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Diana Krall beim Klavierfestival

Ein Konzertbericht aus der Grugahalle

Essen, 08.07.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Reinhard A. Deutsch, Wikipedia, H. Schlinkert

Autos aus dem ganzen Ruhrgebiet, auch aus Düsseldorf, Köln, Gladbach und dem Sauerland stehen auf dem Parkplatz der Essener Grugahalle. 2500 Besucher sind gekommen, denn Diana Krall ist schon etwas ganz Besonderes. Was wird sie heute singen und – wichtiger noch – wie wird sie heute spielen? Denn sie tritt ja im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr auf. Auf ihren letzten Alben hat sie sich eher als Sängerin profiliert. 
Es ist das erste Konzert ihrer Europa Tournee und sie beginnt es mit einem langen Piano Intro zu einem Stück von Oscar Peterson. Sicher kein Zufall, denn beide kommen aus Canada und Peterson war lange ihr Vorbild, mit dem sie zeitweise auch zusammenspielte.
Doch auch Songs von anderen bekannten Komponisten sind heute zu hören, George Gershwin (‚I’m confessin’ that I love you‘), Nat King Cole (‚Almost like beein‘ in love‘), Cole Porter (‚I got you under my skin‘) und Irving Berlin sind dabei. Ihn scheint sie besonders zu mögen, sein ‚How Deep is the Ocean‘ spielt das Trio ziemlich lange nur instrumental mit vielen Soli, manchmal auch langatmig. Das könnte auch daran liegen, dass Diana Krall sonst oft mit Gitarristen wie Mike Ribot und mit Violinisten wie Stuart Duncan z. B. beim letzten Album gespielt hat; oder gar mit Orchestern. 
Zwei Stücke heben sich positiv ab. Charlie Parkers ‚Scrapple from the Apple’ und Tom Waits’ ‚Jockey Full of Bourbon‘ bringen mit ihrer Rhythmik mehr Abwechslung in das sonst vorwiegend aus Liebesliedern bestehende Repertoire. Eigenkompositionen sind nicht zu hören.
Diana Krall spielt diesmal deutlich mehr Soli als man es sonst von ihren Alben gewohnt ist. Sie spielt variabel, mal springt sie im Stride Piano Stil mit der linken Hand auf die rechte Seite der Klaviatur, mal sind klare Blockakkorde, die an Brubeck erinnern, zu hören; oft lange Läufe, die wiederum an Oscar Peterson erinnern. Die Soli orientieren sich oft an der Melodie, das hört sich gut an, aber Weltklasse ist das nicht. Michael Wollny, der im Mai beim Klavierfestival zu Gast war, z. B. ist da eine ganz andere Liga.

Eine Pause gibt es nicht und so plätschert das Konzert irgendwann dahin, vielleicht auch weil die Konzentrationsfähigkeit der ZuhörerInnen nachlässt. Dann ‚Route 66‘ -  das Konzert schließt mit dem klassischen Rock’n Roll Stück, das relativ nüchtern/lässig gesungen wird. Viel Applaus, doch größere Begeisterung beim Publikum kommt erst bei der Zugabe auf: ‚The Look of Love‘ von Kurt Bacharach. Hier ist sie wieder, die ‚alte‘ Diana, zu hören wie man sie kennt. Keine Enttäuschung war das Konzert, aber ein Highlight sicher auch nicht.

Diana Krall

Diana Krall wurde 1993 mit ihrem Album 'Stepping Out' weltbekannt. Weitere Alben wie 'Quiet Nights' 2009, 'Wallflower' 2015 und zuletzt 2020 ‚This Dream Of You‘. Krall scheint heute nur auf sich selbst konzentriert zu sein, mal ein Blick auf die anderen Musiker, gar kein Blick aufs Publikum. Sie spricht manchmal undeutlich, zum Teil in unvollständigen Sätzen und entschuldigt sich mit dem Jetlag.
Kralls rauchige Stimme ist weltbekannt. Manchmal flüstert sie, mal haucht sie ins Mikro oder geht in den Sprechgesang über.
Die 61jährige hat sich von ihrem Image als hochgestyltes Glamourgirl inzwischen gelöst. Doch näher betrachten kann man sie höchstens in den ersten Stuhlreihen, denn die große dunkle Bühne ist nur unzureichend beleuchtet. Das Trio spielt, von Dunkelheit umgeben, etwas verloren in der Mitte, das erinnert eher an ein winterliches Setting als an ein Konzert im Hochsommer. Der Bassist Dennis Crouch spielt oft Intros und steuert ab und zu ein gelungenes Solo bei, der Drummer Jay Bellerose liefert zwar seinen perfekten Beitrag zum Groove, bleibt sonst aber eher unauffällig.

Grugahalle

Die Grugahalle ist ein wichtiges Element der Kulturgeschichte des Ruhrgebiets. Sie wurde 1958 eröffnet und kann bis zu 10.000 Zuschauer aufnehmen. 1959 bis 1961 fanden dort die Essener Jazztage statt u. a. mit Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Oscar Peterson, Dave Brubeck und Thelonious Monk. In den 60ern gab es vor allem Folk und Rockmusik, 1966 mit Joan Baez und mit den Beatles. Die Rolling Stones waren zweimal da, 1965 und 1973. Die Internationalen Essener Songtage 1968 waren ein Festival für Rock, Pop, Chanson, Folk, Underground, sie gelten als Geburtsstunde der deutschen Rockmusik. 

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