Bunt ist das Programm |

Dianne Reeves in der Philharmonie Essen

Text & Fotos: Christoph Giese

Essen, 01.12.2013 | Schon ungewohnt, Dianne Reeves die ganze Zeit mit einer Brille auf der Nase und mit dem Blick auf die Notenblätter gerichtet zu erleben. Dabei hat sich die Sängerin für ihr Rendezvous mit der WDR Big Band doch ein Programm mit Lieblingsstücken zurechtgelegt.

Die sollte sie eigentlich auswendig singen können. Aber es sind wohl die ausgefeilten Arrangements vom Leiter des Kölner Orchesters, Michael Abene, die die vierfache Grammy-Gewinnerin aus den USA fast immer auf die Noten starren lassen.

Bunt ist das Programm. Peter Gabriels „In Your Eyes“ ist unter den Songs ebenso wie „Dreams“ von Fleetwood Mac, Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood“ oder „The Windmills Of Your Mind“ von Michel Legrand.

Das zeigt schon: als pure Jazzsängerin hat sich Dianne Reeves nie gesehen. Mit ihrer kraftvollen, wandelbaren, schwarzen Stimme kann sie sich mühelos in den Schnittstellen von Jazz, Blues, Soul und R&B bewegen. Und genau das tut sie im ziemlich gut besuchten, großen Alfried Krupp Saal der Philharmonie - ein sympathischer Einheitspreis auf allen Plätzen scheint ein Erfolgsrezept zu sein.
Die WDR Big Band liefert ihrer Fronfrau an diesem Abend, was sie gerade braucht. Einen souligen Unterbau beim alten Jazzklassiker „Stormy Weather“, Gospel- und Bluesfeeling bei „Your Love Is King“ oder eine gedämpfte, gefühlvolle Stimmung in der Ballade „After Hours“.

Ihr langjähriger Pianist Peter Martin verwöhnt am Konzertflügel mit süffigen Harmonien und hinreißend hingetupften Tönen und die WDR Big Band brilliert wie gewohnt im Satz- und im Solospiel.

Ganz am Schluss, zur ersten Zugabe, kommt Dianne Reeves nur mit Michael Abene zurück auf die Bühne. Und der Amerikaner erweist sich ebenfalls als Klasse-Pianist und begleitet die Sängerin in „Some Other Spring“, einem alten Favoriten der singenden Jazzikone Billie Holiday.

Aber auch Dianne Reeves weiß dieses traurige, aber keineswegs hoffnungslose Liebeslied wundervoll zu siinterpretieren – wie eigentlich alles bei ihrem Essener Gastspiel.