Kathrin Pechlof Trio
Hyperobjekt
TEXT: Stefan Pieper | FOTO: Paula Winkler
„Meta-Instrument" – so nennt die Harfenistin Kathrin Pechlof das, was sie mit ihren beiden Mitstreitern erschaffen hat. Und tatsächlich: Wer sich auf „Hyperobjekt", das neue Album ihres Trios, einlässt, hört keine drei Solisten, die nebeneinander agieren. Sondern einen einzigen Klangorganismus, in dem Harfe, Altsaxofon und Kontrabass zu einer gemeinsamen Stimme verschmelzen. Eine Symbiose, die in dieser Tiefe nur über Jahre wachsen konnte – seit 2011 spielt das Trio in unveränderter Besetzung.
Harfe, Altsaxofon, Kontrabass – eine Besetzung, die zunächst stutzen lässt und die ohne die Entwicklungen des zeitgenössischen Jazz so gar nicht denkbar wäre. Die Berliner Harfenistin Kathrin Pechlof, der Altsaxofonist Christian Weidner und der Kontrabassist Robert Landfermann interessieren sich weniger für virtuose Setzungen als für das, was zwischen den Tönen geschieht: für Resonanzen, für Zwischenräume, für die produktive Kraft der Stille. Reduktion wäre die falsche Vokabel. So genau dieses Trio den mikroskopischen Details des Klangs nachspürt – so zugänglich bleibt sein Ausdruck. Immer wieder treten lyrische Bögen hervor, beinahe liedhafte Momente. Die Komplexität sitzt nicht an der Oberfläche, sondern in den Prozessen darunter.
Pechlof, klassisch ausgebildet und heute eine der profiliertesten Stimmen der improvisierten Musik in Deutschland, zeigt die ganze Bandbreite ihres Instruments: mal warm und samtig, dann scharf, spröde, geräuschhaft – weit jenseits aller Harfenklischees. Christian Weidner setzt seinen klaren, vibratolosen Ton dagegen, analytisch in der Haltung und doch von eigentümlicher Intensität. Und Robert Landfermann strukturiert das Geschehen mit großer klanglicher Sensibilität, mal mit dunklen Borduntönen, mal mit beweglichen melodischen Einwürfen. Im finalen Stücke wird deutlich, wie expressiv eine solch feine Besetzung aufbrauen kann, wenn deren Mitglieder den Mut dazu haben.
Niemand soliert hier im klassischen Sinn, niemand begleitet. Stattdessen ein permanentes Wechselspiel, in dem Führung und Folge ineinander übergehen. Aufgenommen wurde live, in zwei vollständigen Programmdurchläufen – und man muss die aufnahmetechnische Realisierung ausdrücklich loben: jede Saite, jeder Atem, jedes Verklingen ist mit einer Räumlichkeit und Tiefenschärfe eingefangen, die dieser Musik der Zwischentöne erst ihre volle Wirkung gibt. Und mMan hört den Raum zwischen den Instrumenten.
Auch der Titel ist Programm. Ein „Hyperobjekt" – das ist ein Phänomen, das sich gewohnten Maßstäben entzieht und erst im Hören selbst erfahrbar wird. Beim Kathrin Pechlof Trio ist das keine Theorie, sondern Praxis einer über Jahre gewachsenen musikalischen Übereinkunft.
„Hyperobjekt" – das Kathrin Pechlof Trio, erschienen bei NWOG Records.

