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Die Kunst, den Faden nie abreißen zu lassen

Fola Dada meets David Helbocks Random Control

Dinslaken, 10.02.2026
TEXT: Stefan Pieper | FOTO: Stefan Pieper

Zum Auftakt ihres 30. Jubiläumsjahres holte die Jazzinitiative Dinslaken David Helbock's Random/Control mit Fola Dada in die restlos gefüllte Aula – würdiger und mitreißender hätte man dieses Jubiläumsjahr kaum eröffnen können.

Zum letzten Mal diente die Ernst-Barlach-Gesamtschule als Ausweichquartier, bevor bald wieder das runderneuerte Ledigenheim zur Verfügung stehen wird. Der restlos gefüllt Raum machte an diesem Samstagabend von der ersten Minute an deutlich: Hier hat jemand über Jahrzehnte ein Publikum aufgebaut, das nicht nur zahlreich erscheint, sondern auch zuzuhören versteht. 

Wer David Helbock's Random/Control schon einmal erlebt hat, meint zu wissen, was kommt: Vor rund zwei Jahren bei einem Auftritt im Rahmen von FineArtJazz ging es deutlich „elektrischerer" zur Sache mit Synthesizer, Keyboards und elektronischen Texturen. Jetzt sitzt er am rein akustischen Flügel und die Koordinaten verschieben sich komplett – es ist derselbe Helbock, aber ein völlig anderer Abend. Was dann in zwei langen Sets passierte, war eine dieser seltenen assoziativen Reisen, bei denen zweieinhalb Stunden vergehen wie im Rausch. Helbock hat für das aktuelle Projekt Gedichte von Emily Dickinson, William Blake und Erich Fried vertont und mit Fola Dada eine Stimme gefunden, die diesen lyrischen Kosmos nicht etwa eitel dominiert, sondern sich mit charismatischer Eleganz und ihrer tiefen, rauchigen Stimme in den Gesamtklang einfügt. Da agiert keine Frontfrau, die die große Show macht – sondern eine Grenzgängerin, die auf Augenhöhe mitdenkt, mitfühlt, mitgestaltet.

Helbock selbst erweist sich an diesem Abend als pianistisches Kraftzentrum, das seinesgleichen sucht. Mit viel Pedal und unglaublichen Klangmassen baut er Architekturen auf, die von kammermusikalischen Rezitativen bis zu fetten, drängenden Grooves reichen. Charakteristisch sind seine wuchtigen Schläge in den tiefen Registern – ebenso dieses Schweifen über die gesamte Tastatur, als würde sich ein Konzertpianist inmitten eines romantischen Klavierkonzerts verirren und dort etwas Besseres finden. Hier zeigt sich nicht zuletzt die klassische Ausbildung des Österreichers als tief internalisiertes Vokabular, das Helbock in jedem Moment instinktiv anzapft.

Eine Dramaturgie, die sich ständig neu erfindet

Das eigentliche Wunder dieses Abends aber ist die Dramaturgie, die immer neu für Überraschungen sorgt. Ein Einstieg aus einem Riff wird zur verspielten Linie, daraus entsteht etwas Leichtfüßiges, Jazz-Stilistiken werden lässig durchdekliniert, bevor ganz neue Freiräume ausgelotet werden. Fola Dada bricht mit einer Spoken-Word-Rezitation ein – und im nächsten Moment führt der Weg von Madonnas „Like a Prayer" über eine nachdenkliche Hymne für Sophie Scholl zu Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood", das Helbock mit einem cineastischen Intro einleitet, bevor sich der Ellington-Move erst nach und nach entfaltet. Eine solche Ästhetik der Kontraste würde wohl viele andere Bands komplett überfordern, David Helbock`s Random Control fühlt sich wie der Fisch im Wasser dabei und demonstriert die hohe Kunst, nie den Faden nie abreißen zu lassen und aus Vorhandenem ständig Neues zu schöpfen.

Dazu Andreas Broger, der zwischendurch zwei Saxophone gleichzeitig spielt, und Johannes Bär, der Sousaphon bläst und dabei trommelt, manchmal auch Trompete – auch solches instrumentales „Multitasking“ ist alles, nur keine Zirkusnummer, da es immer der komplexen künstlerischen Aussage dient.

Dinjazz goes Klavierfestival Ruhr 

Es war das letzte Konzert von DinJazz in dieser Aula, denn schon am 27. Februar geht es weiter im frisch wiedereröffneten Ledigenheim: Dann bringt der Düsseldorfer Saxophonist Reiner Witzel sein neues Quintett mit. Am 13. Mai steht eine ganz besondere Premiere ins Haus: Da feiert nämlich das Klavier-Festival Ruhr seine Premiere in Dinslaken, wenn es das kubanische Alfredo Rodriguez Trio in die Kathrin-Türks-Halle holt. Für Dinslaken als Außenposten im Westen des Ruhrgebiets ist eine solche Kooperation keine Kleinigkeit, sondern ein Zeichen dafür, dass die Arbeit der Jazzinitiative längst über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen wird.

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