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Idealbesetzung mit dem Alonya Quartett

Jazz und Klassik wurden eins miteinander

Bochum, 20.10.2026
TEXT: Heinrich Brinkmöller-Becker | FOTO: Heinrich Brinkmöller-Becker

Im Rahmen des Festivals ‚Celloherbst am Hellweg 2026‘ konnte man im Kunstmuseum Bochum ein außergewöhnliches Jazzkonzert goutieren, vor allem außergewöhnlich wegen der Besetzung mit der Cellistin Alyona Verteletskaia. Aufgewachsen in Moskau und dort klassisch ausgebildet vom renommierten Cellisten Igor Gavrysh lebt sie seit 2023 in Linz, wo sie derzeit beim Jazz-Cellisten Stephan Braun ihr Jazzspiel weiter entwickelt.

Ihr Quartett mit Ralf Schrabbe (p), Benny Mokross (dr) und mit Festival-Organisator Uli Bär am Kontrabass demonstriert anschaulich, welche Klangfarben „klassische“ Einflüsse im Jazz haben können. Besonders deutlich wird dies nach einem beschwingten Einstieg mit brasilianischem Drive (‚Chega de Saudade‘) mit zwei ausnotierten Sätzen der ‚Suite for Cello and Jazz Piano Trio‘ des französischen Komponisten und Pianisten Claude Bolling. ‚Concertante‘ beginnt mit einem „klassisch“ klingenden Dialog von Piano und Cello, um überzugehen in ein Trio-typisch groovendes Ensemble-Spiel mit ausholenden melodischen Bögen des Cellos in wiederholenden und variierenden Phrasen – begleitet und getragen von den drei Mitspielern. Auch ‚Ballade‘ beginnt mit ruhig-pathetischem Cello und Piano-Akkorden und entwickelt sich zu einer komplexen Komposition mit einem gelungenen Blending von klassischen und jazzigen Elementen.

Hochvirtuos, aber auch nachdenklich 

In ihrem Solo ‚Black Run‘ reizt Alyona Verteletskaia das spielerische Potenzial ihres Instruments voll aus – mit hochvirtuosem und energetisch geladenem Arco-Spiel in allen Lagen, Zupfen, perkussiven Einsätzen auf Saiten und Korpus. In anderen Soli brilliert sie mit einem eindringlich gezupften Wiegenlied (‚Cradel Song‘) oder mit einem nachdenklich-melancholischen ‚My one and only Love‘. Übrigens mit optimaler Verstärkung, die dem satten Cello-Sound eine wunderbare Transparenz verleiht.

Im Set nach der Pause spielt das Ensemble Kompositionen des Ausnahmepianisten Ralf Schrabbe. Die Interpretationen der Stücke des Professors für Arrangement und Tonsatz an der Hochschule für Musik in Leipzig wie ‚Body Basics‘ oder ‚What’s the Matter‘ und ‚Susanne‘ sind Jazz-klassisch geprägt. Ein energisch-erratisches Solo leitet ‚Demut‘ ein, das Cello kommt mit einem gefühlvoll-schmelzenden Ton hinzu. Auffällig hierbei ist ein überraschender Duo-Part der beiden Saiteninstrumente mit mehrstimmigem Pizzicato-Spiel.

In der Zugabe mit der orientalisch anmutenden Komposition ‚New Voyage‘ von Uli Bär erlebt das Publikum das Ende eines groovigen Konzertabends, der geprägt ist von einer Band mit hervorragenden solistischen Leistungen und gelungenem Ensemble-Spiel – eine Idealbesetzung. Mit der Wahl der Cellistin mit ihren subtil-melodischen Lyrismen und ihrem dynamisch-expressiven Spiel, mit ihrer Klassik-getränkten Spielweise von Jazz hat das ‚Celloherbst‘-Festival einmal wieder einen reizvollen Programmpunkt gesetzt.

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