Wo der Jazz über seine Zukunft spricht
Ausblick auf die Jazz Now 2026 in Hamburg
Die Fachkonferenz der Deutschen Jazzunion kommt am 1. und 2. Oktober nach Hamburg. Auf der Agenda stehen Publikumsgewinnung, mentale und physische Gesundheit, Klassismus, die Zukunft der Jazzaufnahme – und nicht zuletzt die Frage, wie sich Jazz und Improvisierte Musik unter zunehmend prekären Bedingungen sichern lassen.
Jazz ist eine Musik des Zuhörens. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet das Zuhören eine der zentralen Fragen der diesjährigen Jazz Now! bildet. Am 1. und 2. Oktober 2026 lädt die Deutsche Jazzunion zu ihrer Fachkonferenz nach Hamburg. In der JazzHall der Hochschule für Musik und Theater Hamburg geht es dann nicht allein um die aktuellen Entwicklungen der Szene, sondern um die Bedingungen, unter denen Jazz heute entsteht, vermittelt, gehört und langfristig gesichert werden kann. Die Jazz Now! versteht sich seit ihrer Gründung als Diskursraum für die Jazz- und Improvisationsszene – und bringt damit regelmäßig jene Themen auf die Tagesordnung, die zwischen Konzertbetrieb, Kulturpolitik und musikalischer Praxis liegen.
Dass die Konferenz alle zwei Jahre in einem anderen Bundesland stattfindet, ist dabei mehr als eine geografische Rotation. Die Jazz Now! sucht den Austausch mit den jeweiligen regionalen Szenen und versteht sich zugleich als bundesweites Forum. Nach Stuttgart 2024 ist nun Hamburg an der Reihe. Kooperationspartner sind das Jazzbüro Hamburg, die Hochschule für Musik und Theater Hamburg und die JazzHall Hamburg.
Vom Publikum bis zur Prekarität
Ein erster Blick ins noch nicht endgültige Programm zeigt, wie breit das Feld abgesteckt ist. Gleich zum Auftakt geht es unter dem Titel „The Art of Listening: Wie wir Resonanzräume für neues Publikum schaffen“ um eine Frage, die für den Jazz seit Jahren an Bedeutung gewinnt: Wie lässt sich die Musik über die gewohnten Szenen und Milieus hinaus öffnen, ohne ihre künstlerische Eigenlogik preiszugeben?
Daneben rücken ganz konkrete Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt. Der „Basar der Kompetenzen“ widmet sich in Workshops zunächst der physischen, am zweiten Konferenztag der mentalen Gesundheit. Das klingt nach individueller Selbstfürsorge, berührt aber einen größeren kulturpolitischen Zusammenhang: Wer von freier künstlerischer Arbeit lebt, arbeitet häufig unter Bedingungen, in denen soziale Absicherung, Planbarkeit und ausreichende Ressourcen nicht selbstverständlich sind.
Entsprechend grundsätzlicher ist das Panel „Wie sichern wir Jazz und Improvisierte Musik? Zwischen Prekarität, Struktur, Politik und Perspektiven“ angelegt. Hier dürfte es um die großen Fragen gehen, die die Szene längst beschäftigen: Welche Infrastruktur braucht eine lebendige Jazzlandschaft? Wie lassen sich faire Arbeitsbedingungen herstellen? Welche Rolle spielen Kulturförderung und Politik – und wo müssen die Akteur*innen der Szene ihre Interessen selbstbewusster formulieren?
Die Deutsche Jazzunion versteht sich auf Bundesebene als Interessenvertretung der professionellen Jazzszene und setzt sich unter anderem für bessere strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen ein. Die Jazz Now! ist damit auch ein Ort, an dem diese kulturpolitische Arbeit öffentlich diskutiert werden kann.
Wer hat Zugang zum Jazz?
Am zweiten Tag verschiebt sich der Blick auf Fragen von Teilhabe und Zugang. Das Thema Klassismus im Jazz verweist auf eine Debatte, die in den vergangenen Jahren deutlich an Kontur gewonnen hat: Wer kann sich eine Ausbildung, ein Studium, unbezahlte Praktika, Reisen zu Festivals oder schlicht die Zeit leisten, die eine professionelle Laufbahn voraussetzt? Und welche sozialen Voraussetzungen entscheiden darüber, wer in der Szene sichtbar wird – und wer nicht?
Mit der „Hamburg Experience“ steht zudem ein eigenes Vernetzungsformat auf dem Programm, während „The Shape of Jazz Records to Come. Die Zukunft von Jazzaufnahmen“ die Veränderungen des Aufnahmemarktes und die Frage nach der Zukunft des Jazz auf Tonträgern in den Blick nimmt.
So entsteht ein Programm, das den Jazz nicht als isolierte Kunstsparte behandelt. Vielmehr geht es um sein gesamtes Ökosystem: um Musikerinnen und Studierende, Veranstalterinnen und Vermittler*innen, um Publikum, Ausbildung, Gesundheit, Arbeitsbedingungen, Aufnahmeproduktion und Kulturpolitik. Genau darin liegt die besondere Funktion einer Fachkonferenz wie der Jazz Now!: Sie schafft einen Raum, in dem die Szene nicht nur über Musik spricht, sondern über die Voraussetzungen ihrer eigenen Existenz.
Diskutieren – und spielen
Dass die Jazz Now! dabei keine reine Tagung sein will, gehört zum Konzept. Networking und informeller Austausch sind ebenso Bestandteil des Programms wie Panels, Workshops und Impulsvorträge. Am Donnerstagabend soll es nach der Session in der JazzHall mit einem Session Opener ein offenes Angebot im Birdland geben. Für den Freitag sind Konzerte zum Abschluss des Konferenztages vorgesehen.
Fest steht bereits, dass das Amir Bresler Moog Trio am 2. Oktober das Abschlusskonzert der Jazz Now! in der JazzHall gestalten wird. Der israelische Schlagzeuger Amir Bresler trifft dabei auf Nitai Hershkovits an Moog und Piano sowie Haggai Cohen-Milo am Kontrabass.
Damit folgt die Jazz Now! einer für den Jazz durchaus passenden Dramaturgie: zuhören, diskutieren, sich vernetzen – und anschließend gemeinsam Musik erleben. Denn kulturpolitischer Diskurs und künstlerische Praxis sind in dieser Szene ohnehin kaum voneinander zu trennen.
Die Jazz Now! 2026 findet am 1. und 2. Oktober 2026 in Hamburg statt. Das Programm befindet sich derzeit noch in Vorbereitung und wird von der Deutschen Jazzunion sukzessive ergänzt. Die Konferenz richtet sich insbesondere an Jazzprofis, Studierende und Amateurinnen sowie Jazzliebhaberinnen; ausdrücklich willkommen sind aber auch alle weiteren Interessierten und Jazzfreund*innen.
Jazz Now! 2026 – Fachkonferenz der Deutschen Jazzunion, 1.–2. Oktober 2026, JazzHall der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

