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Avishai Cohen

Eternal Child

New York, 22.07.2026
TEXT: Stefan Pieper | 

Manchmal verrät schon der erste Ton, wohin die Reise geht. Auf Eternal Child ist es ein Bass, der nicht poltert, sondern singt – ein warmes, kehliges Raunen, das zu erzählen beginnt, ehe überhaupt eine Melodie greifbar wird. Avishai Cohen kehrt mit diesem Album zurück zu dem, was ihn im Kern ausmacht, und er tut es mit einer Geste, die groß klingt und doch erstaunlich uneitel bleibt: So tief im Jazz, sagt der Israeli, habe er sich lange nicht mehr verortet. Man glaubt es ihm vom ersten Atemzug an.

Der Schlüssel liegt im Personal. Mit dem erst 22-jährigen Pianisten Itay Simhovich und dem Schlagzeuger Eviatar Slivnik hat Cohen sich zwei junge Mitstreiter geholt, die einer neuen Generation angehören, aber bei Miles Davis, den Jazz Messengers und den Trios eines Bill Evans oder Ahmad Jamal in die Schule gegangen sind – und gerade deshalb so frei klingen. Was zwischen den dreien passiert, ist kein routiniertes Abschnurren von Changes, sondern ein Zuhören in Echtzeit, ein ständiges Sich-Umkreisen. Cohen vertraut dabei auf das, was ihn immer getragen hat: einen federnden Puls und eine Linienführung, die man unweigerlich mitsummen will.

Helles, meditarranes Leuchten

Eingespielt im Studio de Meudon bei Paris, trägt die Platte ein helles, fast mediterranes Leuchten in sich. Die zehn Stücke sind allesamt aus dem Leben gegriffen – Zueignungen an Weggefährten, an die Partnerin, an den Manager, der ihn seit bald 25 Jahren begleitet. Einem Titel gaben sogar japanische Fans den Namen, die das Wort „blues" auf ihre ganz eigene Weise verdrehten. Aus solchen kleinen Geschichten zieht die Musik ihre Wärme.

Im Herzen des Albums aber steht ein Abschied, der zugleich Ankunft ist. Das Titelstück, einziges fremdes Material hier, stammt von Chick Corea – jenem Pianisten, dem Cohen im New York der Neunziger begegnete und der ihn fürs Leben prägte. Coreas Nähe zur Klassik, sein Faible für Bach, scheint in den verschlungenen Linien deutlich durch; die Interpretation gerät zur stillen Verbeugung. Wenn dann Gast Jeff Ballard hinzustößt und gleich zwei Schlagzeuger über ein Stück herfallen, kippt die Andacht ins Aufbegehren – ein bewusst gesetzter Reibungsmoment, der das Album von innen aufraut. Den Schluss macht Closure – ein Ende, das nichts wirklich abschließt, sondern eher eine Tür aufstößt. Eternal Child ist die Summe eines Lebens, das nie aufgehört hat, staunen zu wollen. Und genau dieses Staunen macht es zu einem von Cohens schönsten Würfen.

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