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JAZZFEST BONN: THINK BIG

Das Finale gehörte zwei Großformationen

Bonn, 15.05.2026
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Heike Fischer

Das Jazzfest Bonn ist mit 27 Konzerten erfolgreich zu Ende gegangen, viele davon ausverkauft. Zum Abschluss im Telekom Forum gab es zwei Großformationen, das  Fuchsthone Orchestra feat. Evi Filippou und das UMO Helsinki Jazz Orchestra feat. Jazzmeia Horn, die beide vom Publikum umjubelt wurden.

GROßE BÜHNE FÜR GROSSE MUSIK

Endlich einmal eine große Bühne für das Fuchsthone Orchestra mit seinen 21 Musiker*innen. Im Telekom Forum in Bonn war Platz genug für diese Großformationen. Das Fuchsthone Orchestra hatte sein Album Peaks & Plots, das Ende Mai erscheint, im Programm. Mit dabei als Gast war Evi Filippou an Vibrafon und Perkussion. Die Stücke auf dem Album wurden auch im letzten Programm bereits gespielt, aber auch aus Zeitmangel wurden sie in Bonn etwas schlanker, kompakter und direkter gespielt, was ihnen absolut keinen Abbruch tat. Natürlich war es Schade, dass z.B. Andreas Wahl sein Solo bei dem Titel Savita abkürzen musste, aber es klang immer noch gut. Savita war wohl das emotionalste Stück im Programm. Der Titel ist einer Frau gewidmet, die die Ukraine gegen den Angriffskrieg Russlands unterstützte und dabei getötet wurde. Schon bei der Ansage versagte Caroline Thon , die das Stück geschrieben hat, die Stimme. Sicher auch weil die Mutter von Savita als Ehrengast im Publikum saß.

Christina Fuchs und Caroline Thon , die beiden Leiterinnen des Fuchsthone Orchestra, wechselten sich mit ihren Stücken und dem Dirigieren ab. Die Themen der Musik waren breit angelegt. So war der Titel Lai Nairs, mit dem das Konzert eröffnete, von der Natur inspiriert. Lai Nairs ist ein See in den Schweizer Bergen, die Christina Fuchs sehr liebt. Le Champ, von Caroline Thon , hatte dagegen gesellschaftliche Bezüge und richtete sich gegen die Übermacht des Kapitals in unserer Gesellschaft. Aber auch die Liebe spielte eine Rolle, im Werk Capricorn & Aries, von Christina Fuchs. Das Stück Reciprocity stammte von Evi Filippou und wurde dann von Caroline Thon für das Orchester arrangiert.

Die Musik der beiden Komponistinnen spiegelte die Welt mit ihren Krisen, aber auch mit ihrer Schönheit und den Menschen mit ihren Emotionen. Die Musik bewegte sich von dunkel  und aufwühlend, bis feinsinnig und elegisch. Die Musiker*innen des Orchesters zeigten ihr hohes Niveau in herausragenden Soli, wie Roger Hanschel mit einem Herz zerreißenden Sopranino Solo, Laia Genc mit lyrisch luftigen Pianolinien, Matthias Bergmann mit einem emotionalen Flügelhornsolo oder Thomas Sauerborn am Schlagzeug im wilden Dialog mit Evi Filippou. Die Sängerin und Stimmkünstlerin Fillipa Gojo zeigte wieder die ganze Palette ihrer Stimmkunst, von lyrischem Gesang, über Klagelaute bis hin zu ekstatischen Schreien. Das sind nur wenige Beispiele von vielen. Das Fuchsthone Orchestra ist auf der einen Seite ein Solisten Ensemble, viele der Mitglieder leiten selber Bands, aber auf der anderen Seite sind die Musiker*innen hervorragende Ensemblespieler*inen, die auch immer das ganze Orchester im Blick haben.

Eine Gruppe junger Frauen kam nach dem Auftritt zu den Leiterinnen und sagte, dass sie das Konzert sehr berührt und ihnen viele Anstöße gegeben habe, daran zeigte sich exemplarisch, dass das Konzert des Fuchsthone Orchestra in Bonn wieder ein eindrückliches Erlebnis war.

JAZZMEIA HORN ZU GAST BEIM UMO HELSINKI JAZZ ORCHESTRA

 Die zweite Großformation des Abends kam aus Finnland und hatte die großartige afroamerikanische Jazzsängerin Jazzmeia Horn zu Gast. Das finnische Orchester unterschied sich von der NRW Formation grundlegend. Beide waren unterschiedlichen Spielarten des Jazz verpflichtet. Während das Fuchsthone Orchestra viele experimentelle Anteile hatte, lag der Schwerpunkt des UMO Helsinki Jazz Orchestra auf klassischer Big Band Musik.

Was beide Orchester einte waren die hochkarätigen Musiker*innen. Wobei das UMO Orchestra nur aus Männern bestand ohne eine einzige Frau, von der Gastsängerin einmal abgesehen.

Jazzmeia Horn bezauberte das Publikum mit ihrem Charme und ihrer schönen Stimme von der ersten Minute an. Die Lieder der hoch schwangeren Sängerin handelten von ihren persönlichen Familienthemen, vom Großvater, über ihre beiden Mädchen bis zur Suche nach einem Mann. Die Stücke waren im Songformat, ließen aber Raum für die Soli und das Ensemblespiel des Orchesters.

Der Stimmumfang der Sängerin war unglaublich, sie bewegte sich mit großer Leichtigkeit von den tiefsten Tönen bis in die höchsten Register. Ihre Fähigkeit sich ganz auf die Musik einzulassen zeigte sie mit ihrem Skatgesang, bei dem sie ihre Stimme als Instrument eingesetzte, das erinnerte an Ella Fitzgerald.

Diese unglaubliche Stimme und ihre fröhlich unbefangene Art mit dem Publikum zu kommunizieren schaffte Nähe und Vertrautheit, die Herzen des Publikums flogen ihr regelrecht zu.

Das UMO Orchestra arbeitete gerade eine Woche an der Produktion, die sie in Bonn vorführten, so waren sie bestens eingespielt. Es gab hervorragende Soli, besonders herausragend waren der Baritonsaxofonist und der Ensembleleiter Jukka Eskola, der bei einigen Stücken wunderbare Trompetensoli spielte.

So zeigte der Abschlussabend des Jazzfest Bonn noch einmal die Bandbreite des Jazz, von modern und experimentierfreudig bis zu klassischem Straight Ahead Jazz. Und alles auf höchsten musikalischem Niveau, dafür sorgte der künstlerische Leiter Peter Materna auch auf dem 17. Jazzfest wieder.

Im Juli gibt es noch ein Jazzfest Bonn extended Konzert mit dem Weltstar Esperanza Spalding.

www.jazzfest-bonn.de

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