Drei Jahrzehnte Hildener Jazztage
Eine wunderbare Musikform in allen Facetten
TEXT: Vera Marzinski | FOTO: Vera Marzinski
Zum 30-jährigen Bestehen boten die Hildener Jazztage auch in diesem Jahr wieder ein Forum für hochkarätige Musiker. Ein einem Mix aus Jazz, Funk und Blues mit der polnischen Bassistin Kinga Głyk nach viel Kreativität und Spielfreude der lettischen Gitarristin Ella Zirina begeisterte die Jazzszene in Hilden am zweiten Festivaltag.
Freuen durften sich Jazzliebhaber auch auf das US-amerikanische Jeff Hamilton Trio, das swingenden, modernen Jazz – virtuos, energiegeladen und voller Spielfreude – darbot sowie den ebenfalls aus den USA stammenden Saxophonisten Jimmy Greene, der in Hilden erstmals gemeinsam mit der WDR Big Band auf der Bühne stand. Zudem übertrug der Sender WDR 3 einige der Konzerte – was den besonderen Stellenwert des Festivals noch hervorhebt. Wie bei „The Jeff Hamilton Trio“ am Freitag in der Stadthalle Hilden oder am Sonntag beim „Andrés Coll Cosmic Trio“ im Gewerbepark Süd.
Im Kunstraum Gewerbepark Süd eröffneten Clara Haberkamp und anschließend „Accordion Affairs“ das Festival am Mittwochabend. Gleich zwei besondere Frauen lockten rund 600 Gäste ins „Haus Horst“ bevor am Abend die Geburtstagsparty zu „30 Jahre Hildener Jazztage“ in der Denkstation mit cooler Musik von Roman Babik und Mickey Neher, kurz: RoMi, startete. Sie sind zwar zu zweit, aber mehr als ein Duo - eher eine Big-Band auf drei Quadratmetern.
Frauenpower mit Zirina und Glyk
Eigentlich sollte das Doppelkonzert mit Zirina und Glyk im Park stattfinden, aber der wetterbedingte Plan B – am Wohnstift „Haus Horst“ im überdachten Teil kam auch sehr gut an. Ella Zirina und ihr Trio erzeugten melodische Improvisationen, die eine persönliche und emotionale Klangwelt schafften. „Intertwining“ und „Dancing light on water“ hießen die Stücke. Bei ihr passt das Sprichwort „Stille Wasser sind tief“, denn es bringt den Eindruck, den Jazzgitarristin, Komponistin und Bandleaderin Ella Zirina macht perfekt auf den Punkt. Hinter der mühelosen, ruhigen Fassade ihres facettenreichen, freien Stils auf der hellblauen E-Gitarre verbirgt sich ein Reichtum an komplexen Ebenen und emotionaler Tiefe. Nicht erst mit einem freundlichen „Happy birthdav to the Festival“ hatte Zirina die Sympathien des Publikums. Besonders war auch das Stück „Album Leaf“, das sie ihrem Vorbild dem russischen Komponisten Alexander Scriabin widmete. Sie greift auf seine spätromantische Harmonik und Klangfarben zurück, um ihre eigenen melodischen Jazz-Kompositionen zu prägen. Das „Forget me not“ schrieb sie für ihre Mutter, wie sie dem Publikum erzählte. Gemeinsam mit ihr standen der dänische Bassist Felix Modeholm, der derzeit auch mit Wynton Marsalis tourt, und Drummer Jamie Peet auf der Bühne. Peet ist einer der gefragtesten Schlagzeuger der Niederlande, der sowohl im Jazz als auch im Hip-Hop unterwegs ist und mit Gregory Porter und Kris Bowers tourte. Sein Schlagzeugsolo kommt im außerordentlich sanftem Groove und nicht wie so oft von Drummern in Schiessbudenmanier daher. Grandios dieses „Ella Zirina Trio“.
Ganz anders und auch grandios: „Kinga Głyk & Band“. Funky wurde es mit Glyk und sie erzählte nicht nur mit ihrer Musik Geschichten. Auch in ihren Ansagen baute Kinga Glyk eine Story ein. Ihre Zwischenansagen unterlegte sie noch mit Hall, das wirkte dadurch etwas mystisch. Die junge Ausnahmekünstlerin, die bereits im Alter von zwölf Jahren in einer Familienband spielte - als ein Drittel der Familienband, dem Glyk P.I.K. Trio mit Bruder Patryk am Schlagzeug, Vater Irek Vibrafon.-, legt großen Wert darauf, dass ihre Melodien mehr als nur technische Fingerübungen sind.Sie wählte verschiedene Stücke aus ihren Alben für Hilden und wünschte dem Publikum: „I hope my music give energy“. Mit ihrem virtuosen, groovigen Mix aus Jazz, Funk und Blues hat sich die polnische Musikerin international einen Namen gemacht. International auch ihre Band mit dem aus Havanna stammenden Drummer Rodney Baretto, am Keyboard der polnische Pianist Michał Jakubczak und Saxophonist Lucas Saint-Cricq ist Franzose. Ihr großes Vorbild sieht Bassistin Glyk in dem legendären Jazz-Bassisten Jaco Pastorius mit seiner melodischen und erzählerischen Spielweise. Mit kraftvollem Groove, virtuosen Basslinien und einer tiefgehenden Emotionalität gelingt Glyk ein moderner Sound, der Jazz, Funk und Fusion auf innovative Weise vereint. Das belohnte das Publikum mit viel Applaus.
Jazz in all seinen Facetten
Und auch mit diesem Konzert zeigte sich, dass die Hildener Jazztage zu einem festen Bestandteil der deutschen Jazzfestivallandschaft entwickelt hat, mit einem Programm, das sowohl internationale Künstlerinnen und Künstler als auch regionale Projekte in unterschiedlichen Spielorten der Stadt zusammenführt. Künstlerischer Leiter Peter Baumgärtner, der das Festival seit 1996 prägt, konnte schon am zweiten Tag sagen „Läuft super!“. Und so blieb es auch im gesamten Festivalverlauf, bei dem nicht nur die bekannte Jazzszene begeisterte auch junge Musikerinnen und Musiker zeigten aktuelle Entwicklungen aus der Nachwuchsförderung beim Konzert „Jugend jazzt – Preisträgerkonzert“. Die Jazztage Hilden zeigten die wunderbare Musikform in all ihren Facetten.























