GRANDIOSER AUFTAKT BEIM JAZZFEST BONN
Jan Gabarek, Trilok Gurtu, Rainer Brüninghaus, Yuri Daniel
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Heike Fischer
Das Jan Gabarek Quartet eröffnete das Jazzfest Bonn in der neu renovierten Beethoven Halle vor ausverkauftem Haus mit einem Weltklasse Konzert.
JAZZFEST BONN ERÖFFNETE IN DER BEETHOVENHALLE AM RHEIN
Im Dezember 2025 wurde die direkt am Rhein gelegene Beethoven Halle nach neun jähriger Renovierung wieder für die Öffentlichkeit geöffnet und der Saxofonist Jan Gabarek spielte dort das Eröffnungskonzert des 17. Jazzfest Bonn. Die Beethoven Halle ist ein geschichtsträchtiger Ort an dem immerhin drei Bundespräsidenten gewählt wurden. Peter Materna , der Leiter des Jazzfests war überglücklich, als er einige einleitende Worte sprach und betonte, das eine Halle mit fast 1700 Plätzen in den Anfangsjahren des Jazzfest niemals hätte gefüllt werden können. So war die ausverkaufte Beethovenhalle auch ein Zeichen für die Erfolgsgeschichte des Jazzfests Bonn. Vor dem Konzert sprachen der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus und die NRW Ministerin für Kultur und Wissenschaft Ina Brandes Grußworte.
JAN GABAREK UND TRILOK GURTU ZWEI MUSIKLEGENDEN
Mit Jan Gabarek ist ein Weltstar des Jazz für das Auftaktkonzert eingeladen worden, über den man nicht viel sagen muss. Er steht für europäischen Jazz, er steht für lyrisches Spiel, er ist einer der bekanntesten Jazzmusiker und hat Fans weit über den Jazz hinaus. Jan Gabarek brachte seine langjährig eingespielte Band mit herausragenden Musikern mit.
Der indische Drummer und Perkussionist Trilok Gurtu ist ebenso wie der Bandleader ein legendärer Musiker und Weltstar. Der 1951 in Bombay in einer musikalischen Familie geborene Trilok Gurtu hat zuerst mit Charlie Mariano zusammen gespielt. Dann spielte er bei den Münchener Jazzrock und Ethojazz Pionieren Embryo und mit Don Cherry. Von 1984 bis 1988 war Nachfolger von Collin Walcot in der Band Oregon. Ab 1988 war er dann vier Jahre lang Mitglied der John Mc Laughlin Band. Er spielte mit vielen Größen des zeitgenössischen Jazz zusammen, aber gleichzeitig spielte er auch mit indischen Musikern klassische nordindische Musik. Er steht wie kaum ein anderer Musiker für die Verbindung von westlicher und östlicher Musik. Das zeigte sich auch an seinem Drumset für das Konzert in Bonn, neben einem westlichen Schlagzeug, befanden sich dort Tablas, Gongs und weitere Perkussionsinstrumente. Aber Gurtu hatte auch einen Eimer mit Wasser auf seinem Set stehen, in den er verschiedene hallende Gongs tauchte um besondere Klangeffekte zu erzielen.
RAINER BRÜNINGHAUS, DER STILLE STAR
Am Klavier saß Rainer Brüninghaus, der nicht weit von Bonn entfernt, in Rösrath im Bergischen Land wohnt. Brüninghaus gehört zu den stillen Stars, die nie das Rampenlicht gesucht haben. Dabei war er schon Anfang der Siebziger in Volker Kriegels Band Spectrum. Seit 1975 war er sieben Jahre in der Band des Bassisten Eberhard Weber und ab 1979 spielte er mit Manfred Schoof im Duo. Anfang der achtziger gründete er eigene Formationen mit Kenny Wheeler, Markus Stockhausen , Carlie Mariano und anderen. Seit 1985 war dann auch Trilok Gurtu in seiner Band und 1985 begann seine Zusammenarbeit mit Jan Gabarek.
Am E-Bass war der brasilianische Musiker Yuri Daniel, der seit den 80ern in Portugal lebt und mit vielen bekannten brasilianischen Musikern zusammengespielt hat. Daniel ist schon seit fast 20 Jahren in der Band von Jan Gabarek.
VON NORWEGISCHER FOLKLORE BIS ZU LATIN RHYTHMEN
Jan Gabarek spielte Sopran- und Tenorsaxofon und bei einem Stück griff er zur Querflöte und spielte im Duo mit Trilok Gurtu, der auch Konokol, die indische Trommelsprache, einsetzte.
In Gabareks melodiösem Spiel tauchten immer wieder Elemente der norwegischen Folklore auf. Aber er spielte keine Volkswaisen sondern diese Musik hat er verinnerlicht und setzte Elemente davon in seinen Stücken ein. An anderen Stellen klangen Latin Rhythmen an oder es gab funkige Passagen. All das ist Musik aus der der Saxofonist schöpft und sie kreativ in seine Kompositionen einfließen lässt. Jan Gabarek zeigte sich als ein Weltklasse Saxofonist und Komponist.
Obwohl natürlich Jan Gabarek mit seinen Saxophonen im Mittelpunkt stand, hatten auch die anderen Bandmitglieder längere unbegleitete Soli, bei denen der Rest der Band die Bühne verließ.
KEINE ANSAGE, KEINE PAUSE, ABER ZWEI STUNDEN GROßARTIGE MUSIK
Rainer Brüninghaus spielte sein langes Solo mit unbewegter Miene, ein Par Force Ritt durch die Jazzgeschichte mit einem lyrischen Intro, das in eine donnerde Improvisation führte, Art Tatum blitzte danach ebenso auf wie New Orleans Jazz. Einfach unglaublich.
Trilok Gurtu präsentierte dem Publikum eine wahre Perkussionshow, mit Schagzeug, Tabla und Gongs, einschießlich hallender Gongs im Wasser. Aber trotz aller Effekte war seine Perkussion sinnvoll und musikalisch folgerichtig.
Auch Bassist Yuri Daniel hatte sein unbegleitetes Solo, bei dem er auch Slap Bass einsetzte.
Die langen Solopassagen der Bandmitglieder lockerten das Konzert zusätzlich auf und machten es noch abwechslungsreicher.
Dem Publikum wurde ein erstklassiges Konzert geboten, völlig ohne Ansagen, keine Worte, völlige Konzentration auf die Musik. Keine Pause, keine Unterbrechung, zwei Stunden Musik von großartigen Musikern. Ein grandioser Auftakt des Jazzfest Bonn.
Das Jazzfest Bonn findet bis zum 9. Mai statt.
Programm: jazzfest-bonn.de




