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Frauen an den Bass!

Bericht vom Brussels Jazz Festival Flagey

Brüssel, 23.01.2026
TEXT: Christoph Giese | FOTO: Patrick Van Vlerken, Olivier Lestoquoit & Cristina Vergara

Starke Bassistinnen, mitreißende Shows und intime Jazzmomente: Das Brussels Jazz Festival Flagey begeistert zurzeit mit künstlerischer Vielfalt und besonderer Atmosphäre im wunderschönen Brüsseler Flagey. Die Konzerte laufen noch bis zum 24. Januar....

Keine zwei Tage läuft das Brussels Jazz Festival Flagey und schon hat man drei starke junge Frauen am Bass erleben können. Frauen im Jazz, das sind ja längst nicht mehr nur die Sängerinnen, aber drei von vier Konzerten das weibliche Geschlecht am Tieftöner, das hatte was. Zumal das vierte Konzert ohnehin kein normales Bandkonzert war, sondern die große Bühne im großen Studio 4 des wunderschönen Spielortes Flagey sich voll mit Musikern präsentierte.

Der dänische Jazzgitarrist Jakob Bro hat mit „A Trail of Sonic Sparks (Across an Analog Landscape)“ ein neues Stück für Orchester und Chor komponiert, das in Brüssel nun seine Premiere feierte. Zusammen mit dem Dänen beteiligt: die Brüsseler Philharmonie, der Flämische Radiochor, US-Saxofonist Mark Turner, Sounddesigner Opiate sowie die japanische Perkussionistin Midori Takada. Und die gibt die Richtung des sehr meditativen, oft fernöstlich kolorierten Konzertes vor mit ihrem Einstieg auf den Trommeln. Die Musik orientiert sich übrigens die ganze Zeit an den Malereien des dänischen Künstlers Tal R, der auf einer großen Leinwand eingeblendet konstant kleine Kunstwerke schafft. Aber über eine Stunde später weiß man nicht was man da jetzt erlebt hat. Ein sich langsam entfaltendes, atmosphärisches und minimalistisches Werk, bei dem sich Schichten behutsam übereinander legen. Dass sich stilistisch gar nicht richtig einordnen lässt – oder lassen will mit seiner freien Herangehensweise der Orchestrierung. Oder war es eine verpasste Chance, diesen riesigen Klangkörper auf der Bühne mehr zu fordern und zu nutzen. Wenn der vielköpfige Chor oder die Blechblasfraktion des Orchesters eine Stunde lang nur herumsitzen, darf man sich durchaus fragen ob das alles den großen Aufwand wert war.

Super groovig und frisch

Zurück zu Ladies an den Tieftönern. Trui Amerlinck bedient famos den Kontrabass im Quartett der belgischen Posaunistin und Komponistin Nabou Claerhout, die beim Festival ihr neues, drittes und wieder einmal gelungenes Quartett-Album „Indigo“ vorstellt, ihr erstes übrigens für das britische Label Edition Records. Es sind sehr persönliche Kompositionen zwischen Melancholie und Groove zu hören, getragen von den vielschichtigen Sounds der Posaune der Bandleaderin, aber ebenso geprägt von der E-Gitarre von Gijs Idema.

In der siebenköpfigen Band von Helena Casella spielt Léa Kadian einen supergroovigen E-Bass und liefert ebenso wie Gitarrist Agus Fulka mit seinen coolen Soli einen markanten Baustein in dem süffigen, lässigen Mix der sympathischen belgisch-brasilianischen Sängerin aus Neo Soul, R&B und Jazz. An einem Freitag zur Mittagszeit ein feines Konzert, um sich schon mal ganz entspannt auf das bevorstehende Wochenende vorzubereiten. Bei Stéphane Galland und seinem Trio-Projekt Kanda ist die Niederländerin Louise van den Heuvel auf dem elektrischen Bass zu hören, auch mit wunderbar singenden Melodien. Galland spielt Schlagzeug und sorgt für stets überraschende, komplexe Rhythmusfolgen. Lúcia Pires kleidet mit ihrem Spiel auf Flöte und EWI alles melodisch aus. Elektronische Effekte geben dieser puristischen und daher sehr frisch klingenden, rhythmusgetriebenen Musik eine weitere Färbung.

Mitreißende Postjazz-Fusion 

Das Berliner Kollektiv Àbáse um den ungarischen Tastenmann Szabolcs Bognár, in Brüssel als Quartett auf der Bühne, verwöhnt mit groovigen Sounds zwischen lässigem spirituellen Jazz und Afrobeat. Genau die richtige Musik als Warm-Up für corto.alto kurze Zeit später im großen Studio 4. Das Musikprojekt des schottischen Multiinstrumentalisten, Produzenten und Komponisten Liam Shortall liefert eine mitreißende Post-Jazz-Fusion, einen Mix aus knalligen, muskulösen Drumbeats (Graham Costello), heißlaufenden Saxofonlinien (Mateusz Sobieski) und all den Sounds die der Bandleader selbst auf dem E-Bass und der Posaune, auf Keyboards oder als Samples abgerufen hinzufügt. Da dient sogar mal Musik von Justin Bieber als Vorlage für eine energiegeladene, Gute Laune machende Show, die das Publikum am Ende von den Sitzen reißt.

Artist in Residence ist in diesem Jahr der inzwischen in Brüssel lebende, tunesische Pianist Wajdi Riahi. Ein Riesentalent, der schon im ersten seiner insgesamt drei Auftritte bei dieser Festivalausgabe mit einem Wunschquartett verzückte. Der kanadische Saxofonist Seamus Blake, der slowenische Bassist Robert Jukič und US-Drummer Kweku Sumbry waren die von Riahi auserwählten Spielpartner für einen virtuosen, aber doch auch poetischen und lyrischen Akustik-Jazz allererster Güte, der auch Riahis tunesische Wurzeln offenlegte.

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