Bild für Beitrag: Chris Hopkins und Neville Dickie | 'Von George Gershwin bis Duke Ellington' und das 3. Pedal
Bild für Beitrag: Chris Hopkins und Neville Dickie | 'Von George Gershwin bis Duke Ellington' und das 3. Pedal
Bild für Beitrag: Chris Hopkins und Neville Dickie | 'Von George Gershwin bis Duke Ellington' und das 3. Pedal
Bild für Beitrag: Chris Hopkins und Neville Dickie | 'Von George Gershwin bis Duke Ellington' und das 3. Pedal

Chris Hopkins und Neville Dickie

'Von George Gershwin bis Duke Ellington' und das 3. Pedal

Bochum, 02.10.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Heinz Schlinkert

Die Kunstwerkstatt in Bochum Wattenscheid ist inzwischen eine Legende. Chris Hopkins spielte dort mit Neville Dickson und erklärte dabei die Funktion des dritten Pedals am Flügel.
Mit ‚Ain‘t misbehavin’ beginnt das Konzert und Chris Hopkins begrüßt das Publikum in seinem „zweiten Wohnzimmer“, denn in der Bochumer Kunstwerkstatt ist er schon oft aufgetreten. Die „Werkstatt“ ist mal wieder gerammelt voll, letzte Stühle und eine Bank werden noch herbeigeholt, damit alle sitzen können.
Wie gewohnt spielen die beiden Pianisten abwechselnd Solo und Begleitung. Die beiden sind Meister ihres Fachs und brauchen keine Noten, sie werfen sich die Bälle zu, ohne es vorher abgesprochen zu haben. „Telepathie“ nennt Chris das, es sind auch Handzeichen zu erkennen.
Der inzwischen 89jährige Neville Dickie war mit Chris schon im März in der Hattinger Henrichshütte beim ‚FunTastenFest‘  aufgetreten, bei dem 4 Pianisten auf zwei Flügeln und auf einer zentral aufgestellten Bühne gespielt hatten. In Großbritannien ist Neville Dickie eine Legende. Mit Hunderten von Rundfunkauftritten ist er mit Ragtime, Boogie Woogie und Stride im ganzen Land bekannt.
Zu hören sind bekannte Standards aus dem Great American Songbook wie ‚A Train‘, St. Louis Blues’ und ‚Memories of you’. Bevor Chris Hopkins ‚Montevideo‘ von Duke Ellington spielt, hält er einen kleinen Vortrag über die Pedale eines Flügels. Er erklärt die Funktion des linken und rechten Pedals und bekennt, dass er das mittlere Pedal bisher nicht benutzt hat, weil er gar nicht weiß, wofür es gebraucht wird. Doch er hat sich erkundigt. Das mittlere Pedal hält nur die Dämpfer der Tasten bzw. Töne weiterhin gehoben, die zum Zeitpunkt der Pedalbetätigung gerade gespielt wurden. Die anderen Töne und ihre Dämpfer sind hiervon unbeeinflusst, Chris setzt dieses Pedal beim nächsten Stück ein, das Publikum soll heraushören, wann er das macht.
Neville Dickie sagt seine Stücke sehr humorvoll an und sucht verwundert an seinem Flügel das dritte Pedal, vergeblich. Er spielt alleine ‚Summertime‘ und ‚My favorite things‘ und man könnte meinen, dass er beim Spielen dieser Standards sein eigenes Leben vorüberziehen sieht.
Wie sonst auch wird am Abend des nächsten Tages das Konzert wiederholt, sicher mit ganz anderen Improvisationen. 

Kunstwerkstatt am Hellweg

Die Kunstwerkstatt war ursprünglich eine Werkstatt, in der von 1895 an Speichenräder aus Holz und Stahlringen und Karren aller Art hergestellt wurden. In den 1920er Jahren wurden dort in Handarbeit Autos gefertigt und repariert. Dort stehen noch einige der alten Maschinen, u. a. eine Werkbank, eine Fräse und eine Langlochbohrmaschine.
Anne und Reinhard Cebulla riefen 1995 die „Kunstwerkstatt am Hellweg“ ins Leben, in der Lesungen und Konzerte stattfinden. Wegen der alten Holzdecke und der Raumhöhe ist die Akustik geradezu ideal. Über 300 Künstler sind dort inzwischen aufgetreten, ein harter Kern von 30 Musikern kommt immer wieder, darunter auch Chris Hopkins . 

Kurzinterview mit Chris Hopkins

nrwjazz: Seit wann und mit wem hast du in der Bochumer Kunstwerkstatt schon gespielt?
Chris Hopkins : Bis dato fast 50 Konzerte dort gegeben, jedes Jahr im Rahmen der "Piano Friends" Tour & mehr (s.u.). Dazu kommen mehr als 20 Konzerte, Solo oder mit Echoes of Swing.

nrwjazz: Was schätzt du besonders an dieser Location?
Chris Hopkins : Die Kulturwerkstatt ist en besonderer Nicht-Mainstream-Ort, einmalig. Besonders die Intimität, dass die Gäste so nah dran sind, keine Technik/Mikros, auch nicht für die Ansage, das schafft Nähe/Verbindung. Zwei Flügel gibt es dort, das bietet sich an für das Piano Friends Projekt

Piano Friends bisher u.a. mit:
NEVILLE DICKIE (London)
ULF JOHANNSON WERRE (Sweden)
JEAN-BAPTISTE FRANC (Paris)
EHUD ASHERIE (New York)
MARTIN SASSE (Köln)
MARTIN LITTON (London)
DADO MORONI (Genova)
BERND LHOTZKY (München)
JUDY CARMICHAEL (New York)
MARK SHANE (New York)
PHILIPPE MILANTA (Paris)
JOHNNY VARRO (USA)
OLAF POLZIEHN (Stuttgart)
MIKE LIPSKIN (San Francisco)
LOUIS MAZETIER (Paris)

http://www.kunstwerkstattamhellweg.de/
https://hopkinsjazz.com/de/

Suche