Kunstvoll verwoben
Bergmann, Bär und Mokross überzeugten an der Emscherquelle
TEXT: Heinrich Brinkmöller-Becker | FOTO: Heinrich Brinkmöller-Becker
Kunstvoll verwobener Jazz – Sven Bergmann, Uli Bär und Benny Mokross überzeugen an der Emscherquelle
Angekündigt als „Sommerjazz auf dem Emscherquellhof“ erfüllte das Westfalen-Trio mit Sven Bergmann (p), Uli Bär (B) und Benny Mokross (dr), letzterer in Vertretung des Unfall-Geschädigten Martin Siehoff, genau die Erwartungen an einen solch deklarierten Musikabend: in ländlicher Idylle an der Emscherquelle, in einer ansprechenden Location, an einem lauen Sommerabend – nach unerträglicher Hitzeperiode - , mit entspannter und feingeschliffener Musik von einer Formation mit überzeugendem Interplay.
Standards wie ein beschwingtes „Martha’s Price“ vom legendären Jazz-Pianisten Cedar Walton oder „Bouncing With Bud“ vom großen Bud Powell, balladesk gespielte Filmmusik „Days of Wine and Roses“, der Gillespie-Klassiker „Night in Tunisia“ in energiegeladener, stark rhythmisierter Form – all dieses bekannte Material serviert das Trio in einer ausgesprochen überzeugenden Form. Typisch für den fokussierten Modus eines Trios konzentrieren sich die Musiker jeweils auf die musikalischen Parameter der Stücke: Mal spielt der Kontrabass das Thema an, Piano und Drums steigen in die Struktur von Rhythmus und Akkorden ein, übernehmen Solo-Partien, mal ist die Reihenfolge umgekehrt, Piano oder Drums geben das Intro. Vor allem dem Piano kommt beim Trio klassischerweise eine tragende Rolle zu, die Sven Bergmann souverän-unaufgeregt, mit nuancenreicher Phrasierung ausfüllt. Der Stilistik des Pianisten ist deutlich die seines Lehrers und Vorbildes anzuhören: Wie Richie Beirach spielt Sven Bergmann den Flügel lyrisch, mit eloquent-eleganten Klangfarben, seine Improvisationen sind durchzogen von subtilen Schattierungen und raffinierten Dynamikwechseln. So darf auch in dem Konzert eine Beirach-Komposition nicht fehlen: Mit „Leaving“ mit seinem melancholischen Thema spielt das Trio nicht von ungefähr eine Reverenz an den im letzten Januar verstorbenen Jazzpianisten und -Komponisten – mit einem packenden Solo des Kontrabassisten.
Der Set nach der Pause beginnt mit karibischem Flair und Rhythmus („Antigua“), „Sail Away“ übersetzt die Komposition des Trompeters Fabrizio Gaudino in eine entspannte Klaviertrio-Version. Es folgen drei Titel aus der Feder von Sven Bergmann: „Drifting“ im ¾-Takt entwickelt sich von einer ruhigen Stimmung zu einem Höhepunkt mit kraftvoll eingesetzten Akkorden, „Childhood Days“ hat den Charakter eines melodiezentrierten, kantablen Stücks. „Stormy“ startet mit einem furiosen Drum-Solo, die Dynamik des Spiels im kraftvollen 5/4-Takt erinnert an den – wie Uli Bär launig anmoderiert – schweren Seegang und die Turbulenzen des Sciroccos.
Der Standard „Beautiful Love“ – eingeleitet vom Kontrabass-Solo - beendet ein großartiges Konzert mit drei Musikern, deren lebendige Spielfreude und filigranes Zusammenspiel ihr Publikum begeistern. Man wünscht sich mehr Auftritte dieses Trios.














