musik atmet, mit jener Mischung aus Konzentration und Lockerheit, die nur entsteht, wenn man sich wirklich zuhört. Rebmann komponiert dazu mit ruhiger Hand zehn Eigenstücke, die zwischen Innenschau und kammerjazzigem Schwung pendeln.
Der Titelsong, angelehnt an die Schlusspartie in Hermann Hesses „Siddhartha", entfaltet seine Wirkung gerade aus dem Verzicht auf Steigerungsdramaturgie – eine Melodie, die sich selbst genügt, getragen von einem Trio, das ihr Raum lässt. Demgegenüber stehen drängende Nummern wie „Drive" oder „Grow Up", in denen Walker am Schlagzeug die Temperatur hörbar anhebt, ohne dass der Klangkörper sein lyrisches Zentrum verliert. „Scotty's Case" wiederum verknüpft Hitchcocks Schwindel-Erzählung „Vertigo" mit dem Beginn von Mozarts „Dissonanzenquartett" zu einer Komposition, die zeigt, wie weit dieses Trio bereit ist, in die Klanggeschichte zu greifen, ohne sich dabei zu verstellen. Hellers Tenor auf „The Walker" und „Walking Birds" bringt eine vierte Stimme hinein, die sich nicht als prominenter Gastauftritt inszeniert, sondern in den Dialog der drei einklinkt.
„Listen To The River" ist ein Debüt, das ohne demonstrativen Anspruch auskommt, gerade weil es ihn substantiell einlöst. Dass diese drei jungen Musiker in Köln so aufnehmen durften, war ein Vertrauensvorschuss. Sie haben ihn bestens verzinst.
