Jazzchor der Uni Bonn & Second Circle
»A Human Heart« – Ein Menschenleben in Musik
TEXT: Vera Marzinski | FOTO: Vera Marzinski
Gleich mehrere (Chor-)Generationen verwandelten die Kölner Philharmonie beim gemeinsamen Konzert des Jazzchors der Universität Bonn und des Jazz- und Popchors Second Circle in einen klingenden und singenden Raum. Fast wie ein gemeinsames Einsingen klang der Einzug der knapp 100 Sängerinnen und Sänger mit dem Stück „One Illuminates“. Bei „Witness Me“ brachte Chorleiter Jan-Hendrik Herrmann nicht nur den Chor, sondern auch das Publikum zum Mitsingen. Zudem übernahm er einen kurzen Solopart, der für echtes Gänsehautgefühl sorgte.
Wie „Witness Me“ arrangierte der Chorleiter, Stimmbildner, Sänger, Beatboxer, Percussionist und Arrangeur Jan-Hendrik Herrmann mehrere der aufgeführten Stücke. Informationen zu Titeln, Komponisten sowie zu Text, Musik und Arrangements konnten die Besucherinnen und Besucher auf zwei großen Bildschirmen oberhalb der Bühne nachlesen, auf denen zudem stimmungsvolle Illustrationen passend zu den einzelnen Werken eingeblendet wurden.
Der aus Ostwestfalen-Lippe stammende Herrmann studierte Lehramt Musik sowie Latin Percussion an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und ist heute als freischaffender Musiker insbesondere im Bereich der Chormusik tätig. Den 1995 gegründeten Jazzchor der Universität Bonn (JCUB) leitet er seit 2012. Mit ihm feierte der Chor bereits zahlreiche Erfolge, darunter 2017 den zweiten Platz beim WDR-Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“ sowie 2019 den ersten Platz beim internationalen Chorwettbewerb des Aarhus Vocal Festivals.
Da viele Mitglieder das gemeinsame Musizieren auch nach ihrer Studienzeit nicht missen wollten, entstand 2024 mit Second Circle ein Ensemble aus ehemaligen Sängerinnen und Sängern der renommierten Chöre Vocal Journey und Jazzchor der Universität Bonn. Während der JCUB in den Universitätsfarben Blau, Grau und Gold auftritt, setzt Second Circle auf die Farben Grün und Beige.
A Human Heart
„A Human Heart – Ein Menschenleben in Musik“ lautete der Titel des gemeinsamen Konzerts. Erzählt wurde die Geschichte eines Menschenlebens – von der Geburt über die Pubertät und das Erwachsenenalter bis hin zum letzten Atemzug und darüber hinaus. Im Mittelpunkt standen die Emotionen und zwischenmenschlichen Beziehungen, die das Menschsein prägen. Was bedeutet es, Mensch zu sein? Und was könnte dieses Thema besser widerspiegeln als die universelle Sprache der Musik und die menschliche Stimme?
Der Jazzchor der Universität Bonn und Second Circle verdichteten diese Gedanken zu einem fast dreistündigen Konzert, das nicht nur klanglich beeindruckte, sondern auch durch seine dramaturgische Vielfalt faszinierte. Immer wieder wechselten die Besetzungen: Mal standen beide Chöre gemeinsam auf der Bühne, dann wieder einzelne Ensembles oder ausschließlich die Frauenstimmen. Auch am Dirigentenpult gab es Wechsel. Co-Dirigent Jannis Derrix überzeugte zudem mit eindrucksvollen Beatbox-Einlagen. Charlotte Thönnessen, selbst ehemalige Sängerin des JCUB und heute Mitglied von Second Circle sowie Leiterin des Chors Monday Monday, dirigierte den Abschnitt, der ausschließlich von den Frauenstimmen gestaltet wurde.
Nachdenkliches und Hoffnungsvolles
Durch kurze Einspielungen aus dem Off wurden die einzelnen Abschnitte des Programms miteinander verbunden und die Reise durch ein Menschenleben dramaturgisch vertieft. Aussagen wie „Was wollt ihr sein, wenn ihr groß seid?“ – „Glücklich!“ gaben den Stücken zusätzliche emotionale Tiefe.
Bemerkenswert war die Vielzahl der beteiligten Komponistinnen, Komponisten und Arrangeure. So basiert „Witness Me“ auf Kompositionen von Jacob Collier, Kirk Franklin, Scott Harris, Shawn Mendes und Michael Owuo Jr., während das Arrangement von Jan-Hendrik Herrmann stammt. Bei diesem Stück stand der Chorleiter dem Publikum erstmals direkt gegenüber und bezog es aktiv in die Aufführung ein.
Viele Werke griffen nachdenkliche Themen auf. „Schön genug“ setzte sich mit Selbstzweifeln auseinander, „Sober“ thematisierte Einsamkeit, und „To the Water“ erinnerte an die Erfahrungen der Corona-Pandemie mit Isolation und Verlust. Gleichzeitig fehlte es dem Programm nicht an Hoffnung. „Teardrop“, vorgetragen von Second Circle, erzählte davon, nach Zeiten der Trauer wieder nach vorn zu blicken.
Besonders beeindruckend war das fein abgestimmte Klangspektrum der Stimmen, die mühelos ineinander übergingen. Alle Sängerinnen und Sänger traten ohne Notenblätter auf, wodurch jede und jeder sichtbar Teil des großen Klangkörpers wurde und die Musik eine besondere Authentizität gewann.
Den emotionalen Schlusspunkt setzte „Human Heart“. Während dieses Stücks legten alle Chormitglieder ein leuchtendes Herz zunächst an ihre Brust und anschließend an den Bühnenrand. Nach fast drei Stunden endete das Konzert mit diesem Stück als Zugabe und hinterließ einen Abend voller Klang, Nähe und gemeinsamer musikalischer Momente – für Chorfans ebenso wie für alle, die Musik als verbindende Sprache erleben wollten.
Für das Konzert in der Kölner Philharmonie wurden die beiden Chöre vom Forum Bonn und der Universität Bonn unterstützt.
Unter dem Titel „A Peace of It All“ präsentiert der Jazzchor der Universität Bonn im Sommersemester 2026 seine Semesterabschlusskonzerte am Mittwoch, 15. Juli 2026, im Augustinum Bonn sowie am Freitag, 17. Juli, und Samstag, 18. Juli 2026, in der Aula der Universität Bonn. Die Konzerte sind online bereits ausverkauft. Wer den Chor dennoch erleben möchte, kann zur 2021 erschienenen CD „Favorites“ greifen und sich das Heimkonzert nach Hause holen.






























