Bild für Beitrag: Sendung Jazz and beyond | Interview mit Theresia Philipp auf Radio 674fm
Bild für Beitrag: Sendung Jazz and beyond | Interview mit Theresia Philipp auf Radio 674fm
Bild für Beitrag: Sendung Jazz and beyond | Interview mit Theresia Philipp auf Radio 674fm
Bild für Beitrag: Sendung Jazz and beyond | Interview mit Theresia Philipp auf Radio 674fm

Sendung Jazz and beyond

Interview mit Theresia Philipp auf Radio 674fm

Köln, 17.12.2020
TEXT: Uwe Bräutigam | FOTO: Uwe Bräutigam

Theresia Philipp , Saxophonistin, Klarinettistin und Komponistin ist die Kölner Jazzpreisträgerin 2020. Mit ihrer Band Pollon hat sie gerade eine neue CD veröffentlicht: Pollon with Strings. Am 13.12. war sie zu Gast in der Sendung: Jazz and beyond mit Uwe Bräutigam und hat über ihren Werdegang und ihre Musik erzählt. Das Interview wurde live ausgestrahlt.

Hallo Theresia, ich freue mich, dass Du trotz Corona Pandemie zur Sendung “Jazz and beyond“ ins Studio gekommen bist. Du bist die aktuelle Kölner Jazzpreisträgerin. Herzlichen Glückwunsch noch einmal von Angesicht zu Angesicht.

Theresia Philipp : Vielen Dank.

Du wirst als Kölner Musikerin gehandelt, Du lebst in Köln, aber Du bist nicht aus Köln. Wo kommst Du her, wo bist Du groß geworden?

Theresia Philipp : Ich lebe nun seit zehn Jahren in Köln. Ursprünglich komme ich aus der sächsischen Oberlausitz, 30 km nordöstlich von Dresden, aus Pulsnitz. Da sind meine Wurzeln.

Hast Du dort schon Saxophon- oder Klarinettenunterricht bekommen, oder bist mit Musik groß geworden?

Theresia Philipp : Also Musik hat immer eine Rolle gespielt. Ich habe in der Musikschule Keyboard gelernt, bin dann mit etwa 10 Jahren auf Saxophon umgestiegen und bin dann in einen Spielmannszug gegangen und bin dort musikalisch groß geworden.

Ja, das ist so ähnlich wie bei New Orleans Musiker*innen, die in irgendwelchen Marching Bands begonnen haben.

Theresia Philipp : Ja, genau.

Ich habe Dich zum ersten Mal 2015 bewusst erlebt, auf dem Kölner Summer Jazz Open Air an der Uni. Da hast Du ein eindrucksvolles Solo zu My favorite things gespielt, das ja durch John Coltrane berühmt wurde. Wie war Dein musikalischer Werdegang nach dem Spielmannszug? Hast Du hier in Köln studiert?

Theresia Philipp : Genau. Ich bin dann nach Dresden gezogen, habe in einem Internat gelebt, bin auf ein Musikgymnasium gegangen und habe dort schon ganz viel gelernt. 2010 bin ich dann nach Köln gezogen zum Studieren und bin dann hier sesshaft geworden.

Saxophon ist Dein Hauptinstrument und dann hast Du die Klarinette hinzugenommen?

Theresia Philipp : Saxophon ist auf jeden Fall mein Hauptinstrument. Aber ich habe schon als Jugendliche Klarinettenunterricht bekommen. Die Klarinette ist vielleicht nicht völlig gleichwertig, aber schon ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Musik.

Du hast Musik mitgebracht, von Deiner gerade frisch erschienenen CD Pollon with Strings. Ich habe Euch als Pollon ohne Strings einige Male live erlebt und war immer ganz angetan von eurer Musik. Was hat euch dazu gebracht, dass ihr nun Streicher hinzugenommen und das Klangbild damit verändert habt?

Theresia Philipp : Die Band Pollon, das Trio mit Thomas Sauerborn (Schlagzeug) und David Helm (Bass) gibt es schon ganz lange. Wir spielen schon seit der Studienzeit zusammen, also sehr lange. Wir kennen uns musikalisch sehr gut und haben sehr viel miteinander gespielt. Es war meine Idee, eine neue Klangästhetik mit hinzuzunehmen. Ich hatte immer schon Lust gehabt Musik für Streicher zu schreiben und so ist die Idee für dieses Projekt geboren worden. Dann wollte ich auch verschiedene Einflüsse von anderen Musikrichtungen mit hinein nehmen. Das hat sich in der CD dann gebündelt.

Welche Musikrichtungen sind das?

Theresia Philipp : Natürlich Jazz, klar, aber auch Neue Musik und vor allem Liturgiegesänge der Ostkirche.

Das Stück, das Du mitgebracht hast heißt Vertigo. Da denke ich als erstes an Hitchcock. Hat der Film tatsächlich eine Rolle gespielt?

Theresia Philipp : Ja, also der Film hat mich tatsächlich dazu inspiriert. Ich wollte mit der Musik, das hört man sicher am Anfang, eine Art Schwindelgefühl erzeugen und die beiden Bands, das Jazztrio und die Streicher kompositorisch gegeneinander stellen. Das überlappt sich dann aber auch.

Theresia, wir haben das Stück Vertigo aus Deiner neuen CD Pollon with Strings gehört. Wie der Titel der CD schon sagt, sind diesmal drei Streicher*innen dabei.

Theresia Philipp : Ja, an der Violine ist Axel Lindner zu hören, Radek Stawarz spielt Bratsche und Elisabeth Coudoux spielt Cello.

Du hast ein weiteres Stück aus der CD mitgebracht, mit dem Titel Seelen. Kannst Du uns etwas zu dem Stück sagen, wie ist der Titel zustande gekommen und was sind die musikalischen Ideen, die dem Stück zu Grunde liegen?

Theresia Philipp : In diesem Stück sind auf jeden Fall die Einflüsse der ostkirchlichen Liturgiegesänge zu hören, das ist ein Choral, den ich geschrieben habe. Die Akkorde werden um Vierteltöne versetzt. Dadurch entstehen noch einmal ganz andere Klangsphären. Etwas ungewohnt für unser europäisches Ohr. Ursprünglich habe ich das Stück für eine Frau geschrieben, die verschiedene Persönlichkeiten hat und darunter leidet. Für sie habe ich das Stück geschrieben und da ist auch der Titel Seelen entstanden.

Bei diesem Album ist es sehr auffällig, dass Du oder Ihr experimentierfreudiger und abenteuerlustiger seid, als das noch beim Pollon Album Herb der Fall war.

Theresia Philipp : Ja, die erweiterte Besetzung gibt einfach auch mehr klangliche Möglichkeiten. Ganz pragmatisch gesehen, können auch mehr Leute ihre Ideen mit einbringen. Es improvisieren ja auch alle. Auch die Streicher*innen gehen frei mit dem musikalischen Material um und improvisieren. Das ist natürlich eine Bereicherung.

Wir haben jetzt zwei Stücke aus der neuen CD Pollon with Strings gehört. Du hast aber noch mehr Musik mitgebracht, von einem neuen Projekt, wo die Musik noch nicht veröffentlicht ist. Magst Du uns dazu etwas sagen?

Theresia Philipp : Gerne. Das ist tatsächlich ein Live Album, eines Konzertes, das wir vor eineinhalb Jahren im Kölner LOFT gespielt haben, mit Thomas Sauerborn am Schlagzeug, Josef Dumoulin am Fender Rhodes und mir am Saxophon. Das ist eine ganz andere Klangästhetik. Josef Dumoulin ist ein belgischer Fender Rhodes Spieler, der wie kein zweiter mit diesem Sound umgehen kann. Das Album kommt am 22. Februar beim Kölner Klaeng Label heraus.

Die Pollon CD Herb ist auch bei Klaeng erschienen.

Theresia Philipp : Und Pollon with Strings ist bei dem Kölner Label Float Music erschienen.

Liebe Theresia ich möchte mich bei Dir bedanken, dass Du in solch einer schwierigen Zeit ins Studio von Radio 674fm in Köln gekommen bist und von Dir und Deiner Musik erzählt hast.

Ich wünsche Dir schöne Feiertage und alles Gute für das Neue Jahr, bleib gesund.

Theresia Philipp : Vielen Dank für die Einladung.

Pollon Konzertberichte:

https://www.nrwjazz.net/reviews/2015/pollonnadilnyquartettstadtgarten/

https://www.nrwjazz.net/jazzreports/2017/Pollon_Jazz_Schmiede_Duesseldorf

Suche