So nice bei Brazil |

„Quantuor Ébène“ feat. Stacey Kent

Text: Vera Marzinski | Fotos: Simon Weir

Essen, 14.05.2014 | Gleich das erste Stück war Programm für diesen Abend. Das „So nice“ des Brasilianers Marcos Valle eröffnete den Reigen des „Brazil“-Konzertes und gab den Eindruck des Abends wieder. Eben: so schön, so angenehm, „so nice!“. „Brazil“, so heißt auch das Album, das „Quator Ébène“ und Stacey Kent gemeinsam mit weiteren Musikern aufgenommen haben und damit dem Programm in der Essener Philharmonie den Stempel aufdrückten. Wiegende scharfe Samba-Rhythmen, etwas weicher Bossa-Nova - ein guter brasilianischer Mix.

Instrumental eröffneten „Quator Ébène“ gemeinsam mit dem brillanten Schlagzeuger Richard Héry das „So nice“. Mit ihrem bezaubernden Lächeln und mit Ehemann Jim Tomlinson schwebte Stacey Kent förmlich von links auf die Bühne und hauchte die Worte des Stückes ins Mikrophon. „So nice“ das Zusammenspiel der Musiker gepaart mit Stacey Kents weicher und doch durchdringender Stimme – das konnte nur ein herausragender Abend werden. Ein weiteres Highlight: das brillante Saxophonspiel von Jim Tomlinson – extrem ergreifend bei „Over the rainbow“.

Die gemeinsame „Love affair“ des Streichquartetts, das sich mühelos in eine Jazzband verwandeln kann, und der charismatischen Sängerin Stacey Kent entstand nach der Einspielung des ersten Crossover-Projektes „Fiction – The other Ebène“. Für dieses Werk – mit Stücken wie „Streets of philadelphia“ oder „Nature boy“ – wurde das Quartett mit einem ECHO Award ausgezeichnet. Stacey Kent steuerte ihre Stimme zu Jobims „Corcovado“ bei, und schon damals stellten sie gemeinsam fest, dass in dieser Konstellation noch viel mehr musikalisches Potential steckt – denn diese „Muse der brasilianischen Musik“ öffnete dem Quartett die Pforten zu diesem südamerikanischen Universum. Das war auch beim Konzert in Essen mehr als spürbar.

Kein ruhiger Bossa Nova-Abend sollte es werden, versprach Violoncello-Spieler Raphaël Merlin, der mit französisch angehauchtem Deutsch charmant durch den Abend führte. Ob Hermeto Pascoals „Bebè“ oder das „Aguas de Março“, jedes Stück ein Highlight. Sehr zerbrechlich Stings „Fragile“, bei Charlie Chaplins „Smile“ nahm Stacey Kent mit hinein in die Melancholie des Stückes. Die Amerikanerin kam vor vielen Jahren nach Europa, um französische, deutsche und italienische Literatur zu studieren. In Oxford lernte sie den Saxophonisten Jim Tomlinson kennen – sie entdeckten und teilten ihre gemeinsame Liebe zur Musik miteinander. Und dies vermitteln sie auch bei ihren Konzerten. Nur so kann der Funke zum Publikum überspringen – Musik mit ganzer Seele. Und vielleicht liegt es bei Stacey Kent auch an der Liebe zur Literatur, dass alles Poesie ist, was sie vorträgt. Verschmitzt kommt allerdings ein „One note samba“ daher.

Und dann erschallte ein „La, la, la – Brazil“ durch die Essener Philharmonie - nicht nur von der Bühne, sondern lautstark von den Zuschauerrängen. Die stimmungsvolle Samba „Brazil“ des brasilianischen Komponisten und Sängers Ary Barroso kannte jeder im Saal. Nach einem besonders facettenreichen Spiel der „Quantuor Ébène“ durfte das Publikum gesanglich einsteigen. Pierre Colombet (Violine), Gabriel Le Magadure (Violine), Mathieu Herzog (Bratsche) und Raphaël Merlin (Violoncello) begeistern – und das schon gemeinsam seit 15 Jahren. Zunächst in den Uni-Proberäumen und nach Studien beim Quatuor Ysaÿe in Paris sowie bei Gábor Takács folgte der herausragende Sieg beim ARD-Musikwettbewerb 2004. Das fundamentale, klassische Repertoire der Streichquartett-Literatur bleibt weiterhin das Steckenpferd der vier Herren von „Quatuor Ébène“ – aber ihre Ausflüge in den Jazz und Pop sind ganz besonders, denn die vokalen und instrumentalen Arrangements der vielseitigen Musiker bieten ein Fest an Klangfarben und Rhythmen.