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Dejan Terzic Axiom

Grow

Köln, 13.03.2026
TEXT: Stefan Pieper | 

Wachsen als Prinzip - Das Axiom Quartett um Schlagzeuger Dejan Terzić veröffentlicht mit 'Grow' ein Album, das zeigt, was eine Working-Band einer Szene voller Eintagsprojekte voraushat. Am 19. März live im Kölner Loft.

Manchmal reicht ein einziger Ton, um zu wissen, dass hier etwas stimmt. Wenn Chris Speed auf Grow sein Sopransaxophon ansetzt, wenn Bojan Zulfikarpašić die ersten Akkorde auf dem Fender Rhodes anschlägt – gläsern, federnd, irgendwie nach Zukunft klingend –, dann ist da sofort diese Dichte. Vier Musiker, die einander zuhören, aufeinander reagieren, sich Räume öffnen. Jazz als Mannschaftssport, und was für einer.

Das dritte Album des Axiom Quartetts entstand unter besonderen Bedingungen. Im Teatro Giovanni da Udine spielte die Band ihr komplettes Programm beim Soundcheck durch – und nahm es auf. Die meisten Stücke stammen von dieser Session, nur der Titeltrack und die ruhigeren Nummern vom Abendkonzert selbst. Kein Overdub, keine Korrektur. Was man hört, ist das Resultat von dreizehn vorherigen Auftritten, dreizehn Abenden, an denen die Kompositionen reifen durften. Wachstum durch Wiederholung, Feinschliff durch den Dialog mit dem Publikum.

Die Geschichte dieser Band reicht weit zurück. Dejan Terzić und Speed kennen sich seit 1989, als der amerikanische Saxophonist in Nürnberg lebte. Mit Bojan Z. verbindet den Bandleader noch mehr: Die Familien kannten sich, als beide Teenager waren. Als 2015 das Label CAM Jazz ein Quartett ermöglichte, ergänzt durch den Bassisten Matt Penman, war die Besetzung keine Frage. Seither ein bis zwei Tourneen pro Jahr – mehr Kontinuität, als in der projektverliebten Jazzszene üblich.

Auf Grow zahlt sich das aus. Speeds Linien changieren zwischen strenger Architektur und balkanesker Tonmalerei, im Solostück „Choral" destilliert er auf der Klarinette aus wenigen Tönen eine ganze Erzählung. Bojan Z. baut modale Soli voller Wärme, Penman liefert ein Fundament, das atmet statt diktiert. Und Terzić selbst? Führt, indem er Raum gibt. Sein Schlagzeug pulsiert mehr, als dass es taktet.

Die Stücke folgen unterschiedlichen Architekturen. „Rusitscha", ein kroatisch-slawonischer Folksong, gehorcht dem klassischen Muster. „Addition" und „Shoplifting" hingegen sind kollektive Erkundungen, aus minimalistischen Skizzen erwachsen polyrhythmische Geflechte. „Present Past Future", entstanden im Februar 2022, reagiert auf Russlands Angriff – Musik als drängende Frage.

Terzićs Weg führte über Umwege hierher. Im ehemaligen Jugoslawien geboren, mit zwei Jahren nach Oberfranken gekommen, später bei Jimmy Cobb in New York den Bebop gelernt. Dann die Hinwendung zu osteuropäischer Folklore, zu Steve Reichs Minimalismus. All das fließt in Axiom zusammen, ohne dass die Musik je nach Collage klänge.

Zehn Jahre Working-Band – während Festivals auf Eintagsprojekte und Name-Dropping setzen, beweist dieses Quartett, dass nichts eine Band ersetzt, die jahrelang gemeinsam spielt. Grow ist Bilanz und Versprechen: vier Könner, blindes Vertrauen, keine Sicherheitsnetze.


Dejan Terzić Axiom: Grow (CAM Jazz). Konzerthinweis: 19. März im Loft, Köln. Tickets und Infos 

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