Hypnotische Wirkung
„Sternen-Stunde“ des Jazz im Bochumer Planetarium
TEXT: Heinrich Brinkmöller-Becker | FOTO: Heinrich Brinkmöller-Becker
Jazz unter der Sternenkuppel – im Planetarium Bochum ein ausgesprochen beliebtes und spannendes Format, das immer wieder jungen MusikerInnen aus der Region eine außergewöhnliche Bühne bietet. So auch beim Konzert mit dem Quartett des Saxophonisten und Bandleaders Philipp Sauer mit Jakob Hein am Schlagzeug, Nicklas John am Piano - und mit Caris Hermes am Kontrabass. Ja, die Kölner Bassistin ist spätestens seit ihrem WDR-Jazzpreis 2024 eine vielbeachtete Musikerin, Komponistin und Sidewoman mit einem umfassenden Live-Portfolio. Auch in der Quartett-Besetzung wird sie souverän ihrer Rolle als Taktgeberin mit melodiösem Feingefühl gerecht. Ihr präziser Walking Bass und ihre raffinierten solistischen Ausflüge zeugen in der Tat von dem Talent einer Ausnahmemusikerin. Das gleiche trifft auch auf den mehrfach ausgezeichneten Drummer Jakob Hein zu, der sensibel Snaredrum und Ridebecken bedient und zurecht als junger Rising Star der Kölner Jazzszene gilt. Auch Nicklas John gehört zu den mehrfach prämierten Nachwuchstalenten des Jazz. Ausgesprochen souverän sein Gruppen- und Solo-Spiel.
Gespielt werden fast ausschließlich Eigenkompositionen von Philipp Sauer wie „Whistling Boy“, „Estelle“ oder „Rumbar for two“ – kein Rumba, wie der Saxophonist in seiner launigen Anmoderation versichert. Sein Spiel auf dem Sopran- und Tenor-Sax ist variantenreich und intonationssicher und zeugt von einem tiefen Wissen um die Traditionen und Techniken seines Instrumentes in der Jazzgeschichte. Als Student von Matthias Nadolny an der Folkwang Hochschule und Saxophon-Lehrer an der Bochumer Musikschule sowie als Mitspieler etwa von Clueso, Carla Bley, Glen David Andrews und Bob Mintzer kann er hörbar auf vielfältige Erfahrungsquellen verweisen. Die swingenden Stücke erlauben dem Quartett einen gut gelaunten bis ausgelassenen Stil mit kurzen Solo-Einlagen aller Mitglieder des Quartetts. Das spärliche Raumlicht durch den Sternenhimmel und das Pultlicht lässt das Publikum sich voll und ganz auf die Musik und die kosmischen Bilder (Sven Giersch) konzentrieren. Die so verdichtete Wahrnehmung erlaubt eine „Sternen-Stunde“ des Jazz mit gewisser hypnotischer Wirkung. Die leicht-beschwingten Straight-Ahead-Titel generieren eine positive Raumenergie, die am Konzertschluss nach zwei Zugaben verlangt: Gespielt werden der Jerome Kern-Klassiker „Smoke Gets in Your Eyes“ und unter Beteiligung von Gast-Vokalist Kim Friehs „Just The Way You Are“ aus der Feder von Billy Joel.
Philipp Sauer entlässt das Publikum mit dem Hinweis, dass mit dem Material des Abends in diesem Jahr ein eigenes Quartett-Album zu erwarten ist. Und gemeinsam mit Kim Friehs (p/voc) ist er immer mittwochs um 18:30 Uhr im Emschersaal in Holzwickede zu erleben.
Infos unter: kimfriehs.jimdofree.com.
Ein überzeugender Jazz-Abend mit einer jungen Combo, von deren Mitglieder man sicher in Zukunft noch Spannendes hören dürfte.















