Bild für Beitrag: Als der Tag zur Nacht wurde | Ein Sommerabend mit OZMA auf der Seebühne
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Als der Tag zur Nacht wurde

Ein Sommerabend mit OZMA auf der Seebühne

Düsseldorf, 29.07.2026
TEXT: Stefan Pieper | FOTO: Stefan Pieper

Auf der schwimmenden Seebühne des Düsseldorfer asphalt festivals bewies die französische Band Ozma ein extraordinäres Gespür für Zeit, Ort und Stimmung. Was im letzten Sonnenlicht zart und melodiös begann, wuchs im Lauf des Abends zu einer musikalischen Großstadtreise heran – vom leisen Eintauchen bis zum rockigen Aufbrausen. So entstand eine starke Verbindung aus Sound, Licht, Wasser und einem konzentriert lauschenden Publikum.

Wer zum ersten Mal herkommt, den überrascht diese Seenlandschaft mitten in der Düsseldorfer City. Überragt von zwei schicken Hochhäusern, liegt der Schwanenspiegel an diesem Bilderbuch- Sommerabend da. Auf der Rheinpromenade ringsum herrscht südländische Strandatmosphäre, und genau diesem entspannten Sog trägt auch die Seebühne Rechnung. Je tiefer die Sonne sinkt, desto mehr steigt vom Wasser steigt eine wohltuende Kühle auf. Ein paar Schwäne ziehen unaufgeregt ihre Bahn. Und wer die Band Ozma bislang nur eine Industriehalle rocken hörte, wurde an diesem Abend nicht minder überrascht. Das Quintett um Schlagzeuger und Bandleader Stéphane Scharlé – mit Édouard Séro-Guillaume (Bass), Musina Ebobissé (Saxofon, Stimme), Martin Ferreyros (Gitarre) und Dan Jouravsky (Keyboards) – spielt gerade zu Beginn dieses Draußen-Konzertes besonders leichtfüßig, ja sanft auf, was für fast den ganzen erste Set vor der Pause gilt: hochmusikalisch gewobene Akkorde, sanfte Harmoniewechsel, ein fein austarierter Gitarrenklang, das alles erzeugt eine besondere Art von Fusion Jazz, die mit Eleganz berührt, statt zu imponieren. Und da lebt eine zeitgenössische Spielart jenes europäischen Jazzrock, die aus dessen elektrischen Anfängen eine eigene, klangfarbenbewusste Sprache entwickelt hat. Das hier ist niemals Virtuosenshow, sondern als atmosphärisch grundierte Musik. Das Schlagzeug taktet präzise, ohne zu viel Alarm zu machen; immer wieder lässt die Band einfach die Klangfarben sprechen, etwa in einem psychedelisch schimmernden Synthesizer-Soli, einem Fender-Rhodes, den Gitarren und vor vom geschmeidigen Saxofonspiel – alles extrem passend zum letzten Sonnenlicht des Abends.

Eine Band, die den Ort zu erspüren weiß

Doch dabei blieb es nicht. Der Tag ging, der Abend kam, und Ozma ließ das eigene Temperament immer mehr von der Leine. Ein sattes, organisches Crescendo kündigte den deutlich rockigeren zweiten Set an. Nun brachen aus kollektiven Improvisationen breite Klangflächen hervor, angetrieben von funkig ziehenden Grooves. Der Saxofonist stellte sich mit charismatischer Gesangsstimme vor seine Band. Die Stücke des aktuellen Albums „The Day We Decided To Live At Night" lebten in dieser nächtlichen Feierlaune auf einmal ganz anders auf. Dass die Band solche Gegensätze nicht glättet, sondern gegeneinander spannt – Zartheit und Wucht, Fläche und Ausbruch, eruptives Zupacken und atmosphärische Zurücknahme –, macht die eigentliche Spannung dieser Musik aus.

Speziell war dabei das Hörerlebnis: Über Kopfhörer hörte man analytisch und ganz für sich, ein wenig auf Kosten der Live-Unmittelbarkeit; vorn aber kam der ungefilterte Sound von Schlagzeug und Röhrenverstärkern laut genug an. Dieses Setting auf dem See, längst ein Markenzeichen des asphalt festivals, wurde einst aus der Not geboren: In der Corona-Zeit war die schwimmende Bühne eine von vielen kreativen Open-Air-Lösungen – und eine der wenigen, die überlebt haben und dem Festival heute sein besonderes Gepräge geben. Ein Ort wie dieser will nicht einfach bespielt, er will erspürt werden. Genau darin lag Ozmas Kunst an diesem Abend: jenes Einfühlungsvermögen, mit dem die Band den Ort las und die Atmosphäre für alle noch verdichtete.

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