MULTIPHONICS FESTIVAL 2026
AMBITINIERTE GLOBALE KLÄNGE
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Uwe BRäutigam
Klangwelten ohne Grenzen
Das Multiphonics Festival 2026 in Köln: Acht Konzerte zwischen zeitgenössischer Musik, Jazzrock und globalen Traditionen
In der Alten Feuerwache und im Alten Pfandhaus in Köln präsentierte das Multiphonics Festival 2026 an acht Konzerten faszinierende Klangwelten aus aller Welt. Die 13. Ausgabe des Festivals zeigte einmal mehr, wie vielfältig sich unterschiedliche musikalische Traditionen miteinander verbinden lassen. Ursprünglich als Festival für Klarinettenmusik in all ihren Facetten gegründet, hat sich das Programm seit einigen Jahren auch für andere Holzblasinstrumente wie Saxofon und Flöte geöffnet.
BEYOND THE ROOTS LARGE ENSEMBLE – BLESSINGS
Zur Eröffnung des Multiphonics Festivals trat das Beyond the Roots Large Ensemble mit 15 Musikern auf. Das 2022 gegründete Ensemble versteht sich als transkultureller Klangkörper. Es verbindet Impulse aus indischer, persischer und japanischer Musik mit türkischer Folklore, mitteleuropäischer Kunstmusik und zeitgenössischem Jazz. Neben europäischen Instrumenten kommen eine indische Sitar, eine Djoze, eine irakische Spießgeige, und die persische Santur zum Einsatz.
Jedes Jahr entwickeln Ensemblemitglieder ein neues Programm, das beim Festival uraufgeführt wird. In diesem Jahr übernahm der griechische Pianist und Komponist Antonis Anissegos die künstlerische Leitung. Mit seiner Komposition „Blessings“ gestaltete er den Auftakt.
Inspiriert ist das Werk von „Anam Cara“ („Seelenfreund“), einem Text des irischen Philosophen John O’Donohue (1950–2008), der Weisheiten der keltischen Tradition reflektiert. Dazu gehört auch das Gedicht „Blessings“, eine Sammlung keltischer Segenssprüche. Antonis Anissegos greift Vorstellungen von Freundschaft, Sinnlichkeit und Körperlichkeit, Selbstfindung, Entwicklung, Alter und Tod auf. Die Segenswünsche integriert er in seine Komposition, gesungen und gesprochen von der ausdrucksstarken persischen Sängerin Golnar Shahyar.
„Blessings“ verbindet zeitgenössische Komposition mit vielfältigen kulturellen Einflüssen. Lyrisch-melodische Passagen wechseln sich mit abstrakten Klanggebilden ab. Der Wechsel zwischen prägnant hervortretenden Instrumentengruppen und dem Tutti des gesamten Ensembles erzeugt eine Spannung, die das Publikum in den Bann zieht. Besonders eindrucksvoll sind ein Duo aus Klavier und Vibrafon, ein Trompetensolo mit Tuba und Perkussion sowie ein Sitar-Solo, das in ein Duo aus Klarinette und Blockflöte übergeht. Ein weiteres Zusammenspiel von Santur und Sitar mündet in eine Passage, an der Klarinette, Djoze, Geige, Blockflöte und Bassgitarre beteiligt sind. Immer wieder tritt Golnar Shahyars Stimme hervor, die den keltischen Segenswünschen Ausdruck verleiht. Mit „Blessings“ gelingt Antonis Anissegos eine tiefgründige, ambitionierte Komposition, die von den herausragenden Musikern des Beyond the Roots Large Ensemble überzeugend umgesetzt wird. Das Publikum in der ausverkauften Alten Feuerwache feiert den Auftritt mit großem Beifall.
MODERNER JAZZROCK MIT PERSISCHEN UND LATEINAMERIKANISCHEN EINFLÜSSEN
Das Doppelkonzert des Sheen Trios und der Band Jin Jim rückt die rockorientierte Seite des Jazz in den Mittelpunkt. Das Sheen Trio, gegründet von der iranischen Klarinettistin Shabnam Parvaresh, verbindet mit der amerikanischen Gitarristin Ula Martyn-Ellis und dem Kölner Schlagzeuger Philipp Buck modernen Jazz mit persischer Musik und Rockelementen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Flashback“ von Shabnam Parvaresh. Das Stück kreist um Erinnerungen an den Iran. Es beginnt mit einem langen, dunklen Solo auf der Bassklarinette, bevor sich das Trio mit Elementen persischer Volksmusik entfaltet und schließlich in ein rockiges Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug mündet. Neben dem ausdrucksstarken Bassklarinettenspiel von Shabnam Parvaresh fällt vor allem das nuancierte Gitarrenspiel von Ula Martyn-Ellis auf. Mitunter setzt sie repetitive Muster gegen die lyrischen Phrasen der Klarinette. An anderer Stelle erinnert ihr Spiel an Americana, dann wieder greift sie kraftvoll in die Saiten und sorgt für rockige Akzente.
Ausgesprochen kraftvollen Jazzrock präsentiert die Köln-Bonner Band Jin Jim. Die ungewöhnliche Besetzung besteht aus Daniel Manrique-Smith an den Querflöten, Johann May an der E-Gitarre, Ben Tai Trawinski am Kontrabass und Nico Stallmann am Schlagzeug. Auch hier treffen unterschiedliche musikalische Welten aufeinander. Die Einflüsse reichen von andinen Klängen aus Peru, der Heimat des Flötisten, bis zu afrikanischen Musiktraditionen. Im Mittelpunkt steht der Flötenvirtuose Daniel Manrique-Smith, der seine Instrumente meisterhaft zum Singen bringt und zugleich mit perkussivem Beatboxing auf der Flöte experimentiert. Sein virtuoses Spiel, atemberaubende Gitarrensoli und eine herausragende Rhythmusgruppe aus Kontrabass und Schlagzeug prägen den Sound der Band. Die Mischung aus mitreißendem Rock und melodiöser Flötenmusik begeistert das Publikum im Alten Pfandhaus.
FASZINIERENDER GLOBALER SOUND
Wenn von Global Music die Rede ist, bietet das Doppelkonzert mit Khadim Seck, Tony Clark und Max Clouth sowie Gnawa World Blues mit Majid Bekkas, Nguyen Le und Hamid Drake, als Gast Manuel Hermia, besonders anschauliche Beispiele für diese musikalische Offenheit.
Khadim Seck aus dem Senegal eröffnet den Konzertabend im Alten Pfandhaus gemeinsam mit Tony Clark an Shakuhachi-Flöte und E-Bass sowie Max Clouth an der Doppelhalsgitarre. Seck übernimmt Perkussion, spielt die westafrikanische Harfe Ngoni und singt. Die Musik des Trios ist vielschichtig. Im Zentrum steht die an John McLaughlin geschulte Gitarrenmusik von Max Clouth. Sie wird vom lyrischen Klang der japanischen Bambusflöte Shakuhachi umspielt, die traditionell von buddhistischen Wandermönchen gespielt wurde. Hinzu kommt die erdige Perkussion von Khadim Seck, der in einem Stück auch die Ngoni einsetzt. Die musikalischen Wurzeln des Trios reichen zurück zur Fusionmusik der 1970er-Jahre, insbesondere zur Band Shakti. Mit „Zakir“ verneigen sich die Musiker vor dem Tablaspieler und Komponisten Zakir Hussain, der zu den prägenden Mitgliedern von Shakti gehörte. Einige Stücke stammen aus dem 2024 erschienenen Album „Entelecheia“, an dem auch Marja Burchard von Embryo beteiligt war.
Auch Khadim Seck steuert eine eigene Komposition bei. Sie verarbeitet die familiären Probleme, die nach dem Tod seines Vaters entstanden sind. In diesem Stück übernimmt Seck die Ngoni. Tony Clark wiederum arrangiert ein Stück, das traditionell bei buddhistischen Totenfeiern in Japan auf der Shakuhachi gespielt wird. Ein besonderes Highlight folgt bei der Zugabe: Annette Maye , die künstlerische Leiterin des Festivals, kommt auf die Bühne und ergänzt das Trio mit ihrem Klarinettenspiel. So begegnen sich in dieser Musik Einflüsse aus Indien, Afrika und Japan sowie europäischer Jazz. Daraus entsteht ein eigenständiger Klang, der traditionelle Genregrenzen überschreitet.
Das gilt in besonderem Maße auch für Gnawa World Blues. Im Zentrum steht der marokkanische Multiinstrumentalist und Sänger Majid Bekkas, der mit Guembri und Oud sowie seiner markanten Stimme die Verbindung von traditioneller Gnawa-Trancemusik und modernen Einflüssen verkörpert. An seiner Seite steht der franko-vietnamesische Gitarrist Nguyen Le, der vietnamesische und afrikanische Musiktraditionen ebenso wie Rock miteinander verbindet. Hinzu kommt der afroamerikanische Jazzschlagzeuger Hamid Drake, der sich neben dem Jazz intensiv mit westafrikanischer Perkussion beschäftigt hat. Als Gast wirkt Manuel Hermia mit, der neben Saxofon und Klarinette auch die nordindische Bansuri-Flöte studiert hat. Jeder dieser Musiker bringt eigene kulturelle und musikalische Erfahrungen ein. Schon in „Gorré Blues“ treffen traditionelle nordafrikanische Elemente auf Rockgitarre und harte Schlagzeugbeats. Das Stück bereitet den Boden für den folgenden Titel: „Purple Haze“ von Jimi Hendrix. Hier zeigt Nguyen Le seine Vergangenheit als Rockgitarrist in Paris. Auch Manuel Hermia steuert ein wildes Saxofonsolo bei. Im ausgedehnten Mittelteil kehrt Majid Bekkas zur marokkanischen Gnawa-Musik zurück. Die Band hat den Hendrix-Klassiker ausgewählt, weil der Gitarrist von der Gnawa-Musik beeinflusst war.
Nguyen Le lotet anschließend weitere Klangwelten aus und spielt ein pentatonisches Stück mit vietnamesischen Wurzeln. Majid Bekkas begleitet ihn auf der Kalimba, Hamid Drake setzt die Rahmentrommel ein, während Manuel Hermia auf der Bansuri-Flöte spielt. Danach wird es wieder marokkanisch. Die im Alten Pfandhaus anwesenden Marokkaner singen begeistert mit. Zum Abschluss erklingt eine ausgedehnte Version von „Aïcha“, zu der geklatscht und getanzt wird. Das Konzert endet in ausgelassener Stimmung und verwandelt den Saal für einen Moment in ein marokkanisches Fest.
EIN FESTIVAL VOLLER MUSIKALISCHER BEGEGNUNGEN
Dies waren nur einige Eindrücke vom Multiphonics Festival 2026. Zum Programm gehörte auch ein weiteres Doppelkonzert mit Louis Sclavis und Benjamin Moussay sowie Sylvie Courvoisier, Ned Rothenberg und Nasheet Waits. Das Konzert wurde vom WDR mitgeschnitten und soll noch gesendet werden. Last but not least präsentierte das Ensemble FisFüz sein Oriental-Jazz-Programm „Mozart im Morgenland“, das auf Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ basiert.
Fazit: Auch in seiner 13. Ausgabe erwies sich das Multiphonics Festival unter der künstlerischen Leitung von Annette Maye als spannendes, vielseitiges und transkulturell ausgerichtetes Musikereignis. Die acht Konzerte zeigten eindrucksvoll, wie lebendig musikalische Begegnungen über kulturelle und stilistische Grenzen hinweg sein können. Vor allem aber bot das Festival herausragenden Musikern Raum, ihre individuellen Stimmen einzubringen und daraus immer wieder neue Klangwelten entstehen zu lassen.
In der Alten Feuerwache und dem Alten Pfandhaus in Köln präsentierte das Multiphonics Festival 2026 auf acht Konzerten faszinierende Klänge aus aller Welt. Dieses Jahr war die 13. Festivalausgabe. Gestartet als ein Festival für Klarinettenmusik in all ihren unterschiedlichen Formen, ist seit ein paar Jahren das Festival auch für andere Holzbläser, wie Saxofon und Flöte, geöffnet worden.
BEYOND THE ROOTS LARGE ENSEMBLE – BLESSINGS
Zur Eröffnung des Multiphonics Festivals spielt das Beyond the Roots Large Ensemble, das mit 15 Musiker*innen besetzt ist. Das Ensemble wurde 2022 als ein transkultureller Klangkörper gegründet und verbindet Impulse aus indischer, persischer und japanischen Musik mit türkischer Folklore, mitteleuropäischer Kunstmusik und zeitgenössischem Jazz. Neben europäischen Instrumenten sind eine indische Sitar, eine Dzoze (irakische Spiesgeige) und die persische Santur im Ensemble.
Jedes Jahr komponieren Ensemblemitglieder ein Programm für das Ensemble, das auf dem Festival uraufgeführt wird. Dieses Jahr hat der griechische Pianist und Komponist Antonis Anissegos die künstlerische Leitung und bringt seine Komposition “Blessings“ zur Aufführung.
Inspiriert ist sein Werk von dem Text “Anam Cara“ (Seelenbruder) des irischen Philosophen John O´Donohue (1950-2008), das Weisheiten der keltischen Tradition reflektiert. Das Werk enthält auch das Gedicht “Blessings“, eine Sammlung von keltischen Segenssprüchen. Antonis Anissegos vertont mit seiner Musik die keltischen Vorstellungen von Freundschaft, Sinne und Körper, Selbstfindung, Entwicklung, Alter und Tod und integriert die Segenssprüche in sein Werk, gesungen oder gesprochen von der ausdrucksstarken persischen Sängerin Golnar Shahyar.
Die Komposition “Blessings“ von Antonis Anissegos ist zeitgenössische Musik mit vielen multikulturellen Einsprengseln, mit lyrisch melodiösen bis hin zu abstrakten Passagen. Der Wechsel von eindrücklichen Instrumentengruppen und Ensemble Tutti erzeugt eine Spannung, die die Zuhörer*innen in den Bann der Musik zieht. Besonders bemerkenswert sind ein Duo von Klavier und Vibraphon, ein Trompetensolo mit Tuba und Perkussion, ein Sitarsolo, das in ein Duo von Klarinette und Blockflöte übergeht, ein Santur-Sitar Duo, an das sich dann Klarinette, Djoze, Geige, Blockflöte und Bassgitarre anschließen. Und immer wieder erklingt in der Musik der Gesang von Golnar Shahyars Stimme, die die keltische Segenwünsche anstimmt.
Mit “Blessings“ hat Antonis Anissegos eine tiefgründiges ambitioniertes Komposition geschaffen, die von den herausragenden Musiker*innen des Beyond the Roots Large Ensemble großartig umgesetzt wird. Das Publikum in der ausverkauften Alten Feuerwache feiert den Auftritt des Ensembles.
MODERN JAZZ UND JAZZROCK MIT PERSISCHEN UND LATINO EINFLÜSSEN
Das Doppelkonzert des Sheen Trios und der Band Jin Jim bringt die rockige Seite des Jazz zum Tragen. Das Sheen Trio, gegründet von der iranischen Klarinettistin Shabnam Parvaresh, mit der amerikanischen Gitarristin Ula Martyn-Ellis und dem Kölner Schlagzeuger Philipp Buck, verbindet modernen Jazz mit persischer Musik und Rockelementen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Titel “Flashback“ von Shabnam Parvaresh. Es geht darin um Erinnerungen aus dem Iran. Er beginnt mit einem langen dunklen unbegleiteten Bassklarinettensolo, geht dann als Trio mit Elementen persischer Volksmusik weiter und entwickelt sich dann zu einem rockigen Duo von Gitarre und Schlagzeug. Neben dem großartigen Spiel von Shabnam Parvaresh auf der Bassklarinette ist auch das sehr nuancierte Gitarrenspiel von Ula Martyn-Ellis zu erwähnen. Sie setzt stellenweise repetitive Muster zu den lyrischen Phrasen der Klarinette ein, an anderen Stellen erinnert ihr Spiel an Americana Musik oder es klingt rockig.
Ausgesprochenen kraftvollen Jazzrock spielt die Köln-Bonner Band Jin Jim. Die Band ist ungewöhnlich instrumentiert, mit Daniel Manrique-Smith an Querflöten, Johann May an der E-Gitarre, Ben Tai Trawinski am Kontrabass und Nico Stallmann am Schlagzeug.
Auch in dieser Band finden wir globale Klänge, von andinen Einflüssen aus Peru, der Heimat des Flötisten bis zu afrikanischer Musik. Im Mittelpunkt steht der Flötenvirtuose Daniel Manrique-Smith, der nicht nur meisterhaft seine Flöten singen lässt, sondern auch perkussives Beatboxing an den Flöten praktiziert. Sein Flötenspiel, atemberaubende Gitarrensoli und eineherausragende Rhythmusgruppe mit Kontrabass und Schlagzeug bilden den Sound der Band.
Dieser wilde Mix aus mitreißendem Rock und der melodiösen Flötenmusik begeistern das Publikum im Alten Pfandhaus.
FASZINIERENDER GLOBALER SOUND
Wenn wir von Global Music sprechen, dann ist das Doppelkonzert von Khadim Seck, Tony Clark und Max Clouth und Gnawa World Blues: Majid Bekkas, Nguyen Le und Hamid Drake feat. Manuel Hermia vielleicht der reinste Ausdruck dieser Musik.
Khadim Seck aus dem Senegal, an Percussion Ngoni (westafrikanische Harfe) und Gesang, Tony Clark an Shakuhachi Flöte und E-Bass und Max Clouth an der Doppelhalsgitarre, eröffnen den Konzertabend im Alten Pfandhaus. Die Musik des Trios ist ungemein vielschichtig. Im Mittelpunkt steht die an John McLaughlin geschulte Gitarrenmusik von Max Clouth. Sie wird flankiert von dem lyrischen Flötenspiel der japanischen Bambusflöte Shakuhachi, die traditionell von buddhistischen Wandermönchen gespielt wurde. Dazu kommt die erdige Perkussion von Khadim Seck, der auch bei einem Stück Ngoni spielt.
Die Wurzeln der Band liegen in der Fusionmusik der 70er Jahre, insbesondere bei der Band Shakti. Mit dem Stück “Zakir“ verbeugen sich die Musiker vor Zakir Hussain, dem Tablaspieler und Komponisten der Band Shakti. Einige Stücke stammten aus dem Album “Entelecheia“ von 2024, auf dem auch Marja Burchard von Embryo mitspielte.
Auch Khadim Sek steuert ein Stück zum Programm bei, es vertont die Probleme die durch den Tod des Vaters in der Familie entstanden waren. Bei diesem Stück spielt Khadim Sek auf der Ngoni. Toni Clark arrangiert ein Stück, das auf der Shakuhachi Flöte bei buddhistischen Totenfeiern in Japan gespielt wurde.
Ein besonderes Highlight ist die Zugabe, bei der Annette Maye , die künstlerische Leiterin, des Festivals, zur Band hinzukommt und Klarinette spielt.
So treffen in diesem Trio Musik aus Indien, Afrika und Japan auf europäischen Jazz und bilden eine neue ganz eigenständige Musik, die traditionelle Genregrenzen überschreitet.
Das gilt auch in besonderem Maße für die Band Gnawa World Blues. Der marokkanische Multiinstrumentalist Majid Bekkas steht mit den Saiteninstrumenten Guembri und Oud, sowie seiner markanten Stimme im Mittelpunkt. Er verkörpert mit seiner Musik die Verbindung von traditioneller Gnawa Trance Musik und modernen Einflüssen.
An seiner Seite der franko-vietnamesische Gitarrist Nguyen Le, der vietnamesische und afrikanische Musikstile, ebenso wie Rockmusik miteinander verbindet. Dazu kommt der afroamerikanische Jazzschlagzeuger Hamid Drake, der neben dem Jazz auch westafrikanische Perkussion studiert hat. Als Gast ist Manuel Hermia dabei, der neben Saxofon und Klarinette, die nordindische Bansuri Flöte studiert hat. Jeder einzelne der Musiker verkörpert einen multikulturellen Ansatz in der Musik.
Schon im Titel “Gorré Blues“ treffen traditionelle nordafrikanische Elemente auf Rockgitarre und harte Schlagzeug Beats. Das Stück bereitete dann auch den nächsten Titel vor: “Purple Haze“ von Jimi Hendrix. Bei diesem Titel zeigt Nguyen Le seine Vergangenheit als Rockgitarrist in Paris. Auch Manuel Hermia steuert ein wildes Saxofonsolo bei. Im Mittelteil des lang ausgedehnten Stückes spielt Bekkas dann wieder marokkanische Gnawa Musik. Ausgewählt hat die Band den Titel, da Hendrix von der Gnawa Musik beeinflusst war.
Aber Nguyen Le bleibt nicht bei Rockmusik, sondern spielt auch ein pentatonisches Stück mit vietnamisischen Wurzeln. Bekkas begleitet auf der Kalimba, Drake setzt dazu die Rahmentrommel ein und Hermia spielt auf der Bansuri Flöte.
Danach wird es wieder marokkanisch und die im Alten Pfandhaus anwesenden Marokkaner singen begeistert mit. Als Abschluss gibt es eine lange Version “Aisha“, zu der geklatscht und getanzt wird. Das Konzert endet in ausgelassener Stimmung und versetzt das Publikum auf ein marokkanisches Fest mit Musik.
Dies sind einige Eindrücke des Multiphonics Festivals 2026. Es gab allerdings noch ein weiteres Doppelkonzert von Louis Sclavis & Benjamin Moussay und Sylvie Courvoisier, Ned Rothenberg und Nasheet Waits, das auch vom WDR mitgeschnitten wurde und noch gesendet wird. Und last but not least spielte das Ensemble FisFüz sein Oriental Jazz Programm “Mozart im Morgenland“, ein Projekt, das auf der “Entführung aus dem Serail“ basiert.
Auch in der 13. Ausgabe war Dank Annette Maye , der künstlerischen Leiterin, das Multiphonics Festival wieder ein spannendes, vielfältiges, transkulturelles Festival mit großartigen Musiker*innen.













