Ingo Marmulla Band feat. Carlotta Ribbe
100% Ruhrgebiet
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Reiner Skubowius
100% Ruhrgebiet stehen heute Abend auf der Bühne, denn alle Musiker von Ingo Marmulla s Band kommen entweder aus Recklinghausen, Herne, Dortmund oder Bochum. Das halbe Erdquintett ist da mit dem Tenorsaxofonisten Michael Erdmenger und dem Drummer Bernd Gremm. Martin Theurer, der Pianist des Quintetts sitzt heute als Gast auf der Zuschauertribüne, denn seinen Part übernimmt auf dem Vibraphon Carlotta Ribbe. Der Bassist Johannes Nebel, der auch bei The Dorf spielt, war schon im letzten Jahr mit dem Trio Schroer/Bektas/Nebel im Kulturrat. Doch ‚Chef‘ ist der Gitarrist Ingo Marmulla , der für dieses Konzerte eine abwechslungsreiche Mischung aus Jazzstandards und Eigenkompositionen aus der Band zusammengestellt hat. Ingo Marmulla ist ein alter Hase, ein Urgestein des Ruhrgebiets-Jazz, ursprünglich aus Wanne Eickel, inzwischen in Recklinghausen, hat er in unterschiedlichsten Konstellationen gespielt.
Standards und Eigenkompositionen
Ein bunter Strauß von Stücken wird geboten aus verschiedenen Jazzstilen wie Souljazz, Bebop, Swing und Bossa Nova. Gitarre, TenorSax und Vibraphon stehen im Vordergrund und bringen sich immer wieder mit kunstvollen Soli ein. Der volle Sound von Michael Erdmenger erinnert an die Klassiker des Tenorsaxofons, z. B. bei dem Ellington-Klassiker ‚In a sentimental mood‘ oder bei Dizzy Gillespies ‚Night in Tunisia‘, gefolgt von einem überzeugenden Drumsolo von Bernd Gremm.
Ingo Marmulla
spielt oft in ‚eigenem UpTempo’ in unterschiedlichen Stilen von der klassischen Bluesgitarre über George Benson bis hin zu John Scofield.
Eigenkompositionen stammen vor allem von Ingo, zum Titel ‚Cosimo‘ erzählt er eine kleine Geschichte, die sich auf die Lektüre von Italo Calvinos ‚Der Baron auf den Bäumen‘ bezieht. Auch der Sound von ‚Waiting on a summer‘ erinnert an George Benson.
Interessant ist auch ‚Ding Dong Blues‘, ein altes Stück des Drummers Achim Krämer, das Ingo mit ihm und
Matthias Bergmann
in der Ding Dong Band Ende der 1970 Jahre aufgenommen hat. Erst vor 3 Jahren hat er dazu ein ‚Revisited‘-Album herausgebracht. Dieser Blues trägt die Handschrift eines Drummers, das merkt man sofort, denn er ist sehr rhythmisch, erst Carlotta bringt mit ihrem Solo etwas Bluesfeeling ein.
Etwas ganz Besonderes ist ‚Konvertierter Rasen‘, ein Stück im 5/4 Takt. Carlotta hat es komponiert und erzählt, wie es zu diesem Titel kam. Sie wirbelt mit ihren vier Mallets über die Platten ihres Instruments, mal hart, mal sanft angeschlagen und manchmal so schnell, dass man die Mallets kaum einzeln erkennen kann. An Wolfgang Lackerschmid fühlt man sich manchmal erinnert. Nacheinander bringen sich auch die anderen mit vielen Soli ein – das ist wirklich moderner Jazz.
Carlotta Ribbe
Carlotta Ribbe ist eine junge aufstrebende Jazz-Vibraphonistin aus Herne. Sie studiert noch an der Folkwang Universität der Künste Musikpädagogik mit dem Schwerpunkt Vibraphon und Klavier, ist aber als gefragte Musikerin schon viel unterwegs. Mehrere Preise hat sie schon bekommen, mit Anna-Karina Barthel hat sie im letzten Jahr die Konzertreihe Musik im Amtshaus Mengede eröffnet. Auch bei URBANATIX Essence ist sie inzwischen eine feste Größe.
Bei der Zugabe ‚All Blues‘ haben alle noch einmal Gelegenheit, über die berühmte Akkordfolge von Miles Davis ausgiebig zu solieren. Das Publikum hört sehr konzentriert zu und applaudiert nach jedem Solo. Ein gelungenes Konzert!
weitere Jazzkonzerte im Bochumer Kulturrat:
Sa 22.03. Six8tyOne Big Band: „Stompin‘ at the Savoy“
Fr 04.04. José Díaz de Léon Trio (Pangea Ultima): Weltmusik / Jazz
Sa 12.04. Erdquintett: Bebop & more; Gäste: Jim Galakti (tr) u. Milan Kühn (altsax)
Fr 02.05. Milli Häuser Jazzband