Oona und der „Inner Circle“
Eine Performance im Magazin Gladbeck
TEXT: Barbara Seppi | FOTO: Barbara Seppi
Wer ist Oona? Woher kommt sie? Was will sie? Das Künstlerkollektiv um Maren Montauk gab darauf bei seinem Techno-Jazz-Performance-Dance-Act am 10. Oktober im Magazin Gladbeck keine eindeutigen Antworten. Dafür lieferte es jede Menge Emotionen und Wegweiser.
Die tänzerische Ebene gestalteten Doralisa Reinoso de Tafel und Rosalie Wanka. Für Vocals und Performance zeichnete Maren Montauk verantwortlich, die Art Paintings stammten von Susanne Schalz. Manuela Hartel verband Videokunst und Performance. Am Saxofon war Milan Kühn zu erleben, an der Gitarre Matthias Spruch. David Schwarz spielte Synthesizer und Piano, Duy Luong übernahm Bass und Soundscape, Thomas Wörle saß am Schlagzeug. Die Electronics und das Livemixing lagen in den Händen von Jule Schmelter, alias „909 Schneider“. Für Licht und Ton sorgte Arne Seeber.
Ein psychedelisches Gitarrensolo von der Metallempore des Industrieraums, Oona alias Maren Montauk im Lichtkreis auf dem Pina-Bausch-Tanzteppich, zwei Tänzerinnen, die sich geschmeidig aus einer Gondel wie aus einem Kokon befreien: Die Premiere nahm unmittelbar Bezug auf den Raum, seine industrielle Herkunft, seine Bilder und seine Struktur. Das Ergebnis war unverwechselbar, unwiederholbar, einzigartig.
Zwischen Ekstase und Intimität
Oona lud das Publikum ein, in den inneren „Circle“ einzutreten. Sie fragte nach „Herzenswörtern“ und stellte auf diese Weise Kontakt zu den Menschen her. Mit dem Song „I am feeling“ und ihrer sphärischen Stimme bereitete Montauk den Weg zu den eigenen Gefühlen. Mit einer Geste, offenen Handflächen und Farbtupfern wurde jede und jeder im Raum behutsam gefragt, ob sie oder er mitmachen oder lieber zuschauen und zuhören wollte. Die Beteiligung blieb eine persönliche Entscheidung – und wurde zum Ausgangspunkt eines dynamischen Prozesses.
Das Mitmachen mündete in einen energiegeladenen Tanz zu einem fantastischen, groovenden Techno-Jazz. Die Band um David Schwarz holte alle ab: jene, die im Kreis um die Bühne ganz offen tanzten, ebenso wie diejenigen, die sich weiter hinten im dunklen Saal bewegten und ihre Rolle als Publikum beibehielten. Sich dem Rhythmus entziehen? Unmöglich. Jule Schmelter verband mit seinen Electronics die unverwechselbaren Beats zu immer neuen Klangspektren und setzte musikalische Akzente wie Lichtpunkte. Auf der Projektionsfläche an der Bühnenrückwand erschienen großformatige Videos, die sich an Takt und Rhythmus orientierten. Farben und Schattierungen übersetzten die Klänge in eine eigenständige Bildsprache.
Ein Saxofonsolo führte Milan Kühn aus dem Kreis der Band mitten hinein in die Tanzenden, direkt in den Lichtkegel der Scheinwerfer. Sein Oberkörper wurde zur Leinwand für Farbspritzer und -striche aus dem Publikum. Berührungen waren ausdrücklich willkommen. Kühn spielte mit einer Energie, die den Bann der sich bewegenden Gruppe noch verstärkte.
Oona präsentiert ein Gesamtkonzept, das unterschiedliche Ebenen des Live-Erlebnisses miteinander verbindet: kollektive Ekstase ebenso wie pulsierendes, aufmerksames Zuhören. „Wichtig ist die persönliche Entscheidung“, erklärte Maren Montauk. Das Publikum im Magazin zeigte sich tief beeindruckt. Nun bleibt abzuwarten, ob Oona eine Fortsetzung erlebt – und wie sich die Performance an andere Räume anpassen wird.
Die Performance im Magazin wurde vom Jazzclub Gladbeck unterstützt.
Barbara Seppi, 12.10.2026




