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Eine Legende in Hamburg

Djawan rockte den Konzerttempel

Hamburg, 28.09.2026
TEXT: Christoph Giese | FOTO: Sebastian Madej

Dieser Abend ist die Erfüllung zweier Wünsche, einer davon ein langgehegter Traum. Einmal im Leben Djavan live sehen, davon träume ich schon lange. Und wann war der Superstar der MPB, der Música Popular Brasileira, überhaupt mal in Deutschland? War er? Falls ja, muss das lange her sein, Jahrzehnte mindestens. Aber jetzt kam der 77-Jährige aus Maceió im Nordosten Brasiliens anlässlich zu seinem 50-Jährigen Bühnenjubiläum für zwei Shows zu uns. Eine war in Berlin und die erste in Hamburg, in der Elbphilharmonie. Da fiel die Wahl leicht, denn auch diese Spielstätte musste vom Verfasser dieser Zeilen erstmals persönlich entdeckt werden.

Nachmittags schon hört man rund um diesen fantastischen, einzigartigen, imposanten Konzerttempel direkt am Elbufer viel Portugiesisch, tritt man im fußläufig entfernten Portugiesenviertel Djavans Landsleute bei einer Stärkung mit köstichem portugiesischen Essen, die auch eine lange Zuganreise etwa aus München nicht scheuten, um ihr Idol live zu erleben. Kein Wunder dass es in der vollbesetzten Elbphilharmonie keine Minute dauert, bis die Stimmung hochkocht. Die achtköpfige Band mit drei Bläsern und zwei Keyboardern intoniert noch das Intro, da kommt von hinten aus dem Dunklen irgendwann der Star des Abends auf die Bühne. Und es wird gerufen, gekreischt, geklatscht. Brasilianische Hitze und Liebe pur, von null auf Hundert, mitten im herbstlichen Hamburg.

Glückliche Gesichter überall

Das Publikum ist fest in brasilianischer Hand. Und so macht Djavan auch gar nicht erst den Versuch vielleicht zumindest ein paar Begrüßungsworte auf Englisch an seine Fans zu richten. Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber spricht an diesem Abend sowieso nicht so viel, aber wenn dann nur auf Portugieisch. „Eu te amo“, ich liebe dich, schallt es aus weiblichen Kehlen nicht nur einmal von den Rängen Richtung Bühne zurück, wo Djavan sichtlich die riesengroße Liebe und Zuneigung seiner Landsleute genießt, erstaunlich agil über die Bühne tänzelt und sich durch sein Riesen-Repertoire an Hits singt. Die Liebesballade „Meu Bem Querer“ gehört dazu. Oder „Oceano“. Es sind diese leiseren Momente, bei denen die Band verstummt oder auch nur ganz dezent begleitet und Djavan mit der Akustikgitarre in den Händen singt, die besonders berühren. Wo die Stimme auch in jedem Moment noch auf der Höhe ist. Das ist nicht immer während der fast zwei Stunden Konzertdauer der Fall. Aber klar, der Mann ist 77 Jahre alt und dafür noch topfit, auch stimmlich.

Überhaupt macht Djavan alles wett mit seinem Charisma, mit seiner so natürlichen Lässigkeit. Und wenn er mal ein Päuschen braucht beim Singen, lässt er einfach den Saal im Chor weitrmachen. Und textsicher ist seine Fanschar. Beeindruckend. Auch wie es der Brasilianer versteht zwischen Balladen und Partystimmung mühelos hin und her zu wechseln. Was für ein Abend. Und wie schön diese sympathische Musiklegende endlich live gesehen zu haben. Ein Blick in all die glücklichen Gesichter anschließend im Elbphilharmonie-Foyer lässt erahnen: Mit diesem Gefühl war man an diesem Abend nicht allein.

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