Bild für Beitrag: Bill Frisell Trio | featuring Luke Bergman & Rudy Royston
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Bill Frisell Trio

featuring Luke Bergman & Rudy Royston

Dortmund, 31.01.2026
TEXT: Heinz Schlinkert | FOTO: Ulrich Timmermann

Am 29. Januar gab es hohen Besuch im Dortmunder domicil. Der amerikanische Jazzgitarrist Bill Frisell war mit seinem Trio gekommen und begeisterte über 90 Minuten mit nur zwei Stücken das Publikum.

Der Saal des domicil in Dortmund ist rappelvoll, alle Plätze sind besetzt, auch die Bänke an den Seiten, und selbst hinten stehen noch einige Leute. Kein Wunder, wenn so ein weltberühmter Gitarrist kommt, war das zu erwarten. Schon als die Band auf die Bühne kommt, erhebt sich intensiver Beifall, die Erwartungshaltung ist hoch. Als Bill Frisell die Musiker vorstellt - viel mehr wird er an diesem Abend nicht sagen – erhebt sich erneut ein Riesenapplaus wie sonst erst am Ende eines Konzertes.
Ganz leise beginnt Frisell einzelne Töne auf der Gitarre zu spielen. Ebenso leise schaltet sich nun der Drummer mit seinen fellbezogenen Schlägeln ein, die vorsichtig das Becken berühren und schließlich setzt auch Bass mit weiteren Tönen ein. So entwickelt sich allmählich eine von der Gitarre getragene Melodie, die immer mehr von den beiden anderen Musikern begleitet wird und die nach einem leichten Crescendo wieder abfällt, um nach weiteren crescendi und diminuendi langsam abzuebben.
Dieses erste Stück hat fast eine halbe Stunde gedauert und erhält viel Beifall. Statt Thomas Morgan ist der Bassist Luke Bergman gekommen, das Schlagzeug spielt wie geplant Rudy Royston. Klar ist jetzt schon, dass heute nicht einzelne Stücke aus Frisells Alben gespielt werden.

Das zweite Stück beginnt mit einem kunstvollen Drum-Intro, gefolgt von scheinbar unzusammenhängenden Improvsationen, die manchmal einer call response Sequenz zu dritt ähneln. Doch auch hier schält sich allmählich eine Melodie heraus. Und immer wieder kommen über Frisells Gitarre neue Ideen ins Spiel, mal als Blues, mal rockig, mal wird man an die Musik aus einem James Bond Film erinnert, mal an ein Stück von Fleetwood Mac oder gar an ein Weihnachtslied. Dann ebbt die Aktivität wieder ab und verharrt in längeren Phasen mit einem lange ausgehaltenen Ostinato auf einer Tonfolge.

Das Publikum scheint sprachlos 

Melodien changieren, selbst die Becken des Drummers funkeln im mal roten, mal blauen Scheinwerferlicht. Doch Band selbst steht fast unbeweglich und scheinbar emotionslos auf der Bühne, kein Wort von Bill Frisell, keine Ansagen. Doch auch das Publikum scheint sprachlos, es applaudiert eher zögerlich nach einzelnen Soli, doch wo in diesem Kontinuum ein Solo anfängt und wo es aufhört, bleibt oft unklar. Alles scheint improvisiert zu sein, doch der Einsatz von Samples und Loopern zeigt, dass vorher schon einiges abgesprochen worden ist. Und so lässt sich das Publikum darauf ein, jede neue Wendung aufzunehmen und sich in konstruktivistischer Weise – ähnlich wie bei einem Bild von Kandinsky – ein eigenes Bild daraus zu machen: Ein Flug über eine Landschaft, eine Reise oder gar das Leben als solches, viel könnte man hinein interpretieren, wenn nicht gar projizieren. 

Der Bassist Luke Bergman ist sehr zurückhaltend und hat die Side Man Rolle internalisiert. Seine durchaus virtuosen Basslines klingen dumpf und sind oft kaum zu hören. Er steht ziemlich auf Distanz neben dem Gitarristen, kaum ein Solo ist erkennbar. Oder ist das so vorgesehen? Der Drummer Rudy Royston dagegen steht in jeder Hinsicht dem Gitarristen nahe. Mit seinem präzisen und ideenreichen Spiel bringt er sich in idealer Weise ein und glänzt mit drei klar erkennbaren Soli.
Und wieder ebbt die Musik ab, geht das Konzert nun zu Ende? Doch schon seit eineinhalb Stunden spielt die Band und nun ist wirklich erstmal Schluss. Natürlich gibt es eine Zugabe, danach noch eine, das Publikum lässt nicht eher los. Nach zwei vergleichsweise kurzen Stücken und Standing Ovations endet ein außerordentliches Konzert.

noch ein Konzert gibt es in NRW:

5.2.26 Köln Stadtgarten

Ende Februar erscheint das neue Album Bill Frisell - In My Dreams

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