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Debüt zum Abschied

Shannon Barnetts „Human“ krönte die letzte Sparda Jazz Lounge

Recklinghausen, 17.10.2026
TEXT: Ingo Marmulla | FOTO: Ingo Marmulla

Am 28.9.26 durfte ich im Rahmen der Sparda JazzLounge in der Recklinghäuser Kunsthalle das Shannon Barnett Quartett begrüßen – und damit zugleich das letzte Konzert dieser beim Publikum so beliebten und stets gut besuchten Jazzreihe ankündigen. Ein Abschied, der schwerfällt. Umso schöner, dass gerade dieser Abend zu einem der Höhepunkte der Reihe wurde: Die Einladung dieser Ausnahmemusikerin war für mich ein herausragendes Erlebnis. Eine Posaunistin, Komponistin, Arrangeurin und Sängerin (an diesem Abend leider nicht) im Rahmen der von mir kuratierten Reihe zu erleben, war ein einmaliges Konzert-Highlight – und ein würdiger Schlusspunkt. Der überaus erfolgreiche musikalische Lebenslauf sei hier nur kurz erwähnt: Beginn des Posaunenstudiums im Heimatland Australien, Studium in New York, internationale Engagements, WDR Big Band und Hochschulprofessorin in Köln, Jazzpreise …

In der Vorbereitung auf meine Begrüßungsworte habe ich mir u. a. einige YouTube-Mitschnitte angeschaut, um dem anwesenden Publikum einige Aufmerksamkeitsimpulse mitzugeben. Erwähnt sei die Komposition „Bad Friend“ (YouTube). Hier beginnt Shannon ganz frei, spielt gemutet, improvisiert mit gedehnter Metrik, geht in den Bereich des Geräuschhaften, spielt ausgehend von energetischen Passagen hin zu lyrischen Klängen, um dann in ihrer ganz eigenen Spielweise ins konstant Rhythmische mit anschließendem Thema überzugehen.

Und dieses Stück ist tatsächlich das Eröffnungsstück des Shannon Barnett Quartetts mit den Musikern Stefan Karl Schmid am Tenor, David Helm am Bass und Fabian Arends am Schlagzeug … Und hier in Recklinghausen geht die Komposition ganz anders als in der Videoversion voran: direkt das Unisono-Thema, weiter über ein freies Kollektiv … ganz anders als vermutet. Die Kompositionen Barnetts leben vom Livespiel, nichts ist Routine oder „nur“ eingeprobt …

Das Publikum ist von der Versiertheit der Band und der Virtuosität der Leaderin sofort fasziniert. In ihrer freundlichen, kommunikativen Art weiß sie das Publikum anzusprechen: „Gerade heute ist unsere neue CD ‚Human‘ erschienen. Es ist heute gewissermaßen unser Debütkonzert …“

Danke!

Shannon weiß, wie sie ihr Konzert aufbaut und strukturiert. Es gibt eine ausgeglichene Mischung von frei bis „funky“, aber nicht im stereotypen Sinn, sondern ganz auf ihre eigene Weise. Man spürt in jeder Note den Willen zur freien Gestaltung, häufig auf rhythmischer Basis. Und das ist auch das Bewundernswerte an Shannon Barnett: Sie hat keine stilistischen Scheuklappen. Schaut man sich ihre erschienenen CDs an, so fällt die Vielgestaltigkeit auf. Der eine Pol zeigt in Richtung Singer-Songwriter, der andere in Richtung freier Jazz.

Unterstützt wird sie von Stefan Karl Schmid am Tenor, der den Grundstein für die Kompositionen legt, aber auch Impulse für den weiteren Verlauf der Musik setzt. Am Saxofon fügt sich in diese Vielgestaltigkeit ein, versucht alle Standardfloskeln zu vermeiden und fügt dem Ganzen weitere Klangfarben hinzu. Fabian Arends zuzuhören, war für mich wirklich ein Genuss: der Sound des Schlagzeugs, sein Drive und sein flächiges Pulsieren – einfach fantastisch.

Das Publikum ist ganz Ohr und erfreut sich an der Live-Premiere der neuen CD „Human“ mit Stücken von Shannon Barnett: dem Titelstück, dann „Ölkind“, „Fail Without“ … und u. a. einem kurzen Arrangement des Ellington-Titels „Half the Fun“. Ein unvergesslicher Abend – und ein Finale, wie man es sich für die Sparda JazzLounge nicht schöner hätte wünschen können. Danke, Shannon!!!

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