Chris Hopkins
FunTastenFest - fantastisch
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Heinz Schlinkert
Zum Frühlingsanfang am 1. März fand in der Henrichshütte Hattingen ein ganz besonderes Konzer statt.
Chris Hopkins
hatte zum ‚FunTastenFest‘ eingeladen, 750 Zuschauer sind aus ganz Deutschland gekommen. Schon im Herbst 2022 hatte
Chris Hopkins
im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum mit 1000 Zuschauern ein ganz ähnliches Konzert veranstaltet. Schon damals wurde überlegt, es wegen des überragenden Erfolg zu wiederholen.
Eine große Bühne ist heute in der Mitte der großen Halle aufgebaut, in der schon mehrere Konzerte aus der Reihe ‚Jazz in der Hütte‘ stattgefunden haben. Zwei Flügel stehen darauf und wegen ihrer engen Anordnung könnte man meinen, sie wären nur ein Instrument.
Die Bühne könnte auch an einen Boxring erinnern, doch eine ‚Battle‘ ist hier nicht geplant, es geht vielmehr um den ‚International Stride & Swing Piano Summit‘. Der Bühnenaufbau, bei dem die vier Zuschauer-Blöcke sehr nahe an die Bühne heranreichen, soll dem ganzen Publikum einen guten Blick auf die Pianisten mit ihren Instrumenten bieten.
4 Pianisten - 6 Duos, 4 Soli, 1 Quartett
Aus der Kombination von zwei Instrumenten und vier Musikern ergeben sich 11 Line Ups. Das war schon beim Bochumer Konzert so und auch Dado Moroni aus Italien und Louis Mazetier aus Frankreich sind wieder dabei.
Also nichts Neues, nur eine Wiederholung? Nein, denn nicht nur bei der Bühne, auch bei den Musikern selbst gibt es eine Änderung. Denn Chris eröffnet das Konzert mit der Vorstellung von Neville Dickie, der kurzfristig für Martin Litton eingesprungen ist. „88 Jahre, 88 Tasten“ stellt Chris ihn vor und er spielt mit ihm - das erste Duo des Abends - ‚I got Rhythm‘ und ‚Rosetta‘ von Earl Hines für die gleichnamige Verlobte Dickie’s. In atemberaubendem Tempo soliert dann Neville Dickie über Stücke wie ‚St. Louis Blues‘, oft im Boogie Woogie Stil, immer wieder von viel Beifall begleitet.
In der Folge sind weitere Duette in wechselnden Zusammensetzungen zu hören. Chris weist darauf hin, dass alles improvisiert ist. Denn so wie sich die Pianisten so flüssig und scheinbar leicht die Bälle zuwerfen, da könnte man vermuten, alles sei durchkomponiert. Aber nein, hier sind vier der zwölf versiertesten Jazzpianisten Europas am Werk, die klassischen Swing im ‚Stride Piano‘ Stil spielen können. Bei dieser Spielweise springt die linke Hand bis zu zwei Oktaven zwischen Basstönen und Akkorden hin und her. Standards wie ‚Embracable You‘ und ‚Ain‘t misbehavin’ sind zu hören, Louis Mazetier spielt eine Eigenkomposition.
In der Pause werden die beiden Flügel um 45 Grad gedreht, damit ein Teil des Publikums nicht nur den Rücken der Musiker sehen muss. Beide Flügel sind geöffnet, die Deckel wurden abgenommen und die Musik muss nicht verstärkt werden; Mikros werden nur für Ansagen gebraucht.
Chris Hopkins
spielt solo ein Stück von Duke Ellington, seinem Lieblingskomponisten. Auch ‚Echoes of Swing‘ ist zu hören, vielleicht eine Reminiszenz, denn so hieß auch seine erste Band, bei der er noch nicht Piano, sondern Saxofon spielte. Als Moroni und Hopkins zusammen ‚Volare, Nel blu dipinto di blu‘ spielen, klatscht das Publikum begeistert mit.
Chris Hopkins - Dado Moroni - Louis Mazetier - Neville Dickie
Chris Hopkins ist international eine Institution für Swing Piano, wir haben oft über ihn berichtet. Dado Moroni zählt zu den führenden Jazz-Pianisten Italiens. Sein stilistisches Spektrum ist nahezu unbegrenzt, er hat sogar mit Pop-Stars wie Eros Ramazzotti zusammen gearbeitet. Louis Mazetier ist eigentlich Arzt, doch ohne klassische Vorbildung gelang es ihm einer der international bedeutendsten Interpreten des Stride Piano zu werden. Neville Dickie ist in Großbritannien eine Legende. Mit Hunderten von Rundfunkauftritten ist er mit Ragtime, Boogie Woogie und Stride im ganzen Land bekannt geworden. Die vier Pianisten haben mehrere internationale Preise bekommen.
Grandioses Finale
Beim Finale wechseln die 4 Musiker wie beim Tischtennis-Rundlauf ihre Plätze. Sie müssen sich ganz schön beeilen, weil die Musik im Up-Tempo läuft. Sie spielen mal im Sitzen, mal im Stehen, mal zu dritt, mal zu viert an einem Piano. Insgesamt mehr als drei Stunden hat dieses Konzert gedauert, das mit standing ovations abschloss und das man nicht so schnell vergessen wird.







