Mario Adler Group
Jypsyjazz im Bochumer Kulturrat
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Reiner Skubowius
In jedem Sommer veranstaltet der Bochumer Kulturrat Gypsyjazz-Konzerte, mit denen er ein Zeichen setzt gegen Fremdenfeindlichkeit, Antiziganismus und Intoleranz. Denn Sinti und Roma gehören seit Jahrhunderten zu den von Diskriminierung besonders betroffenen Minderheiten.
Heute am 10. Juli 2026 ist es wieder soweit, es spielt die Mario Adler Group mit Mario Adler, Jungeli Albrecht und dessen Sohn Aaron Albrecht.
Mario Adler ist einer der bekannten Gitarristen aus der großen Gypsy-Familie. Er nennt sich selbst einen „Zigeuner-Gitarristen“. Vor acht Jahren hat er mit Sören Leyers das Album ‚Funky Django‘ veröffentlicht. Doch er spielt nicht nur Stücke von Django Reinhard, wie heute ‚Minor Swing‘, sondern auch Jazz, Soul und Funk und er geht damit über die Grenzen seines Vorbildes Django hinaus. Vor allem Jazzstandards sind heute dabei wie ‚How high the moon‘, ,All of me’ und ‚Cantaloupe Island’, auch ein Bossa ‚Agua de beber’.
Mario Adler spielt auf seiner großen halb-akustischen E-Gitarre abwechselnd Solo und Rhythmus. Bei einem klassischen Duo würden dies zwei Gitarristen tun. ‚Sunny‘ und ‚Nightbirds‘ aus den 70er Jahren werden sehr jazzig interpretiert.
Zwei Stücke singt Mario Adler in Romani, womit eine andere Klangfarbe ins Spiel kommt. Manchmal klingt es wie Klezmer, nur viel rhythmischer und schneller. Doch der von Bass und Rhythmusgitarre getragene durchgehende Gypsy Groove, auch 'La Pompe’ genannt, überlagert zeitweise das Spiel des Keyboarders.
Am Kontrabass steht Jungeli Albrecht, der in der Szene oft 'The Bassman' genannt wird. Er hat wie Mario Adler schon mit vielen berühmten Musikern zusammen gespielt. Schon 2019 war er beim Gypsy-Fest im Kulturrat dabei. Sein gewaltiger Kontrabass ist größer als er selbst und steht ihm in mehrfacher Hinsicht sehr nahe. Er hat ihn fest im Griff, schwenkt ihn manchmal lässig etwas hin und her und liefert dann ein klangvolles Solo nach dem anderen.
Der junge Keyboarder Aaron Albrecht ist eine echte Überraschung. Er ist zwar schon 2018 beim 6. Django Reinhardt Festival in Düsseldorf aufgetreten, gehört aber noch nicht lange zur Adler Group. Für ihn eröffnet sich hier nun – vielleicht auch wegen der Abwesenheit des 4. Mannes, des Geigers Christoph König - viel ‚Spielraum‘, den er für viele oft bluesige solistische Einlagen nutzt. Seine jugendliche Frische bringt mehr Dynamik, in das sonst von den anderen routinierten Musikern geprägte Konzert.
‚All the things you are’ ist vielleicht am besten gelungen, hier spielt Aaron ein wunderbares Solo über mehrere Chorusse und die anderen schließen sich mit eigenen respektablen Beiträgen an.
Insgesamt ein schönes Konzert, das zeigt, dass der Gypsy Jazz wandlungsfähig ist.













