Der Zauber des Augenblicks
Avi Avital & Omer Klein begeisterten beim Shalom Festival
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Kay Uwe Fischer
Die israelischen Musiker Avi Avital (Mandoline) und Omer Klein (Klavier) gaben im Rahmen des Festivals Shalom Musik Köln ein bejubeltes Konzert in der Kölner Ventana.Die beiden Musiker kennen sich seit vielen Jahren und haben im Laufe der Zeit immer wieder miteinander gespielt. Bis heute gibt es jedoch keinen Tonträger dieses wunderbaren Duos. So wird jedes ihrer Konzerte zu einem besonderen Erlebnis.
Avi Avital ist ein klassisch ausgebildeter Musiker, der sich zunehmend dem Jazz geöffnet hat, während Omer Klein ein intensives Jazzstudium in Israel und den USA absolvierte. Entsprechend den unterschiedlichen musikalischen Hintergründen der beiden Musiker stand das Konzert ganz im Zeichen von Jazz und Klassik.
Von den neun gespielten Stücken stammten fünf aus der Feder Omer Kleins, eines hatte Avi Avital komponiert. Bei beiden Musikern waren die Einflüsse nahöstlicher Tradition in ihren Kompositionen allgegenwärtig. Eröffnet wurde das Konzert mit Omer Kleins Stück Zamzama, das zunächst ruhig begann, sich zunehmend steigerte und schließlich in wuchtige Akkorde überging. Überhaupt waren kraftvoll gesetzte Akkorde in vielen der Stücke ein prägendes Element.
Eine Ausnahme bildete das impressionistische Après un rêve von Gabriel Fauré. Hier zeigte sich Omer Klein von seiner lyrischen Seite. Fauré hatte das Stück ursprünglich als Vokalkomposition geschrieben, es wird jedoch häufig instrumental aufgeführt, meist mit Cello und Klavier. Den Cellopart übernahm Avi Avital und spielte ihn auf seiner Mandoline großartig.
Im zweiten Teil des Konzerts stand Johann Sebastian Bachs Partita in d-Moll für Violine solo (BWV 1004) im Mittelpunkt. Auch hier zeigte sich der klassisch geschulte Avi Avital als virtuoser Mandolinenspieler. Er spielte das Violinsolo ganz herausragend auf seinem Instrument, anschließend improvisierte Omer Klein darüber.
Bei Klein wurden die Grenzen zwischen Klassik und Jazz völlig aufgehoben, zugleich verblasste der Unterschied zwischen notierter und improvisierter Musik. Avi Avital erzählte dem Publikum, dass er bei seinen ersten Begegnungen mit Omer Klein und beim gemeinsamen Musizieren immer ein wenig Angst vor der Improvisation gehabt habe – aus Sorge, falsche Noten zu spielen. Kleins Improvisationen entstehen jedoch im Moment des Spielens. So klingt auch Bach bei ihnen jeden Abend anders.
Dieser Wechsel zwischen Bachs Original, von Avi Avital auf der Mandoline gespielt, und Omer Kleins darüberliegenden Improvisationen gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts. Die Schönheit der von Avital präsentierten Bachmusik stand dabei in einem reizvollen Kontrast zur Lebendigkeit und Spontaneität der Klavierimprovisationen. Beide Elemente ergänzten sich vortrefflich. Beendet wurde das Konzert mit Omer Kleins Komposition Yemen.
Es war ein abwechslungsreiches Konzert zweier virtuoser Musiker, deren Spielfreude und Kreativität die Musik zu einem besonderen Genuss machten. Das Publikum zeigte sich begeistert und bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall.
Nicht nur die Musik war etwas Besonderes, sondern auch der Konzertort. Die Ventana in Köln ist ein 2010 profanierter Kirchenraum, der von dem Kölner Architekten Gottfried Böhm geplant und 1966 fertiggestellt wurde. Die ursprüngliche neubarocke Kirche war im Krieg bis auf den Turm zerstört worden. Böhm setzte in den kastenförmigen Raum 128 runde Fenster ein, in denen musizierende und singende Kinder dargestellt sind. Die beiden großen Rosetten nehmen Bezug auf die Heilige Familie, da die Kirche ursprünglich den Namen „Zur Heiligen Familie“ trug. So schuf Böhm einen freundlichen, hellen Kirchenraum, der heute als Veranstaltungsort eine ganz eigene Atmosphäre besitzt und den passenden Namen Ventana trägt – das spanische Wort für „Fenster“.
Das Konzert war Teil des Festivals Shalom Musik Köln, das ein Zeichen für Verständigung und gegen Antisemitismus setzen möchte. Das Motto des diesjährigen Festivals lautet „Zuhören“ – etwas, das in der Gesellschaft leider zunehmend abhandenkommt. Das Festival dauert noch bis zum 10. September; insgesamt finden 70 Konzerte an 25 Orten statt.







