Impressionen von der Cologne Jazzweek
Avishai Cohen Big Vicious und Michael, Salomea & Askari
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Uwe Bräutigam/Daniella Feijoo (Avishai Cohen)
Mit über 50 Konzerten und einer großen Vielfalt musikalischer Stile ist die Cologne Jazzweek ein echtes Schwergewicht unter den Jazzfestivals in NRW. Impressionen von zwei sehr unterschiedlichen Konzerten – Avishai Cohen – Big Vicious in der Kölner Philharmonie und Emmanuel Michael, Rebekka Salomea & Reza Askari im Museum für Ostasiatische Kunst – unterstreichen die musikalische Bandbreite der Cologne Jazzweek.
AVISHAI COHEN – BIG VICIOUS
In Kooperation mit Jüdisches Leben in Europa (JEWLIF) fand in der Kölner Philharmonie ein Konzert des Trompeters Avishai Cohen statt. Zur Eröffnung fand Janning Trumann deutliche Worte gegen Antisemitismus und für eine vielfältige, bunte Kultur – besonders vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt, bei dem eine rechtsradikale Partei die Mehrheit errungen hat.
Damit wurde nicht nur ein international bedeutender Musiker eingeladen, sondern zugleich ein Zeichen gesetzt: Jüdische Kultur gehört zu Deutschland und Europa. Die Band von Avishai Cohen trägt den Namen Big Vicious, benannt nach dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2020. Nicht nur der Name, auch die Besetzung machte deutlich, wohin die musikalische Reise gehen sollte: Neben Cohens Trompete standen zwei Schlagzeuger und zwei E-Gitarristen auf der Bühne. Wenn im Programmheft angekündigt wurde, die Musik sei niemals laut und ungestüm, dann galt dies zumindest nicht für das Konzert in Köln.
Die Band spielte über weite Strecken als geschlossenes Ensemble. Die beiden Schlagzeuger Ziv Ravitz und Aviv Cohen sorgten für einen kraftvollen Rhythmushintergrund, während die E-Gitarristen Uzi Ramirez und Yonatan Albalak mit zahlreichen Effekten arbeiteten. Neben rockigen Gitarrenklängen erzeugten sie damit auch Synthesizer-ähnliche Sounds. Über dieser Klangfülle setzte Avishai Cohen seine Trompete ein, häufig mit langen Liegetönen.
Diese Musik war definitiv laut und bisweilen auch ungestüm. An einigen Stellen ging die Trompete in dem dichten Soundteppich beinahe unter. Auch Avishai Cohen arbeitete mit Loops und anderen elektronischen Effekten an seinem Instrument. Eine Ausnahme bildete Ziv Ravitz, der als einziger Musiker ausschließlich akustisch spielte.
Das Konzert begann mit einem langen, unbegleiteten Trompetensolo. Später folgte ein ausgedehntes Gitarrensolo; ansonsten spielte die Band fast durchgehend mit allen Musikern gleichzeitig. Manche Passagen klangen durch den Einsatz von Elektronik beinahe orchestral. Neben dem einen oder anderen Schlagzeuggewitter und wild verzerrten E-Gitarren gab es lange, hypnotisch-repetitive Passagen mit den Liegetönen der Trompete. So entstand eine äußerst kraftvolle, dichte Ambientmusik mit melodischen Bögen und Anklängen an Trip-Hop. Das Publikum zeigte sich von dieser Klangfülle begeistert und spendete kräftigen Beifall.
MICHAEL, SALOMEA & ASKARI IM MUSEUM FÜR OSTASIATISCHE KUNST
Japanische Holzschnitte oder Kalligrafie – dafür ist das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln bekannt. Nun gab es dort ein Jazzkonzert, weit entfernt von ostasiatischer Kultur. Die Veranstaltungsorte der Cologne Jazzweek beziehen die gesamte Stadt Köln mit ein. Das Konzert im Museum für Ostasiatische Kunst war das erste von vier Mittagskonzerten, die allesamt kostenlos sind. Das Foyer war dicht gedrängt: Neben der Bestuhlung saßen Menschen auf der Eingangstreppe und in den Gängen, während sich viele weitere Besucherinnen noch im hinteren Bereich drängten. Neben dem Musikpublikum waren auch zahlreiche Musikerinnen anwesend.
In dieser Konstellation hatte die Band zuvor noch nie zusammengespielt. Emmanuel Michael, ein viel gefragter afroamerikanischer Gitarrist aus New York, die Sängerin und Komponistin Rebekka Salomea, Deutsche Jazzpreisträgerin 2026 in der Kategorie „Künstlerin des Jahres“, und der umtriebige Bassist, Komponist und Hochschullehrer Reza Askari traten in Köln zum ersten Mal gemeinsam auf.
Das Konzert war gewissermaßen ein Gegenpol zu Big Vicious. Bei dem Trio im Museum war alles akustisch – wenn man die semiakustische Gitarre mit einbezieht. Die Musik war weder laut noch ungestüm. Zu hören war eine bunte Mischung aus Songs von Salomeas Band Salomea und Standards.
Viele Stücke waren romantische Balladen, bei denen Salomeas Stimme wunderbar zur Geltung kam. Zwei Stücke waren besonders bemerkenswert: der Titel „Invitation“ aus dem Salomea-Album Bathing in Flowers von 2020 sowie der Standard „I Remember You“ von Victor Scherzinger mit einem Text von Johnny Mercer.
Emmanuel Michael spielte zu „I Remember You“ ein großartiges Gitarrensolo mit Fingerpicking vom Feinsten. Auch Reza Askaris Bassbegleitung war herausragend. Die drei Musiker spielten das gesamte Konzert auf hohem Niveau: Salomea mit ihrem ausdrucksstarken Gesang, Emmanuel Michael mit großartigem Gitarrenspiel und Reza Askari mit exzellenten Bassfiguren.
Zwei Konzerte, die in ihrer Unterschiedlichkeit eindrucksvoll zeigten, welche musikalische Bandbreite und welche vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten bei der Cologne Jazzweek zu erleben waren.
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