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JAZZ ALLSTAR BAND AUF DEM KLAVIER-FESTIVAL RUHR

Nils Landgren, Michael Wollny, Lars Danielsson, Wolfgang Haffner

Gelsenkirchen, 27.05.2026
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Reinhard A. Deutsch

Vier Größen des europäischen Jazz spielten im ausverkauften Musiktheater im Revier ein gefeiertes Konzert. Der Posaunist Nils Landgren und der Bassist Lars Danielsson aus Schweden und die deutschen Musiker Michael Wollny am Piano und Wolfgang Haffner am Schlagzeug, sind echte Publikumsmagneten.

Die vier Musiker formierten sich 2017 auf der Jazz Baltica auf Initiative von Nils Landgren und nannten sich fortan 4 Wheel Drive. 2019 erschien ihr Debütalbum, mit verjazzten Coverversionen bekannter Popsongs, das Album war meist verkauftes Album des Jahres. Nun sieben Jahre später, mit Nachfolgealben, auch mit Eigenkompositionen und vielen erfolgreichen Konzerten haben die vier Künstler den Bandnamen aufgegeben und spielen fortan nur noch unter ihren Namen.

Auf dem Konzert in Gelsenkirchen hielten sich die Eigenkompositionen und die Popsongs die Waage. Damit trafen sie offensichtlich auch den Geschmack des Publikums, das die Musiker mit heftigem Beifall belohnte. Aber es war natürlich nicht die Auswahl der Stücke allein, die den Zuhörenden gefiel, sondern vor allem die großartige musikalische Umsetzung. Popcover können leicht ins Kitschige und Belanglose abgleiten, aber den vier Musikern ist es gelungen, die Stücke als Ausgangspunkt für herausragende Improvisationen zu nutzen.

LADY MADONNA EXTENDED ALS JAZZSTÜCK

Ein gutes Beispiel war die Bearbeitung des Beatles Klassikers Lady Madonna. Gleich als zweites Stück zeigte die Band damit wo es lang ging. Das Stück hatte ein langes Intro, dann wurde die Melodie gespielt und danach hatten alle vier Musiker Raum für lange Soli vom Feinsten, beginnend mit Nils Landgren und Wolfgang Haffner machte den Abschluss. Danach kam die Band wieder zum eigentlichen Song zurück und man wurde wieder daran erinnert, dass hier Lady Madonna in Jazz gespielt wurde. Der Höhepunkt des Stückes war die furiose Improvisation von Michael Wollny, die selbst bei den Bandmitgliedern staunende Gesichter hervorrief. Das Publikum hielt förmlich den Atem an, als Wollny über den Flügel fegte. Über 20 Minuten dauerte Lady Madonna als Jazzstück, das Beatles Original dauerte gerade mal 2:14 min. Interessanterweise sind auf der Beatles Aufnahme auch bekannte englische Jazz Saxofonisten mit dabei, alles voran Ronny Scott. Aber Lady Madonna war nicht einfach eine Reihe von vier ausgedehnten Soli, sondern ein in sich stimmiges Musikstück.

 

MICHAEL WOLLNY WAR DER STAR DES ABENDS

Im weiteren Verlauf des Konzertes bekam jeder Musiker Raum für ein Stück, das ihn besonders in den Mittelpunkt stellte und das er auch selbst mit einer Ansage einleitete. Der Bassist Lars Danielsson präsentierte den Titel 4 Wheel Drive, der frühere Bandname. In diesem Stück gab es ein eindrucksvolles Duo von Posaune und Bass, Schweden unter sich. Danach folgte ein Tutti das sich immer mehr steigerte und auf dem Höhepunkt dann in einen Rhythmus überging, bei dem das Publikum mitklatschen konnte. Auch in diesem Stück und vielen weiteren Stücken brillierte Michael Wollny am Piano. Ein weiteres Beispiel dafür ist Shadow In The Rain von Sting, bei dem Nils Landgren singt. Hier spielen Michael Wollny und Wolfgang Haffner an den Drums ein spannendes Duo, das in einen wilden Songabschluss überging, weit weg von der Musik von Police. Passend zum Schwerpunkt des Festivals war Michael Wollny definitiv der Star des Abends und das will etwas heißen bei vier hochkarätigen Musikern, die alle großartig gespielt haben.

Das Publikum feierte die Band entsprechend ab. Das Konzert von Landgren, Wollny, Danielsson und Haffner war ein Jazzkonzert mit vier großartigen Solisten, die Freude hatten miteinander zu spielen und sich nichts beweisen mussten, aber Raum hatten ihre Qualitäten auch zu zeigen.

Das Klavier-Festival Ruhr dauert noch bis zum 21. Juli und es finden noch viele großartige Konzerte statt.

www.klavierfestival.de

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