Dusk to Dream
Überzeugendes Solo-Album von Jungpianist Simon Below
TEXT: Heinrich Brinkmöller-Becker |
Jung an Jahren (30) - und bereits in Konzerten und Festivals zusammen mit großen Namen der Jazzszene aufgetreten und eine ganze Reihe an (Nachwuchs-)Preisen verbucht (drei Mal den „Jugend Jazzt NRW“, „Steinway-Förderpreis NRW“, „Tremplin Jazz D’Avignon“): Die Rede ist von dem Kölner Jazzpianisten Simon Below. Nach drei Alben mit seinem Quartett veröffentlicht der Pianist jetzt mit „Dusk to Dream“ die Aufnahme seines Solo-Konzertes im Kölner Loft.
Der Titel des Albums und auch die der einzelnen Stücke geben bereits einen Hinweis auf den emotionalen Charakter des Solo-Spiels: kein pianistisches Powerplay mit brachialem Tasteneinsatz, eher impressionistische Tonmalerei, die es versteht, mit kurzen Strichen eine atmosphärische Verdichtung zu kreieren. So etwa in „Breeze“ und „Calm Rise“ mit verhaltenen Akkorden, die an Arvo Pärt erinnern, oder in dem Opener „Dusk“ mit zarten Pianoklängen auf der Grundlage eines modulierten Dauertons aus dem Synthesizer. Ein ähnliches ästhetisches Konzept findet sich bei „Soft Orbit“ und „Space Riverie“, wo ein durchgängiges Piano-Akkordspiel „spacig“ von elektronischer Fläche bzw. einem Melodie- und Bass-Ansatz mit dem Synthesizer begleitet wird. In dem kurzen „Starglow“ tastet sich das Klavier zunächst vor, um in schnellen Läufen ähnlich den nur kurz aufblinkenden Sternschnuppen zu verschwinden. Dunkle Klangfarben und ein entschiedeneres Greifen in die Tasten geben „Drift“ einen nahezu tänzelnden Anstrich. Die Stimmung einer Abenddämmerung wie in „Dawn“ könnte kaum atmosphärisch treffender und faszinierender musikalisch umgesetzt werden, als Simon Below dies mit seiner Solo-Improvisation mit Synthesizer und Piano gelingt.
Insgesamt zeugt die Kunst des Pianisten von einer Gabe, Schwebendes, Nebulöses, Rätselhaftes in überzeugenden Klangfarben umzusetzen. Sein pianistisches Können in „Dusk to Dream“ steht ganz im Dienst einer ästhetischen Präzision. Für die Zuhörenden verfolgt wird eine plausible Strategie der Aufmerksamkeitslenkung und Gefühlsökonomie – fern der Logik eines oberflächlichen pianistischen Overdrives.
Das digitale Album ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen zu hören oder käuflich bei Simon Below direkt (nomisbelow(ä)web.de) oder auf Bandcamp zu erwerben.
