Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon

Reise durch die Zeit des Jazz

Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon

Bonn, 04.05.2026
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Thomas Koelsch

Im ausverkauften Pantheon in Bonn-Beuel gab es ein Doppelkonzert mit zwei herausragenden Musikern der internationalen Jazzszene. Der finnische Ausnahmepianist Iiro Rantala mit seinem Trio Trinity und der legendäre Fusion-Schlagzeuger Billy Cobham waren zu Gast beim Jazzfest Bonn. Obwohl die beiden Konzerte musikalisch meilenweit auseinanderlagen, verband sie doch ein gemeinsamer Gedanke: Sowohl Iiro Rantala als auch Billy Cobham unternahmen eine Reise in die Geschichte des Jazz. Iiro Rantala Trinity widmete sich dem Great American Songbook der 40er und 50er Jahre, während Billy Cobham auf seine eigene Geschichte der Fusionmusik der 70er und 80er zurückblickte.

Iiro Rantala Trinity – On the Sunny Side of the Street

Wer Iiro Rantalas Musik über die Jahre verfolgt hat, kennt seine Affinität zur klassischen Musik. Er sagte einmal, Bach sei für ihn der erste Jazzer. Doch beim Konzert im Bonner Pantheon zeigte er sich von einer ganz anderen Seite: Er widmete sich ausschließlich den Standards des Great American Songbook – Musik, die man so noch nicht von ihm gehört hatte. Und um es vorwegzunehmen: Er beherrschte das Kernrepertoire des klassischen Jazz ebenso souverän wie er die reine Klassik auf höchstem Niveau spielt. Iiro Rantala ist schlicht ein Ausnahmepianist – auch in einer Welt voller hervorragender Jazzpianisten.

An seiner Seite standen Nils Kugelmann am Bass, der die ursprünglich angekündigte finnische Bassistin Kaisa Mäensivu vertrat, sowie der dänische Schlagzeuger Morten Lund. Drei Musiker, die ein großartiges Trio bildeten. Zweimal spielte Trinity mehrere Stücke nahtlos ineinander übergehend. So erklangen There Will Never Be Another You von Harry Warren, Blue in Green von Miles Davis und Scrapple from the Apple von Charlie Parker in einem Stück, eingeleitet von einem langen Pianosolo. Doch das war nicht die Regel an diesem Abend: Es gab ebenso fesselnde Intros von Nils Kugelmann am Bass wie Drum-Intros von Morten Lund – ein demokratisches Trio im skandinavischen Geist.

Schon in diesen drei Stücken lieferte der junge Bassist Nils Kugelmann, der eigentlich nicht zur Stammbesetzung gehört, ein herausragendes Solo. Das Konzert bot wunderbare Pianosoli, mitreißende Drumsoli und brillante Basssoli, dazu klangvolle Klavier-Bass-Dialoge und ein stimmungsvolles Solopianowerk: Singin' in the Rain aus dem gleichnamigen Hollywoodfilm von 1952. Am beeindruckendsten war das Trio jedoch im Zusammenspiel. Ein Weltklassepianist mit einer fantastischen Rhythmusgruppe – mehr geht nicht. Iiro Rantala und sein Trio belebten die alten Standards mit Temperament und spannenden Improvisationen neu. Da kein Walzer im Programm stand, arrangierte Rantala kurzerhand On the Sunny Side of the Street zu einem um. Den Abschluss bildete der deutsche Komponist Kurt Weill mit dem September Song – auch hier glänzte Nils Kugelmann mit einem brillanten Basssolo.

Iiro Rantala ist ein Weltstar – das bewies er auch an diesem Abend, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Morten Lund erwies sich als hervorragender Drummer. Die eigentliche Überraschung des Abends aber war der junge Münchner Bassist Nils Kugelmann: Er war der zweite Star des Abends. Das Publikum würdigte seine Soli mit heftigem Applaus, bevor am Ende des Konzerts das gesamte Trio gefeiert wurde. Als Zugabe spielte Trinity Smile von Charlie Chaplin – das Publikum wurde aufgefordert mitzusummen, und ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern gelang nach diesem großartigen Konzert mühelos.

Fusionjazz-Legende Billy Cobham

Der 82-jährige panamaisch-amerikanische Drummer Billy Cobham, der auf eine über 50-jährige Karriere zurückblickt, gilt als einer der besten Fusion-Schlagzeuger überhaupt. Cobham ist sowohl in der Modern Drummer Hall of Fame als auch in der Classical Drummer Hall of Fame vertreten. Seinen Jazzrock-Weg begann er mit Randy und Michael Brecker in der Fusionband Dreams und wurde zu einem Wegbereiter dieses Genres. Sein Weg führte ihn zu Miles Davis und zum Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin, bevor er 1973 sein erfolgreiches Soloalbum Spectrum veröffentlichte. Als er auf die Bühne geführt wurde, wirkte er gebrechlich – doch sobald er die Drumsticks in der Hand hielt, war er voller Energie und Lebendigkeit. Allein die physische Leistung, mit 82 Jahren eineinhalb Stunden durchgehend Schlagzeug zu spielen, war beeindruckend.

Das Programm seiner 2026er-Tour, zu der auch das Konzert in Bonn gehörte, ist eine Retrospektive einer außergewöhnlichen Musikerkarriere. Aus dem bereits erwähnten Album Spectrum standen zwei Stücke auf dem Programm: Stratus und Red Baron, mit dem das Konzert endete. Zwar fehlte ein deutscher Komponist – anders als bei Rantala –, doch immerhin trägt der Titel Red Baron eine deutsche Referenz in sich: Er gilt dem berühmten, oder besser berüchtigten Jagdflieger Manfred von Richthofen aus dem Ersten Weltkrieg, der es bis in die Musik geschafft hat – nicht zuletzt dank der Comicfigur Snoopy, der den Red Baron jagt.

Die beiden Konzerte von Rantala und Cobham hätten kaum unterschiedlicher sein können. Hier der Jazz der 40er und 50er, im Trio-Format auf seinen Kern reduziert – dort eine rockige Fusionband mit langen E-Gitarren- und E-Bass-Soli von Rocco Zifarelli und Victor Cisternas sowie Keyboardklängen von Gary Husband, deren Rhythmus das Schlagzeug von Billy Cobham nach vorn trieb. Die großartigen Saxofonsoli von Björn Arkö erinnerten am ehesten noch an den klassischen Jazz. Doch das Publikum feierte sowohl das erstklassige Fusionquintett als auch das herausragende Trio mit dem Great American Songbook. Wieder einmal war die mitunter abenteuerliche Kombination der Doppelkonzerte von Peter Materna , dem künstlerischen Leiter des Jazzfests Bonn, aufgegangen.

Erfüllt von zwei außergewöhnlichen Konzerten verließ das Publikum das Pantheon in Beuel – und machte sich beschwingt auf den Heimweg. Der Abend fand im Rahmen des Jazzfest Bonn statt.

www.jazzfest-bonn.de

Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Bild für Beitrag: Reise durch die Zeit des Jazz | Iiro Rantalas Trinity und The Billy Cobham 5tet im Bonner Pantheon
Suche