AN ORTE GEHEN WO WIR NOCH NIE WAREN
Airelle Bessont, Sebastian Sternal, Jonas Burgwinkel im Beethovenhaus
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Uwe Bräutigam
Das Trio der französischen Trompeterin Airelle Besson, des deutschen Pianisten und Keyboarders Sebastian Sternal und des Schlagzeugers Jonas Burgwinkel spielte ein viel umjubeltes Konzert im Bonner Beethovenhaus.
Seit 13 Jahren existiert dieses ungewöhnlich besetzte französisch-deutsche Trio, das ohne einen Bass auskommt. Kennengelernt haben sich die drei bei einem Chet-Baker-Hommage-Projekt des italienischen Bassisten Riccardo del Fra. Sie verstanden sich musikalisch so gut, dass sie beschlossen, auch weiterhin zusammen zu spielen. Das Programm im Beethovenhaus bestand zu großen Teilen aus ihrem Album "Surprise" von 2024. Elf Jahre hatte sich das Trio Zeit genommen, um sein Debüt zu veröffentlichen. 2020 bekam Sebastian Sternal vom Deutschlandfunk die Möglichkeit, zwei Projekte seiner Wahl aufzunehmen, und er entschied sich unter anderem für das Trio.
Die Stücke so spielen, wie sie noch nie gespielt wurden
Die Aufnahmen entstanden zu Beginn der Corona-Pandemie. Es war eine schwierige Zeit. Airelle Besson hatte gerade ein Kind bekommen und war mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Sie war auch unzufrieden damit, wie sie bei dieser Aufnahme gespielt hatte. Zwei Jahre später hörte sie sich die Aufnahmen noch einmal mit etwas Abstand an und befand nun doch einige Stücke für gut. Sie übernahm persönlich die Nachproduktion, und so erschien dann vor zwei Jahren das Album "Surprise". Die Titel waren alles ältere Stücke, jeweils zur Hälfte von Airelle und Sebastian geschrieben. Aber die Stückauswahl war nicht die Überraschung, die der Titel suggerierte, sondern die frische Art, neu an bekanntes Material heranzugehen und es so zu spielen, wie es vorher noch nie gespielt wurde.
Diese Herangehensweise prägte auch das Konzert im Beethovenhaus. Nach dem Titel "Prayer" kommentierte Sebastian Sternal das Stück mit den Worten: "So haben wir dieses Stück noch nie gespielt. Aber das ist ja auch das, was Freude macht, dass wir mit diesen Musikern an Orte gehen, wo wir noch nie waren."
Mit nuancierter Dynamik Spannung erzeugt
Das Stück "Prayer" ist ebenso wie der Titel "Calgary" schon 2015 auf dem Album "Canada" erschienen, ein Duo-Album von Sebastian Sternal und dem Trompeter Frederik Köster. So hatte Sebastian Sternal bereits Erfahrung mit der Zusammenarbeit mit einem Trompeter in intimer Besetzung. Die Titel boten sich also als Material in der Zusammenarbeit mit der Trompeterin Airelle Besson an. Beim Titel "Prayer" gab es auch eine längere Passage, in der Trompete und Klavier im Dialog waren, das erinnerte schon an das Duo Sternal und Köster.
Bei "Surprise" von Airelle Besson, dem Titelstück des Albums, spielt Airelle die Trompete sehr perkussiv, mit vielen unerwarteten Wendungen, während sonst die lyrischen Linien bei ihr überwogen. In ihrem feinen Spiel arbeitete sie sehr nuanciert mit der Dynamik und entwickelte so eine besondere Spannung in den Stücken.
Sebastian Sternal wechselte zwischen Flügel und Fender Rhodes. So spielte er etwa bei Airelles Titel "The Sound of your Voice Part II" am Rhodes. Das Stück stammt aus Airelle Bessons Album "Try" von 2021.
Er spielte oft kürzere oder längere Intros zu den Stücken und gab dabei den Pausen zwischen den Noten viel Raum. Stille und Klang gehörten bei ihm hörbar zusammen. Jonas Burgwinkel , der ein paar furiose Soli spielte, konnte natürlich auch leise und filigran für den Groove der Band sorgen. Er ist einfach ein herausragender Schlagzeuger. Airelles Titel "The Painter and the Boxer" war eine Widmung an Miles Davis, aber auch ein Verweis auf die zwei Seiten seiner Persönlichkeit: der sensible Künstler und der brutale Boxer.
Time to say Goodbye
Das Publikum gab dem Trio stürmischen, anhaltenden Applaus. Als Zugabe spielten die drei den passenden Titel "Time to say Goodbye", der ironischerweise das Eröffnungsstück der CD ist. Aber auch der Beifall nach der Zugabe wollte nicht enden, so gab es noch eine zweite Zugabe, die die Band gar nicht eingeplant hatte. Sie spielten den Titel "Magnolia", der auch das Schlussstück auf der CD "Surprise" ist. So schloss sich dann der Kreis.
Das Trio spielte auf der Cologne Jazzweek 2021 im Loft, und dort spielten sie viele der Titel, die auch in Bonn erklangen. Aber das Konzert in Bonn war absolut kein zweiter Aufguss, Airelle Besson, Sebastian Sternal und Jonas Burgwinkel haben die Ansage, an Orte zu gehen, wo sie noch nicht waren, konsequent umgesetzt und ihre älteren Stücke mit viel Spielfreude und Improvisationsgeist mit neuen Ideen angereichert.
Das Publikum verließ das Beethovenhaus ganz erfüllt von der wunderbaren Musik dieser brillanten Musiker*innen.
Das Trio der französischen Trompeterin Airelle Besson, des deutschen Pianisten und Keyborders Sebastian Sternal und des Schlagzeuger Jonas Burgwinkel spielte ein viel umjubeltes Konzert im Bonner Beethovenhaus.
SEIT 13 JAHREN SPIELEN BESSON; STERNAL UND BRUGWINKEL ZUSAMMEN
Seit 13 Jahren existiert dieses ungewöhnlich besetzte französisch-deutsche Trio, das ohne einen Bass auskommt. Kennen gelernt haben die drei sich bei einem Chet Baker Hommage Projekt des italienischen Bassisten Riccardo del Fra. Sie verstanden sich musikalisch so gut, dass sie beschlossen auch weiterhin zusammen zuspielen.
Das Programm im Beethovenhaus bestand zu großen Teilen aus ihrem Album Surprise, von 2024. Elf Jahre hatte sich das Trio Zeit genommen um ihr Debüt zu veröffentlichen. 2020 bekam Sebastian Sternal vom Deutschlandfunk die Möglichkeit zwei Projekte seiner Wahl aufzunehmen und er entschied sich u.a. für das Trio.
DIE STÜCKE SO SPIELEN, WIE SIE NOCH NIE GESPIELT WURDEN
Die Aufnahmen entstanden zu Beginn der Corona Pandemie. Es war eine schwierige Zeit. Airelle Besson hatte gerade ein Kind bekommen und war mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Sie war auch unzufrieden damit, wie sie bei dieser Aufnahme gespielt hatte. Zwei Jahre später hörte sie sich die Aufnahmen noch einmal mit etwas Abstand an und befand nun doch einige Stücke für gut. Sie übernahm persönlich die Nachproduktion und so erschien dann vor zwei Jahren das Album Surprise. Die Titel waren alles ältere Stücke, jeweils zur Hälfte von Airelle und Sebastian geschrieben. Aber die Stückauswahl war nicht die Überraschung, die der Titel suggerierte, sondern die frische Art neu an bekanntes Material heranzugehen und es so zu spielen, wie es vorher noch nie gespielt wurde.
Diese Herangehensweise prägte auch das Konzert im Beethovenhaus. Nach dem Titel Prayer kommentierte Sebastian Sternal das Stück mit den Worten: „So haben wir dieses Stück noch nie gespielt. Aber das ist ja auch das, was Freude macht, dass wir mit diesen Musikern an Orte gehen wo wir noch nie waren.“
MIT NUANCIERTER DYNAMIK SPANNUNG ERZEUGT
Das Stück Prayer ist ebenso wie der Titel Calgary schon 2015 auf dem Album Canada erschienen, ein Duo Album von Sebastian Sternal und dem Trompeter Frederik Köster. So hatte Sebastian Sternal bereits Erfahrung mit Zusammenarbeit mit eienem Trompeter in intimer Besetzung. Die Titel boten sich also als Material in der Zusammenarbeit mit der Trompeterin Airelle Besson an. Beim Titel Prayer gab es auch eine längere Passage, in der Trompete und Klavier im Dialog waren, das erinnerte schon an das Duo Sternal und Köster.
Bei Surprise von Airelle Besson, das Titelstück des Albums, spielt Airelle die Tromptete sehr perkussiv, mit vielen unerwarteten Wendungen, während sonst die lyrischen Linien bei ihr überwogen. In ihrem feinen Spiel, arbeitete sie sehr nuanciert mit der Dynamik und entwickelte so eine besondere Spannung in den Stücken.
Sebastian Sternal wechselte zwischen Flügel und Fender Rhodes. So spielte er etwa bei Airelles Titel The Sound of your Voice Part II am Rhodes. Das Stück stammt aus Airelle Bessons Album Try von 2021.
Er spielte oft kürzere oder längere Intros zu den Stücken und gab dabei den Pausen zwischen den Noten viel Raum. Stille und Klang gehörten beim ihm hörbar zusammen.
Jonas Burgwinkel , der ein paar furiose Soli spielte, konnte natürlich auch leise und filigran für den Groove der Band sorgen. Er ist einfach ein herausragender Schlagzeuger.
Airelles Titel The Painter and the Boxer war eine Widmung an Miles Davis, aber auch ein Verweis auf die zwei Seiten seiner Persönlichkeit, der sensible Künstler und der brutale Boxer.
TIME TO SAY GOODBYE
Das Pulikum gab dem Trio stürmischen anhaltenden Applaus. Als Zugabe spielten die drei, den passenden Titel: Time to say Goodbye, der ironischer Weise das Eröffnungsstück der CD ist. Aber auch der Beifall nach der Zugabe wollte nicht enden, so gab es noch eine zweite Zugabe, die die Band gar nicht eingeplant hatte. Sie spielten den Titel Magnolia, der auch das Schlußstück auf der CD Surprise ist. So schloß sich dann der Kreis.
Das Trio spielte auf der Cologne Jazzweek 2021 im Loft und dort spielten sie viele der Titel, die auch in Bonn erklangen. Aber das Konzert in Bonn war absolut kein zweiter Aufguss, Airelle Besson, Sebastian Sternal und Jonas Burgwinkel haben die Ansage, an Orte zu gehen, wo sie noch nicht waren konsequent umgesetzt und ihre älteren Stücke mit viel Spielfreude und Improvisationsgeist mit neuen Ideen angereichert.
Das Publikum verließ das Beethoven Haus ganz erfüllt von der wunderbaren Musik dieser brillianten Musiker*in.







