Klaus Esser Bigband
Konzert im Alten Bahnhof Kettwig
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Heinz Schlinkert
Am 21. Juni 2026, dem längsten und bisher wohl heißesten Tag dieses Jahres, war die Klaus Esser Bigband im Alten Bahnhof in Essen Kettwig zu Gast.
Der Alte Bahnhof liegt im Grünen unweit der Ruhr. Das frühere Bahnhofsgebäude wurde vor 25 Jahren in ein Bürgerhaus umgewandelt, wo seitdem viele kulturelle Veranstaltungen stattfinden.
Während des Abendessens im benachbarten Restaurant hört man, wie sich die Band einspielt. Auch die Tatort-Melodie kann man heraushören.
Die meisten der 150 Plätze des Saals sind belegt, viele Angehörige der Band sind gekommen. Sehr warm ist es, doch sicher noch mehr schwitzen die Musiker auf der Bühne. Pianist, Drummer und Bassist sind kaum zu sehen, doch anders gehts wohl nicht.
Mit tadellosem Bigband Swing beginnt das Konzert. Die Band läuft wie eine gut geölte Maschine, ein Stück folgt direkt auf das nächste. Der Tenorsaxofonist Frank Brägelmann vertritt heute den erkrankten Erich Leininger, er spielt die meisten Soli, wobei die anderen Saxofonisten kaum zum Zuge kommen. Der Gitarrist Ulli Hausmanns steht etwas abseits auf der linken Seite. Er gehört schon sehr lange zur Band, einer der letzten alten Hasen. Seine coolen Soli bilden eine wohltuende Abwechslung zu den heißen Rhythmen der ‚BigBand Maschine‘, z. B. bei ‚Walkin’ Tiptoe‘.
Special guests Jim Galakti und Charlotte Illinger
Jim Galakti organisiert die Reihe Jazz & More im Alten Bahnhof. Heute spielt er zweimal mit der Band und nun gibt es nicht nur Swing, sondern auch Bebop. Jims Trompetensolo zu ‚Nights in Tunisia‘ kommt gut an, ebenso wie das Posaunensolo von Arnim Schneider.
Aber wo bleibt die Sängerin Charlotte Illinger? Erst nach geraumer Zeit steigt sie ein mit ‚All of me‘. Später singt sie Vokalisen zu ‚I love Paris‘, dann das Stück weiter mit deutschem Text ‚Ganz Paris träumt von der Liebe‘. Schön, dass sie sich traut ‚Chega de Saudade‘ portugiesisch zu singen, doch wegen des sehr rhythmischen Arrangements des Stücks kommt die ‚Saudade‘ kaum rüber. Das mag auch daran liegen, dass die Sängerin nicht vorne steht und die Band vergleichsweise laut ist. Sie macht einen etwas mädchenhaften, fast verschüchterten Eindruck. Das wird sich im zweiten Set ändern. ‚Foggy Day in London Town‘ bringt zwar keine Abkühlung, doch die Sängerin zeigt nun mehr Präsenz. Sie singt wie man sie sonst kennt, z. B. bei ihrem Album mit der Bigband von Florian Raepke.
Einen Höhepunkt des Konzerts bildet Klaus Doldingers ’Tatort’-Melodie von 1970, die nur selten bei Jazzkonzerten zu hören ist. Die Bigband spielt es wie eine Hymne mit vielen Soli, u. a. von Frank Brägelmann und Hubert Barth an der Flöte. Der frühere Part von Udo Lindenberg liegt beim Drummer Vassi Papadopoulos.
Klaus Esser Bigband
Klaus Esser hat als Mäzen die Band unterstützt, spielte aber mit ihr bis zu seinem frühen Tod 1979 auch Keyboard. Die nach ihm benannte Big Band wurde 1976 in Düsseldorf gegründet, als ‚Ladykiller’ war sie schon seit 1960 aktiv. Die Klaus Esser Bigband hat 1976 eine LP unter dem Titel 'Treffpunkt Studio Fis' aufgenommen. Im 'Studio Fis' im Keller des Hauses von Klaus Esser traf man sich Anfang der 70er-Jahre wöchentlich zur Probe mit Band-Leader Heinz Dommes. Man lud dazu Musiker von amerikanischen Bigbands nach ihren Gastspielen im Rheinland zu spätabendlichen Sessions ein. Das Jammen mit den Musikern von Buddy Rich, Duke Ellington, Stan Kenton und Woody Herman hat die Bigband bis heute nachhaltig geprägt.
Unter der Leitung des jungen Trompeters und Komponisten David Heiß spielt die Band seit 2025. Heiss komponiert und arrangiert auch für sie. Seine teils unklaren Ansagen verwirren anfänglich, er überzeugt aber mit seinem Verhalten als Dirigent, denn er dirigiert ‚mit Muckis’ sehr rege, er tanzt, er springt, er zeigt mit erhobenen Armen Einsätze an und ist der Band sehr nahe.
Sicher waren viele froh, als das Konzert zu Ende war. Doch das sicher nur wegen der Hitze.
https://www.klaus-esser-bigband.de/band
Nächster Auftritt
Sonntag, 27. September 2026, 19 Uhr Pegelbar, Neuss
line up am 21.6.26
SAXOPHONE
Hubert Barth, Thomas Fehlings, Frank Brägelmann, Dieter Starck, Thomas Scholz
TROMPETEN
Manuel Kästner, Patrick Rothweile, Stefan Klebor, Hans Pfeiffer
POSAUNEN
Armin Schneider, Arno Köhring, Jörg Bollbrinker-Kolfhaus, Helmut Sablewski
RHYTHMUS
Uwe Heidelberg Piano
Ulli Hausmanns Gitarre
Peter Hähner Bass
Vassi Papadopoulos Schlagzeug






