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Alles begann in der finnischen Sauna

Ein Duo mit viel Erzählkraft auf dem Nordsternturm

Gelsenkirchen, 13.03.2025
TEXT: Stefan Pieper | FOTO: Bernd Zimmermann

Der finnische Gitarrist Aleksi Rajala, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt, nahm das Publikum im ausverkauften Nordsternturm mit auf eine musikalische und visuelle Reise in seine Heimat – zusammen mit seinem Duopartner, dem Kontrabassisten Florian Dohrmann wurde es ein fulminanter Auftritt für zwei Meister ihres Fachs. Vor allem der finnische Gitarrist begeistert mit virtuoser Musik und bildgewaltigen Geschichten seiner Heimat. Dass man vom Nordsternturm eine inspirierende Aussicht auf die ganze Region hat, bereichert jedes Konzert, seit die FineArtJazz-Reihe diesen Ort für sich auserkoren hat. Dass man von hier oben auf einen Trip in ganz neue Weiten aufbrechen kann, ist aber nicht selbstverständlich. An diesem Abend ging es nach Finnland – imaginär, musikalisch und vor allem auch ausgesprochen bildgewaltig.

Die Menschen in Finnland gehören zu den glücklichsten Menschen auf diesem Planeten – sagt eine Erhebung seit mittlerweile sieben Jahren. Die Ausstrahlung, die dieser Duo-Abend entfaltete, hatte das Zeug, diese These zu belegen. Mit virtuosen, berührenden Kompositionen zwischen Folk, Klassik und Jazz brachte Aleksi Rajala seine Sehnsucht nach den Orten seiner Kindheit zum Ausdruck. Aber die Musik an diesem Abend hatte zunächst mit irgendwelchen Klischees in Sachen nordischer Folklore überhaupt nichts zu tun. Die filigrane Virtuosität des Gitarrenspiels erinnerte an die Virtuosität eines Paco de Lucia – hochvirtuos, mal balladesk, kammermusikalisch und auch mit jazzigen Elementen. Das alles bewegte sich mühelos zwischen finnischer Melancholie und spanischem Expressionismus, ohne sich dabei in einem Genre festzulegen.

An Rajalas Seite stand der mehrfach mit dem Echo-Klassik ausgezeichnete Bassist Florian Dohrmann. Der aus dem Tübinger Raum stammende Kontrabassist, bekannt als ehemaliges Mitglied des David-Orlowsky-Trios, das sich durch seinen beeindruckenden Klezmer-Stil auszeichnete, ergänzte Rajalas Gitarrenspiel mit bemerkenswerter Sensibilität und technischer Brillanz. Die musikalische Verschmelzung der beiden Instrumente war so vollkommen, dass Dohrmanns begleitender Part auf dem Kontrabass oft wie selbstverständlich wirkte – nur um dann in "ordentlichen Geschwindigkeitssoli", wie ein Zuhörer es ausdrückte, hervorzutreten. Die Balance zwischen den beiden Instrumenten war durchweg stimmig, obwohl sie auf der Bühne "ein bisschen mit seinen tiefen Tönen gekämpft" haben.

Hirviikärpänen und Kalsarikännit 

Das Besondere am Abend war aber die darauf aufbauende multimediale Inszenierung. Auf einem großen Bildschirm hinter der Bühne zeigte Rajala Fotografien aus Finnland und erzählte dazu mit feinem Humor Geschichten und Anekdoten. So erfuhr das Publikum, wie man sich gegen "Hirvikärpänen", die fliegende Elchzecke, wehren kann, und bekam Einblicke in die finnische Tradition des „kalsarikännit“, den jeder Finne sofort versteht: Gemeinst ist das gemütliche Biertrinken in Unterhose auf der heimischen Couch. 

Dieser Mix aus hochvirtuoser Musik und den bildstarken Erzählungen schuf eine Atmosphäre, die das Publikum vollständig in ihren Bann zog. "Man hat quasi mit ihm zusammen eine Rundreise durch Finnland gemacht", beschrieb ein Besucher den Abend. Vom südlichen Kotka, über das Rajala sagte: "Da gibt es eigentlich nichts", bis zu entlegenen Orten 300 Kilometer hinter dem Polarkreis, wo 150 Menschen leben und "man nicht weiß, was die dort eigentlich machen".

Was diesen Abend besonders machte, war die Art, wie Rajala es verstand, die Lücke zwischen seiner finnischen Heimat und seinem deutschen Publikum zu schließen. Die Musik wurde zum universellen Träger von Emotionen, während die Bilder und Geschichten dem Publikum halfen, die kulturellen Nuancen zu verstehen, die in den Klängen verborgen waren.

Die beiden Musiker lernten sich übrigens in einer Sauna kennen – passenderweise ein weiteres finnisches Kulturgut. Wie Rajala erzählte, hinderte er Dohrmann daran, "ziellos mit dem Handtuch herumzuwedeln" und machte stattdessen "selbst ständig Aufgüsse". Diese Anekdote veranschaulicht einmal mehr, mit welch einfachen Mitteln sich kulturelle Brücken schlagen lassen.



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