Bild für Beitrag: Essen Jazz Orchestra beim Tatort Jazz | Spectacular Jazz Sound Art
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Essen Jazz Orchestra beim Tatort Jazz

Spectacular Jazz Sound Art

Bochum, 23.09.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Heinz Schlinkert

In diesem Jahr wird der Bochumer ‚Tatort Jazz‘, den Milli Häuser ins Leben gerufen hat, 20 Jahre alt. Zum Jubiläum war etwas ganz Besonderes angesagt. Das Essen Jazz Orchestra (EJO) spielte im Rahmen von ‚Tatort Jazz außer der Reihe‘ am 16. September im Bochumer Kunstmuseum.
Dieses Konzert hat auch kulturpolitische Bedeutung, weil die Konzertreihe „Jazz in Essen“ wegen der Kürzungen im Essener Kulturetat abgeschafft wurde.
Sehr viele Zuhörer sind gekommen, alle Plätze sind belegt. Das gilt auch für die Bühne, auf der sich 17 Musiker und eine Musikerin tummeln. Milli Häuser erinnert in einer Ansage an das Jubiläum und nennt all die Kostenfaktoren, die beim Konzert eines so großen Orchesters eine Rolle spielen. Ohne Spenden und ohne staatliche Förderung geht da gar nichts.
Es geht los mit ‚Kayak’ von Kenny Wheeler, das - wie fast alle anderen Stücke - vom Bassisten Alexander Morsey arrangiert wurde. ‚Anatolia Blue‘ von Stefan Struck erinnert an einen orientalischen Tanz. Es wurde, erfahren wir vom Bandleader Tobias Schütte, bei einem Bandurlaub in der Türkei komponiert.
‚The Wheel Dealer‘ ist eine Hommage Morseys an Kenny Wheeler. Bei dieser oft vom EJO gespielten Ballade fällt besonders das Duett mit dem Pianisten Hajo Wiesemann und mit Alex Morsey auf. Alex streicht zum Piano sehr melodiös den Bass, später ezent begleitet vom Drummer Jens Düppe.
Im Orchestra ist Kooperation selbstverständlich, doch auch zwischen Big Bands gibt es Kooperationen, die im Rahmen der Deutschen Jazzunion stattfinden. So kooperiert das EJO mit einer Nürnberger Big Band. Jede Band spielt ein Stück der anderen und so ist heute hier ‚Oumuamua‘ von Evgenij Zelikman aus Nürnberg zu hören. Ein sehr langes Stück mit experimentellem Charakter mit ungewöhnliche Tönen wie Quaken, Klatschen, Trillern u. ä.. ‚Light Blue‘ von Monk kommt beim Publikum besonders gut an, vielleicht weil es vertrauter ist. Monk spielte ja schon ziemlich schräg, aber das EJO verfremdet diesen Blues noch weiter. Die Sax-Section bringt das Stück mit einem an Count Basie erinnernden Swing zum guten Ende.

BIG BAND oder ORCHESTRA? 

Das EJO wird von Tobias Schütte und Alex Morsey geleitet mit den Schwerpunkten Dirigat bzw. Komposition/Arrrangement. BIG BAND oder ORCHESTRA? Vom Line Up her ist es dasselbe. Auch Tommy Dorsey und Duke Ellington hatten ein Orchestra. Und wie in einer Big Band ist alles durchkomponiert, für die Soli gibt es vorgegebene Akkorde, ähnlich wie bei Standards. 

Hochvirtuose Musik

Nach der Pause haben sich die Reihen der Zuschauer etwas gelichtet. Wer etwas Ähnliches wie bei den anderen TOJ Konzerten erwartet hat, könnte enttäuscht sein, denn diese Musik stellt wesentlich höhere Anforderungen ans Publikum.
Im zweiten Set ist die ‚Richbeck Suite‘ in vier Sätzen von Tobias Wember zu hören, ein gewaltiges Werk, das auch ‚klassisch‘ genannt werden könnte. Themen wechseln, überlagern sich, erscheinen wieder in neuer Form. Es gibt keine jazzübliche Struktur mit Vers, Refrain und Bridge, die Orientierung bieten könnten. Die Stücke sind ähnlich wie in einer klassischen Symphonie komponiert. Mit vielen Soli ist die Suite gespickt, z. B. mit Soli des Gitarristen Andreas Wahl  und des Trompeters John-Dennis Renken. Für Zuhörer, die Mainstream Jazz gewöhnt sind, ist dies allerdings schwer zu überblicken.

Die Band wurde vom Tatort Jazz als besonderes Event zum 20. Geburtstag eingeladen. Mit "Spectacular Jazz Sound Art" wurde das Konzert überschrieben, zu Recht, denn so eine hochvirtuose Big Band trifft man nicht alle Tage. Man könnte sich allerdings fragen, ob ellenlange Stücke wie das der Nürnberger Band und die teils extreme Lautstärke nicht kontraproduktiv sind, weil sie Teile des Publikums überfordern. Oder fordern sie es heraus?
Das EJO spielt vor allem hochrangige Eigenkompositionen und es könnte als ‚Jazz-Parallele‘ zur ‚Neuen Musik’ auch gut im Bochumer Musikforum spielen.

Und am Ende eine gute Nachricht: Das EJO hat gerade vom Land NRW frisch die Förderzusage für die nächsten 3 Jahre bekommen. Herzlichen Glückwunsch!

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